Mittwoch, 13. November 2019

Immobilienmarkt Italien und Spanien bei Investoren beliebter als Deutschland

Blick auf Benidorm bei Alicante: Investoren greifen bei spanischen Immobilien wieder zu

Wirtschaftskrise, Deflation, hohe Leerstände - egal, Büroimmobilien und Shoppingcenter in Südeuropa sind wieder gefragt. Die Käufer hoffen auf hohe Renditen und blenden Risiken aus - und lassen Deutschland links liegen.

Hamburg - Sareb ist der Scheinriese der europäischen Immobilienbranche: Wie der Herr Tur Tur im Kinderbuch "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer", wirkt die spanische Gesellschaft aus der Ferne betrachtet wie ein Gigant. Bürotürme, Shoppingcenter, Lagerhallen - 50 Milliarden Euro bringt ihr Immobilienportfolio in den Bilanzen auf die Waage. Aus der Nähe besehen, schrumpft die Socied de Gestión de Activos procedentes de la Reestructuración Bancaria jedoch - wie Herr Tur Tur - kräftig zusammen.

Denn Sareb ist die Bad Bank der iberischen Finanzindustrie. Alle Immobilien aus den in der Wirtschaftskrise notleidend gewordenen Krediten spanischer Banken sind in dem 2012 gegründeten Institut gebündelt. Und die einzige Aufgabe von Vorstandschef Jaime Echegoyen ist es, alle Objekte im Portfolio so schnell wie möglich loszuschlagen. Der frühere Kopf der Gewerbeimmobiliensparte der britischen Barclays Bank Börsen-Chart zeigen in Spanien managt die Resterampe der geplatzten Blase im südeuropäischen Land.

Eine Aufgabe, die eigentlich fast unmöglich scheint: Die Konjunktur liegt darnieder; das Land ist in die Deflation gerutscht, weil die Haushalte immer stärker sparen müssen; 25,6 Prozent beträgt die Arbeitslosenrate, nach Griechenland der zweithöchste Wert in der Eurozone. Entsprechend sieht es an den Gewerbeimmobilienmärkten aus: Viele Bürotrakte und Ladenzeilen stehen leer. In vielen Lagerhallen lagert nur noch eines: Staub. Neue Mieter sind vorerst nicht in Sicht.

Doch Echegoyen und seine Mitarbeiter ringen nicht mehr damit, Käufer für die Objekte im Sareb-Portfolio zu finden. Ihr Problem ist inzwischen ein ganz anderes: Sie stehen vor der Aufgabe, Verkaufsverträge schnell genug auszustellen. Immobilien und notleidende Hypothekenkredite im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro hat die Bad Bank seit Mitte vergangenen Jahres losgeschlagen. Zu den Käufern zählen amerikanische Investmentgesellschaften wie Davidson Kempner Capital, große Geldhäuser wie die Bank of America Börsen-Chart zeigenund die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen sowie zahlreiche Pensionskassen und Versicherungen aus Nordeuropa und den USA.

Mehr Chancen in der Peripherie

Zahlreiche weitere Interessenten stehen Schlange: Spanischen Medienberichten zufolge rangeln angelsächsische Finanzinvestoren wie Apollo Börsen-Chart zeigen, Blackstone Börsen-Chart zeigen, Cerberus, Fortress Börsen-Chart zeigen und Lonestar darum, bei den Deals zum Zuge zu kommen. Die Bad Bank verkaufe nicht mehr einzelne Objekte, sondern ganze Pakete an Immobilien und Krediten, sagt Sareb-Manager Luis Morenosaid. "Das ist der effizienteste und schnellste Weg, um Abschlüsse rasch abzuarbeiten."

Nicht nur in Spanien sind Gewerbeimmobilien derzeit heiß begehrt. Auch in den übrigen Krisenstaaten Südeuropas stürzen sich Altersvorsorgeeinrichtungen, Banken, Fonds und Versicherungen auf Bürotürme, Einkaufszentren, Logistikobjekte und notleidende Hypothekenkredite.

"Viele Investoren sehen in den Peripherieländern inzwischen mehr Chancen als Risiken", sagt David Milleker, Chefvolkswirt der Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. "Die Jagd nach attraktiven Renditen lässt Investoren wieder wagemutiger werden", meint Drazenko Grahovac, Leiter Immobilienbewertungen Europa, bei der Beratungsgesellschaft Savills. "Investoren wollen dieses Jahr deutlich risikoreicher agieren", bestätigt Jan Linsin, Chefresearcher der Beratungsgesellschaft CBRE in Deutschland.

Auch die Niederlande stehen wieder im Fokus der Alterversorger, Fonds und Versicherungen, obwohl der Gewerbeimmobilienmarkt im Tulpenland noch schwer unter den Folgen der erst vor wenigen Jahren geplatzten Blase leidet und mehr als 18 Prozent der Büroflächen derzeit leerstehen. "Im vierten Quartal vergangenen Jahres stieg das Investmentvolumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 51 Prozent auf 1,605 Milliarden Euro", sagt Fabian Klein, Leiter der Investmentsparte bei CBRE in Deutschland.

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