Donnerstag, 5. Dezember 2019

Aroundtown legt Angebot für TLG vor Ein neuer Immobilienriese entsteht

TLG Immobilien am Alexanderplatz in Berlin
TLG Immobilien
TLG Immobilien am Alexanderplatz in Berlin

Die beiden Gewerbeimmobilien-Konzerne Aroundtown und TLG machen bei ihrer geplanten Milliardenfusion Nägel mit Köpfen. Aroundtown legte am Dienstag das Ende Oktober angekündigte Übernahmeangebot für TLG vor. Die Aktionäre der TLG Immobilien sollen je Papier 3,6 Aroundtown-Aktien aus einer Kapitalerhöhung erhalten, wie beide Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilten. Das entspreche einem Angebotspreis von 27,66 Euro je TLG-Aktie beziehungsweise einer Prämie von 3,2 Prozent zum Schlusskurs vom Montag.

Vor allem die Aktie von TLG Börsen-Chart zeigen profitierte am Dienstagmorgen von der Ankündigung und legte um 1,87 Prozent auf 27,30 Euro zu. Der Kurs von Aroundtown fiel um knapp ein halbes Prozent auf 7,65 Euro. Durch den Zusammenschluss entsteht laut Analysten ein möglicher Kandidat für den Dax. Analyst Andre Remke von der Baader Bank sieht einen Vorteil in Einsparungen von Finanzierungskosten durch eine womöglich höhere Bonitätseinstufung.

Vorstand und Aufsichtsrat von TLG unterstützten die Offerte, für die voraussichtlich keine Mindestannahmeschwelle geplant sei, hieß es weiter von den Unternehmen. Zudem verpflichtet sich der größte TLG-Aktionär, die Ouram Holding des israelischen Investor Amir Dayan, ihre Beteiligung von rund 28 Prozent anzudienen.

Europaweit größter Anbieter von Büroimmobilien

Sollte das Vorhaben gelingen, würde der europaweit größte Anbieter von Bürohäusern entstehen. Dabei sollen auch Einsparungen etwa in den Konzernzentralen sowie Verwaltung der Gebäuden und IT realisiert werden. Die Synergien sollen zu einer Steigerung des operativen Ergebnisses vor Steuern (Vorsteuer-FFO) von 110 bis 139 Millionen Euro pro Jahr innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Zusammenschlusses führen. Nach Steuern soll sich der operative Gewinn um 92 bis 117 Millionen Euro verbessern.

Beide Unternehmen sind auf Gewerbeimmobilien spezialisiert. Aroundtown ist allerdings auch mit knapp 39 Prozent an Grand City Properties beteiligt. Grand City hatte zuletzt rund 76.000 Wohnungen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Berlin. Das in der Öffentlichkeit bis dato weitestgehend unbekannte Unternehmen Aroundtown aus Luxemburg geriet im Sommer mit dem Engagement als Trikotsponsor des Bundesliga-Aufsteigers Union Berlin in die Schlagzeilen.

TLG ist bereits größter Aktionär von Aroundtown

An der Börse ist das im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Unternehmen derzeit knapp 9,4 Milliarden Euro wert, das im SDax gelistete Unternehmen TLG Immobilien kommt auf eine Marktkapitalisierung von etwa drei Milliarden Euro. TLG war im September bei Aroundtown mit dem Kauf eines Aktienpakets von knapp 10 Prozent eingestiegen und hatte damit die Fusionsgespräche ausgelöst. Derzeit hält TLG 15 Prozent am Unternehmen und ist damit größter Aroundtown-Aktionär, nach der zyprischen Avisco Group des israelischen Geschäftsmanns Yakir Gabay.

Bei der Besetzung des Managements des fusionierten Konzerns soll TLG eine wichtige Rolle eingeräumt werden. So soll TLG den Finanzvorstand nominieren, wenn Aroundtown nach der Offerte die Mehrheit an TLG hält. Und - für den Fall, dass Aroundtown lediglich auf mindestens 40 Prozent der Aktien hält - kann TLG immerhin den ersten Vorsitzenden des Verwaltungsrats nominieren. Das zusammengeführte Unternehmen wird den Angaben zufolge einen neuen Namen erhalten. Der operative Hauptsitz soll in Berlin, also der Heimat von TLG, sein. Formeller Konzernsitz soll weiter in Luxemburg sein.

Fusionierter Immobilien-Riese soll neuen Namen bekommen

Aroundtown hat seine Gewerbeimmobilien gemessen am Marktwert überwiegend in Berlin, München und Frankfurt - dabei handelt es sich vor allem um Büros und Hotels. TLG ist ebenfalls stark in Berlin engagiert. Weitere regionale Schwerpunkte sind Dresden, Leipzig, Rostock sowie das Rhein-Main-Gebiet. Investiert hat TLG vor allem in Büros und Einzelhandelsimmobilien - so findet man dort am häufigsten Edeka, Rewe, Kaufland und Lidl.

Durch eine Fusion würde nach Angaben der beiden Unternehmen der größte Anbieter von Büroimmobilien in Europa entstehen, zudem würde gemessen an der Bilanzsumme nach Unibail-Rodamco-Westfield und Vonovia Börsen-Chart zeigen der drittgrößte europäische Immobilienkonzern entstehen. Das Immobilienportfolio von Aroundtown und TLG kommt einer Präsentation zufolge auf einen Wert von mehr als 25 Milliarden Euro.

TLG Immobilien geht auf eine Tochter der Treuhandgesellschaft zurück. 2012 hatte die Bundesregierung das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft, der das Unternehmen 2014 an die Börse gebracht hatte. Aroundtown wurde 2004 vom israelischen Geschäftsmann Yakir Gabay gegründet und wurde 2015 an die Börse gebracht - seit März vergangenen Jahres ist das Unternehmen im MDax gelistet.

rei/dpa-afx

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