Mittwoch, 20. November 2019

Immobilienübersicht Kaufnebenkosten in Bayern niedriger als in Berlin

Immobilienkauf: Die Nebenkosten im Überblick
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Nirgends in Deutschland ist der Immobilienkauf teurer als in Bayern? Irrtum - jedenfalls wenn es um die Nebenkosten geht. Daran gemessen ist Deutschlands Süden bundesweit am günstigsten. Die rote Laterne hängt in Berlin.

Hamburg - Wer sich eine Wohnimmobilie kaufen will, zahlt dafür unter allen deutschen Großstädten in München den höchsten Preis. Auch im bayerischen Umland ist das Preisniveau für Häuser und Wohnungen höher als im Rest der Republik. Zu diesen Ergebnissen kamen erst in dieser Woche erneut Analysen des Immobilienberaters Jones Lang LaSalle sowie der Agentur F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt.

Was jedoch die wenigsten wissen dürften: Die Kaufnebenkosten, also jene Gebühren, die beim Immobilienerwerb noch auf den eigentlichen Preis aufgeschlagen werden, sind kaum irgendwo in Deutschland niedriger als in Bayern und mithin auch in München. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die die Baufinanzierungsplattform Interhyp erstellt hat.

Interhyp hat für alle Bundesländer die wichtigsten Nebenkosten eines Immobilienkaufs zusammengestellt. Dabei handelt es sich um:

  • Die Maklercourtage,
  • die Grunderwerbssteuer
  • und die Notarkosten.

Diese Kosten muss jeder Erwerber einer Wohnung oder eines Häuschens zusätzlich zum Kaufpreis aufbringen. Und falls er die Immobilie mit Gewinn wieder veräußern will, muss die Wertentwicklung zunächst den Kostenaufschlag wettmachen. Denn beim Verkauf fließen zwar erneut Nebenkosten - aber nicht an den Verkäufer.

Berlin liegt am Ende des Rankings

Wer sich die Zahlen von Interhyp anschaut, erkennt allerdings schnell: Beim Terminus "Nebenkosten" handelt es sich eher um eine Verniedlichung. Mit weniger als 10 Prozent des Kaufpreises an zusätzlichen Gebühren kommen in Deutschland nur wenige an eine Wohnimmobilie.

Bemerkenswert ist zudem, wie stark die Kostensätze regional schwanken. Laut Interhyp liegt die Spanne zwischen knapp 10 in Bayern und Sachsen und mehr als 15 Prozent in Berlin.

Ausschlaggebend für die schlechte Positionierung Berlins am Ende des Rankings war nach Angaben der Analysten eine Steueränderung dort: In der Hauptstadt sowie in Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurde die Grunderwerbssteuer zu Jahresanfang 2014 auf bis zu 6 Prozent erhöht.

Zum Hintergrund: Die Grunderwerbsteuer wird von den Bundesländern festgesetzt und unterscheidet sich deshalb deutlich. Derzeit beträgt diese Abgabe je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises.

Auch die Berechnung der Notarkosten wurde im August 2013 neu geregelt. Sie betragen nach Angaben von Interhyp rund 1,5 bis 2 Prozent des Kaufpreises. Anders als Grunderwerbssteuer und Notarkosten sind die Maklerprovisionen nicht verbindlich festgelegt. Es haben sich aber ortsübliche Entgelte etabliert, die ebenfalls regional stark variieren, so Interhyp. Sie liegen bei 3 bis 7 Prozent des Kaufpreises inklusive Mehrwertsteuer, schreibt das Unternehmen.

Insgesamt ist das regionale Gefälle der Kaufnebenkosten enorm, sagt Interhyp-Chef Michiel Goris. "Seit Januar zahlen Berliner bei einer 300.000-Euro-Wohnung bis zu 45.000 Euro für die Kaufnebenkosten, Münchner beim gleichen Kaufpreis 27.200 Euro." Der Spielraum bei den Nebenkosten ist laut Gories gering. "Grunderwerbsteuer und Notarkosten sind festgelegt", sagt er. "Mit dem Makler kann man zwar grundsätzlich verhandeln, aber in den Ballungsräumen mit hoher Nachfrage wird dies kaum Erfolg haben."

Nachtrag: Per Twitter wies ein Maklerverbund aus Ratzeburg in Schleswig-Holstein darauf hin, dass die Maklercourtage in dem Bundesland seiner Erfahrung nach üblicherweise 5,95 Prozent des Kaufpreises inklusive Mehrwertsteuer beträgt. Siehe hier:

Twitter-Hinweis eines Maklerverbundes aus Rendsburg zur Übersicht über die Nebenkosten beim Immobilienkauf
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Twitter-Hinweis eines Maklerverbundes aus Rendsburg zur Übersicht über die Nebenkosten beim Immobilienkauf
Unter Berücksichtigung dieses Wertes, der von jenem, den Interhyp ermittelt hat, abweicht, würde Schleswig-Holstein auf Gesamtnebenkosten von deutlich mehr als 14 Prozent kommen. Damit würde das nördlichste Bundesland in einer Liga mit Berlin und Brandenburg spielen - als teuerste Länder Deutschlands.

Die Analyse der Immobilienkauf-Nebenkosten im Überblick

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