Freitag, 20. September 2019

Was soll aufs Dach? Photovoltaik versus Solarthermie

Überblick: Wie der Staat Solar-Nutzung fördert
AP

Sonnenlicht kann Hausbesitzern Strom und Wärme liefern - doch oft reichen Budget und Platz auf dem Dach nur für eine der beiden Technologien. manager magazin online erklärt, für wen sich Solarthermie lohnt und wer besser auf Photovoltaik setzt.

Hamburg - Der Winter naht, es wird wieder dunkel und kalt in Deutschland. An den letzten warmen Tagen des Jahres kommen viele Hausbesitzer ins Grübeln: Wird am Ende des Winters wieder der Energiekosten-Schock stehen? Die Abrechnung aus dem Frühjahr 2013 ist vielen noch in böser Erinnerung. Wer mit Gas heizte, zahlte für das Jahr 2012 gut 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Ölheizungen fiel die Rechnung sogar um 16 Prozent höher aus.

Besserung ist nicht in Sicht: Bis zum Jahr 2020 könnte sich der Ölpreis verdoppeln, warnen Marktbeobachter. Auch Strom wird teurer: Die Haushaltsstrompreise stiegen 2012 im Schnitt um rund 3,6 Prozent, dieses Jahr werden sie wohl noch einmal um 5,3 Prozent steigen. Auf sinkende Preise in den kommenden Jahren hofft kaum jemand: Wärme und Strom, soviel steht fest, machen einen immer größeren Teil des Haushaltsbudgets aus.

Es muss also dringend etwas passieren, wenn Wärme- und Stromversorgung fürs Eigenheim oder für das vermietete Mehrfamilienhaus auch in Zukunft noch bezahlbar bleiben sollen. Schließlich bringt es wenig, wenn man im eigenen Häuschen im Alter zwar mietfrei wohnt, aber von der Rente die Energiekosten nicht zahlen kann. Oder wenn sich kein Mieter mehr findet, der die ständigen Nebenkostensteigerungen mitträgt.

Gerade jetzt, wenn das Sonnenlicht immer knapper bemessen ist, träumen daher viele Hausbesitzer von der Eigenversorgung mit günstiger Sonnenenergie. Das eigene Dach, so die Idee, liefert Strom und Wärme quasi frei Haus. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich sogar noch der ein oder andere Euro verdienen, indem man überschüssigen Strom ins Netz einspeist.

Welche Technik lohnt sich am meisten?

Doch um den Traum von sonnigeren Zeiten für die Energieversorgung wahr werden zu lassen, heißt es erst einmal, viel Geld in die Hand zu nehmen. Die Investition in Solartechnologie will gut überlegt sein. Denn klar ist: Der Haushalt braucht beides, Strom und Wärme. Für beides lässt sich Sonnenenergie nutzen, doch dazu sind zwei unterschiedliche Anlagentypen erforderlich.

Für die Stromerzeugung müssen Photovoltaik-Module aufs Dach, die Sonnenenergie direkt in Strom umwandeln. Für Warmwasser zum Duschen, Waschen und Heizen hingegen müssen solarthermische Kollektoren her, die Sonnenstrahlen in Wärme umwandeln und in einen sogenannten Puffer laden, der sie speichert - und bei Bedarf abgibt.

"Grundsätzlich ist es in vielen Fällen möglich, beide Anlagen parallel auf dem Dach zu betreiben", sagt Gerhard Stryi-Hipp, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. "Allerdings haben Hausbesitzer in der Regel nur ein begrenztes Budget zur Verfügung. Und müssen deshalb genau nachrechnen, welche Technik sich für sie am meisten lohnt."

Am leichtesten dürfte die Entscheidung zwischen Solarwärme und Solarstrom denjenigen fallen, die mit einer eigenen Solaranlage vor allem Geld verdienen und so die von hohen Energiekosten gebeutelte Haushaltskasse aufbessern wollen. "Als Renditeobjekt ist nur die Photovoltaik-Anlage geeignet", sagt Stryi-Hipp. Denn der Solarstrom lässt sich ins Netz einspeisen und liefert über die garantierte Einspeisevergütung feste Einnahmen. Die Wärme aus Solarthermieanlagen auf Wohnhäusern hingegen lässt sich nicht verkaufen - sie dient allein der Eigenversorgung.

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