Sonntag, 15. Dezember 2019

Geschlossene Immobilienfonds "Tricksen, Täuschen und Vertuschen"

Bürohochhaus in Frankfurt - Fonds für institutionelle Investoren erzielen in der Regel deutlich höhere Renditen als Beteiligungsmodelle für Privatanleger

Initiatoren geschlossener Fonds haben bislang über ihre Leistungsbilanzen ausgewiesen, ob sie die versprochenen Ausschüttungen erzielt haben. Damit ist es vorbei. Anlegerschützer sind empört - die ohnehin von diversen Skandalen geschüttelte Branche vollziehe einen "Schritt zurück in die Steinzeit".

Hamburg - Für den unabhängigen Fondsanalysten Stefan Loipfinger ist es "ein Schritt zurück in die Steinzeit des Anlegerschutzes". Peter Mattil, Münchner Fachanwalt für Kapitalanlegerecht, spricht von "Tricksen, Täuschen und Vertuschen". Mit der Entscheidung, künftig keine Leistungsbilanzen mehr zu veröffentlichen, hat sich die ohnehin von diversen Skandalen geschüttelte Branche der Emissionshäuser einmal mehr den Zorn von Anlegerschützern zugezogen. Selbst Werner Rohmert, Berater diverser Fondshäuser, hadert mit dem Schritt: "Die Initiatoren verzichten auf die eigene Kontrollierbarkeit."

Die Leistungsbilanz ist seit Jahren das Arbeitszeugnis eines Emissionshauses. Sie zeigt detailliert auf, wie jeder einzelne Beteiligungsmodell eines Initiators bislang performt. Anhand des Soll-Ist-Vergleichs können Anleger kontrollieren, ob die im Emissionsprospekt prognostizierten Ausschüttungen in jedem einzelnen Jahr erreicht wurden oder nicht - und ob bereits aufgelöste Beteiligungsmodelle ihre Immobilien zum zuvor angesetzten Preis veräußern konnten oder nicht.

"Eine gute Leistungsbilanz ist das beste Marketinginstrument eines erfolgreichen Initiators", sagt Jürgen Gerber, Geschäftsführer des auf US-Immobilienfonds spezialisierten Kölner Emissionshauses Jamestown.

Es gibt derzeit nur wenige erfolgreiche Unternehmen

Das Problem ist nur: Es gibt derzeit nur wenige erfolgreiche Unternehmen in der Branche. Weit mehr als die Hälfte aller aufgelegten Schiffsfonds ist unter Wasser. Selbst etliche geschlossene Immobilienbeteiligungen haben in den vergangenen Jahren - trotz des boomenden Betongoldmarktes - ihre Prognosen nicht erreicht.

Hinzu kommen diverse Skandale: Vergangenes Jahr erst erschütterten Polizeirazzien und Verhaftungen wegen mutmaßlichen Betrugs bei der früher angesehenen Hamburger Fondsgruppe Wölbern und der Immobiliengruppe S&K einmal mehr das Ansehen der Branche.

Wölbernchef Heinrich Maria Schulte muss sich derzeit wegen des Vorwurfs der Untreue vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Zu Monatsbeginn erst wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Top-Manager des TübingerImmobilienfondsanbieters Fairvesta Ermittlungen wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrug eingeleitet hat.

"Die Abschaffung der Leistungsbilanz beschädigt den Ruf unserer Branche weiter", fürchtet Gerber.

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