Mittwoch, 18. September 2019

Immobilienboom Bundesbank will gegen Preisexzesse vorgehen

Neubau in Frankfurt am Main: Die Bundesbank beobachtet die Preisentwicklung in einigen Metropollagen mit Sorge

Der Immobilienboom in Deutschland bereitet der Bundesbank offenbar zunehmend Sorge. In einigen Metropolen seien die Objekte bereits bis zu 25 Prozent überbewertet, sagte Vizepräsidentin Buch in einem Interview. Die Notenbank bereitet deshalb nun Maßnahmen vor. 

Hamburg - Mahnungen und Warnungen gab es bereits einige, jetzt scheint die Bundesbank einen Schritt weiter zu gehen: Wegen der steigenden Preise am Immobilienmarkt bereitet sich die Bank darauf vor, gegen mögliche Exzesse in dem Bereich vorzugehen. Das sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch in einem Interview mit der "Zeit".

Laut Buch stehen zu dem Zweck "eine Reihe neuer Instrumente zur Verfügung". "Drohen Übertreibungen, kann zum Beispiel den Banken vorgeschrieben werden, dass sie mehr Eigenkapital vorhalten müssen, wenn sie Immobilienkredite vergeben", so die Notenbänkerin. Das mache die Banken widerstandsfähiger, verteuere tendenziell die Kredite und dämpfe den Preisauftrieb am Immobilienmarkt.

Erprobt seien diese Instrumente aber noch nicht. "Wir betreten hier Neuland", sagte Buch. "Wir haben mit dieser Art von Eingriffen noch nicht sehr viele Erfahrungen gemacht."

Preise um bis zu 25 Prozent zu hoch

Grundsätzlich mahnt die Bundesbank Käufer von Häusern und Wohnungen angesichts der steigenden Immobilienpreise in Deutschland zur Vorsicht. "Nach unseren Analysen sind Immobilien in einigen Großstadtlagen in der Tat um etwa 20 bis 25 Prozent überbewertet", sagte Vizepräsidentin Buch. "Käufer sollten deshalb immer prüfen, ob sie sich die Immobilie wirklich leisten können."

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sei die Preisentwicklung bei Immobilien allerdings noch nicht bedenklich, so Buch, die seit Mai bei der Bundesbank für Finanzstabilität zuständig ist. "Wir haben es schon seit einiger Zeit mit niedrigen Zinsen zu tun, und in einer solchen Situation sind steigende Immobilienpreise nicht unüblich."

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten jedoch, dass das "sehr gefährlich werden" könne, sagte die Ökonomin: "Daher beobachten wir die Lage genau - aber wir sehen in Deutschland derzeit noch keine Übertreibungen, die eine akute Gefahr darstellen."

Bisher nehme das Volumen der Immobilienkredite nur moderat zu, sagte Buch. "Drohen Übertreibungen, kann zum Beispiel den Banken vorgeschrieben werden, dass sie mehr Eigenkapital vorhalten müssen, wenn sie Immobilienkredite vergeben." Das würde den Preisauftrieb am Immobilienmarkt dämpfen, erklärte die Bundesbank-Vizepräsidentin.

cr/dpa-afx/afp

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