Mittwoch, 23. Oktober 2019

IW-Studie Wohnungsleerstand wird zum Massenphänomen

Leerstehendes Haus nahe Potsdam: Die Provinz leidet unter Landflucht

Raus aus dem Dorf, rein in die Stadt: Weil immer mehr Menschen der Provinz den Rücken kehren, breitet sich der Leerstand aus. Betroffen ist nicht nur Ostdeutschland: Auch im Westen droht ganzen Landstrichen die Verwahrlosung, wie eine Studie zeigt.

Berlin - Steigende Mieten sind ein großes Wahlkampfthema - von einem Immobilienboom ist die Rede oder gar einer Blase am Häusermarkt. Nun kommt eine Studie zu einem anderen Ergebnis: Demnach droht Deutschland vielmehr ein Wohnungsleerstand. Denn während es immer mehr Menschen in boomende Städte zieht, stehen auf dem Land viele Wohnungen und Häuser leer, wie aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervorgeht.

Da die Bevölkerung weiter abnehme, werde der Leerstand künftig zu einem immer größeren Problem - nicht nur für ländliche Regionen im Osten, sondern auch für manche darbende Großstädte im Westen. Viele Städte werden dem IW zufolge dagegen immer beliebter: "Die jungen Leute schätzen sie, weil sie dort mobiler sind und bessere Ausbildungs- und Jobchancen haben." Auch für ältere Menschen seien Städte attraktiv, weil sie dort mehr Freizeiteinrichtungen, Gesundheitsversorgung und Kulturangebote vorfänden.

"Der Run auf die Großstädte wird das Überangebot an freien Wohnungen in den ländlichen Regionen noch verstärken." Die Forscher haben die Nachfrage nach Wohnfläche für alle 402 Landkreise und kreisfreien Städte berechnet. Sie haben in zwei Szenarien untersucht, wie sich der Pro-Kopf-Bedarf an Wohnraum entwickelt.

Spätestens ab 2050 weniger Wohnungsbedarf

Im Szenario mit konstantem Bedarf geht schon bis 2030 die Nachfrage nach Wohnungen in 240 der 402 Landkreise und Städte zurück. Davon betroffen wären Metropolen wie Essen oder Dortmund, am härtesten träfe es aber Regionen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Mancherorts könnte den Experten zufolge jede fünfte Wohnung überflüssig sein. "Den größten Zuwachs hätten indes nicht etwa Berlin oder Hamburg, sondern das Münchner Umland - also Erding, Ebersberg, Dachau und Freising."

In einem zweiten Szenario gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Deutschen in Zukunft in größeren Wohnungen leben wollen. Dieser so genannte Wohnflächenkonsum sei bereits über alle Altersgruppen hinweg zwischen 1995 und 2011 um 21 Prozent gestiegen.

Grund dafür ist neben steigendem Lebensstandard auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen alleine leben und vergleichsweise große Wohnungen haben. Auch für dieses Szenario sehen die Forscher nach einer zunächst noch steigenden Nachfrage dann spätestens ab 2050 deutlich weniger Bedarf an Wohnraum.

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mahi/rtr

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