Dienstag, 17. September 2019

Immobilieninvestments Private Vermieter erzielen nur Mini-Renditen - viele zahlen drauf

Wohnungen in Freiburg: Viele Privatleute kaufen am falschen Ort und zur falschen Zeit

Mietwohnungen gelten als sichere Anlage. Doch eine Studie zeigt: Das Investment ist längst nicht so lukrativ wie gedacht. Nicht einmal jeder zweite private Vermieter erreicht eine Rendite von mehr als 2 Prozent pro Jahr. Viele zahlen sogar drauf.

Hamburg - Er ist reich und wird von Monat zu Monat reicher - durch das Geld, dass seine Mieter an ihn überweisen. Das ist das gängige Bild, das Millionen Bundesbürger von privaten Vermietern haben. Und immer mehr wollen es ihnen gleich tun. Seit 2009 steigen die Immobilienpreise in Deutschland kontinuierlich, weil Jahr für Jahr mehr private Kapitalanleger Eigentumswohnungen als Vermietungsobjekte erwerben.

Angefacht wird der Boom durch die seit fünf Jahren stetig sinkenden Zinsen für Hypothekenkredite und durch massive Werbung von Banken, Bauträgern und Maklern für das vermeintliche "Betongold". 1,2 Millionen Einträge listet inzwischen die Internetsuchmaschine Google für den Satz "Reich werden mit Immobilien".

Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, die heute veröffentlicht wurde. Danach fahren 8,5 Prozent der rund sieben Millionen privaten Vermieter mit ihren Wohnungen Verluste ein, weitere 24,6 Prozent schreiben gerade mal eine schwarze Null. 20,7 Prozent erzielen bescheidene Erträge zwischen 0,1 und 2 Prozent pro Jahr. Lediglich 46,2 Prozent, nicht einmal jeder zweite Anleger, kommen mit ihren Mietwohnungen auf eine Rendite von 2,1 Prozent oder mehr.

Experte: "Privaten Vermietern fehlt die nötige Härte"

"Unter Berücksichtigung von Risiko und Aufwand einer direkten Immobilieninvestition sind diese Ertragsdaten alles andere als zufriedenstellend", sagt Thomas Meyer, Vorstandschef der Wertgrund Immobilien. Der Starnberger Spezialist für Wohnimmobilieninvestments hat den DIW mit der Renditeanalyse beauftragt. Das Ergebnis zeige, dass "viele Privatanleger die Risiken am Wohnungsmarkt unterschätzen", sagt Meyer.

Das Ergebnis der Studie ist für Experten nicht überraschend. "Anders als Profiinvestoren nutzen die meisten privaten Vermieter die Mietsteigerungspotenziale ihrer Immobilien nicht aus und verschenken damit Renditen", sagt Michael Voigtländer, Immobilienökonom beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Vielen privaten Vermietern fehle die nötige Härte, um im Geschäft zu bestehen, meint Thomas Beyerle, Chefresearcher der Immobilienberatungsgesellschaft Catella. "Sie verzichten auf Mieterhöhungen, um langwierigen Streitigkeiten mit ihren Mietern aus dem Weg zu gehen."

Die Studie widerlege das negative Image privater Vermieter in der öffentlichen Meinung, sagt Rolf Kornemann, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund. "Sie sind nicht die vielfach beschriebenen Renditehaie, sondern langfristig orientierte Anleger, die an häufigen Mieterwechseln kein Interesse haben."

Bereits frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Privatanleger mit ihren Wohnungsinvestment kaum Geld verdienen. So kam das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) schon im Jahr 2007 in einer Studie zu dem Schluss, dass 18,8 Prozent der privaten Vermieter mit ihrer Immobilie Verluste erzielten. Weitere 40,5 Prozent fuhren danach gerade einmal ausreichend Mieterträge ein, um ihre Kosten für Instandhaltungsmaßnahmen zu decken. Nur 40,8 Prozent erzielten einen Gewinn.

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