Sonntag, 15. September 2019

Urbanes Leben Wo sich London neu erfindet

Wandel in Bildern: Die spannenden Projekte von Elephant & Castle
Christos Koukelis / Homes by Lend Lease

Gute Verkehrsanbindung, moderner Wohnraum und viel grün: Londons fast verlorenes Viertel Elephant & Castle wandelt sich gerade zu einem überaus attraktiven Wohngebiet. Rundgang durch eine gigantische Projektentwicklung.

Die Sonne brennt aufs Sakko, der Verkehr lärmt. Schubweise halten rote Doppelstockbusse, saugen die Haltestelle leer und spucken hinten genauso viele Menschen wieder aus. Schulkinder, Hausfrauen mit Einkauf, Büromenschen. Dazu unzählige Leute, die man nur schwer einordnen kann, die aber der Metropole an der Themse erst zu ihrem bunten Straßenbild verhelfen.

Wir stehen vor der U-Bahn-Station Elephant & Castle, im Herzen des Viertels gleichen Namens südlich der City von London. Großprojekte, mit denen die Millionenstadt modernisiert werden soll, gibt es viele. In Elephant & Castle werden gerade einige davon Wirklichkeit. Es entsteht viel neuer Wohn- und Lebensraum - der Stadtteil wandelt sich.

50 Meter Richtung Süden etwa blicken wir hinauf an der Glasfassade des Wohnturms "Strata". Mit 148 Metern Höhe und mehr als 40 Stockwerken ist es eines der höchsten Wohngebäude der Stadt. Mehr als 1000 Menschen leben in den vor wenigen Jahren fertiggestellten gut 400 Apartments.

Oder die Baustelle schräg gegenüber: Dort entsteht der Komplex "One The Elephant", eine Kombination aus einem 37-Stock-Wolkenkratzer und einem vierstöckigen Pavillon. Fast 300 Wohneinheiten sind geplant. Voraussichtliche Fertigstellung: 2016.

"Eine der interessantesten Gegenden Londons"

"Elephant & Castle war ein vergessener Teil Londons", sagt Antonio Marin-Bataller. Der Spanier arbeitet für die deutsche Immobilienfirma Patrizia in der britischen Hauptstadt. Patrizia, seit einiger Zeit auch in "UK" aktiv, hat nach London eingeladen, betreibt in Elephant & Castle aber keine Geschäfte. So dient uns Marin-Bataller an diesem Nachmittag im Mai als fachkundiger Führer. "In Elephant & Castle", erläutert er, "gab es früher viel sozialen Wohnungsbau und einen hohen Anteil an Menschen mit geringem Einkommen."

Zum schlechten Image des Stadtteils trug seinerzeit auch die Verkehrssituation bei, so Marin-Bataller. Oberirdisch dominierten Pkw, Busse und Lkw. Da blieben den Fußgängern nur die vielen Tunnel, die für sie unter den Straßen hindurch ins Erdreich gebohrt worden waren. Doch damit kam noch ein weiteres Übel hinzu: Die dunklen Passagen zogen Gewalttäter und andere Kriminelle offenbar magisch an.

Das alles ist nun Vergangenheit. Elephant & Castle erlebt eine "erfreuliche Re-Gentrifizierung", so Marin-Bataller. "Es ist heute eine der interessantesten Gegenden, in denen man die Verjüngung und Regeneration Londons beobachten kann. Merkwürdigerweise bekommt es verglichen mit anderen Stadtteilen aber nicht die Aufmerksamkeit, die es eigentlich verdient hätte."

Ein großer Vorzug des Stadtteils ist nach Angaben des Ortskenners die günstige Infrastruktur, mit zahlreichen Buslinien, zwei U-Bahn-Linien (wenn man berücksichtigt, dass sich die "Northern-Line" weiter nördlich zweiteilt, sind es sogar drei) und einer Anbindung an das Fernbahnnetz.

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