Sonntag, 15. September 2019

Milliarden-Investments Norwegens Staatsfonds mischt globalen Immobilienmarkt auf

Immobilieninvestments: Wer investiert hierzulande wo und wie viel?
AFP

Der Staatsfonds Norwegens ist der größte Fonds weltweit. Was jedoch nicht so bekannt sein dürfte: Er ist seit wenigen Jahren auch einer der größten Immobilieninvestoren. Gegenwärtig steht das Management dabei unter erheblichem Anlagedruck.

Hamburg - Wer sich über den weltweiten Immobilienboom mit großer Nachfrage und steigenden Preisen wundert, braucht nur nach Skandinavien zu schauen. Dort gibt es einen Investor, der gehörig dazu beiträgt, dass die Rallye am Laufen bleibt.

Die Rede ist vom norwegischen Staatsfonds, der mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet rund 630 Milliarden Euro größten Geldsammelstelle weltweit. Seit einigen Jahren hat der Fonds, der sich vor allem aus den Öl- und Gaseinnahmen Norwegens speist, Medienberichten zufolge auch Immobilien auf seiner Einkaufsliste - und er hat offenbar alle Mühe, die vorgegebene Anzahl an Objekten in der gegebenen Zeit zu erwerben.

Karsten Kallevig, der verantwortliche Investmentmann für den Immobilienteil des Fonds, hat derzeit mindestens 24 Milliarden Euro (33 Milliarden Dollar) zur Verfügung, um damit Immobilien zu kaufen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Und er steht offenbar unter gehörigem Anlagedruck.

Seit 2010, als der Einstieg in den Immobilienmarkt beschlossen wurde, wurden schon Objekte in prominenten Lagen wie dem New Yorker Times Square oder an den Champs Elysees in Paris erworben, so Bloomberg. Aber das Soll ist noch längst nicht erfüllt.

Fonds performt besser als Benchmark

Ziel ist es laut Bloomberg, den Immobilienanteil im Fonds von derzeit 1,2 Prozent auf 5 Prozent zu erhöhen. Das heißt: Bis 2020 dürfte der Bestand von zurzeit 7,3 Milliarden Euro (zehn Milliarden Dollar) auf etwa 44,5 Milliarden Euro steigen. Die Herausforderung erscheint um so größer, weil parallel zum Immobilienanteil auch der gesamte Fonds ständig wächst - auch diese Expansion muss Chefeinkäufer Kallevig, der laut Bloomberg 2010 von Grove International Partners zum Staatsfonds stieß, also aufholen.

Um dabei keine allzu großen Risiken einzugehen, beschränkt sich der Fonds nach Angaben des Managers auf zehn bis 15 der wichtigsten Metropolen weltweit. In den USA etwa investiere er in Washington, San Francisco, New York und Boston, so Kallevig zu Bloomberg. In Europa schaue er sich in London, Paris,Berlin und München um.

Besonderes Augenmerk liegt zudem auf Asien, wo die Investitionstätigkeit gegenwärtig gesteigert werde.

Laut Kallevig musste der Fonds aufgrund dieser Beschränkung in der Vergangenheit zwar schon ein Reihe von Investitionsgelegenheiten passieren lassen. Unterm Strich zahlt sich die klare Fokussierung aber offenbar aus: Der Immobilienteil des norwegischen Staatsfonds erzielte im vergangenen Jahr laut Bloomberg eine Rendite von 11,3 Prozent. Der IPD Global Annual Property Index als Vergleichgröße kam im gleichen Zeitraum lediglich auf 8,3 Prozent.

Übersicht über den deutschen Immobilienmarkt: Wer investiert wo und wie viel?

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