Dienstag, 10. Dezember 2019

Was soll aufs Dach? Photovoltaik versus Solarthermie

Überblick: Wie der Staat Solar-Nutzung fördert
AP

3. Teil: Solarthermie rechnet sich erst nach vielen Jahren

Außer dem einmaligen Zuschuss bei der Anschaffung und günstigen Krediten gibt es während der Betriebszeit keine weiteren Fördermittel für die Thermieanlage - auf regelmäßige Finanzspritzen vom Staat wie bei der Photovoltaik-Vergütung müssen Thermieanlagenbesitzer also verzichten. Dafür sind die Anlagen dann wenigstens pflegeleicht: "Wartungs- und Betriebskosten sind für diese Anlagen sehr gering, die Anlagen arbeiten in der Regel 20 Jahre lang ohne große Folgekosten", sagt Solarenergie-Forscher Stryi-Hipp.

Für die wirtschaftliche Kalkulation muss der Hausbesitzer also schlicht die Anschaffungskosten der Thermieanlage durch 20 Jahre Betriebsdauer teilen - und das Ergebnis seiner jährlichen Ersparnis bei den Öl- oder Gaskosten gegenüberstellen. Die liegt bei mindestens 30 Prozent - denn so hoch ist der Anteil des Wärmebedarfs, den die Thermieanlage abdeckt. "Solarthermie deckt nie den gesamten Wärmebedarf. Die Thermieanlagen werden immer kombiniert mit anderen Energiequellen, meist sind das moderne Öl- und Gasheizungen", sagt Stryi-Hipp.

Mit dem Effizienzgewinn der moderneren Anlage kann die Ersparnis auf rund 40 Prozent steigen. "Das Problem ist: Die Leute denken selten in so langen Zeiträumen wie 20 Jahren", sagt der Solarforscher. Der Kunde frage den Energieberater oder Handwerker: Wieviel spare ich im ersten Jahr, wie viel spare ich in den ersten fünf Jahren? "Und dann muss der sagen: Wenig bis gar nichts. Denn trotz staatlicher Förderung gilt: Bei heutigen Energiepreisen rechnet sich die Investition nicht", konstatiert Stryi-Hipp. "Wenn allerdings die Energiepreise steigen, wovon auszugehen ist, rechnet sich die Investition während der Nutzungsdauer der Anlage. Je nach Preisentwicklung sogar schon recht früh."

Wohl auch wegen solcher Unsicherheiten sei die Photovoltaik in den vergangenen Jahren deutlich beliebter geworden, die Solarthermie hingegen in den Hintergrund gerückt. "Bei der Photovoltaik habe ich sicher kalkulierbare Einnahmen durch die fixe Einspeisevergütung, kann meine Investition genau durchkalkulieren. Bei einer Investition in Thermie muss ich im Prinzip auf die Preisentwicklung bei Öl und Gas spekulieren."

Kombianlage kostet mehr als 30.000 Euro

Thermie-Fans können sich allerdings auf bessere Zeiten freuen: "Wir gehen davon aus, dass die Anlagen in den kommenden zehn Jahren um etwa die Hälfte im Preis sinken werden", sagt Stryi-Hipp. Auch der Wirkungsgrad werde sich verbessern: "Statt nur 30 Prozent des Wärmebedarfs wollen wir irgendwann Anlagen bauen, die 100 Prozent des Wärmebedarfs abdecken."

Technisch sei das in gut gedämmten Neubauten zwar heute schon möglich, aber noch sehr teuer. "Wirtschaftliche Lösungen für die 100-Prozent-Versorgung sind zurzeit noch Zukunftsmusik." Dasselbe gilt für Kombianlagen, die Photovoltaik-Zellen und Thermiekollektoren kombinieren - auch diese sind bisher noch sehr teuer.

Und auch Technologien, die den günstigen Solarstrom aus der Photovoltaik-Anlage gleich auch zur Erzeugung von Wärme nutzen wollen, sind keine Lösung: mit der Effizienz solarthermischer Anlagen können solche Zwitter-Lösungen bisher nicht mithalten, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Thermodynamik und Wärmetechnik der Universität Stuttgart.

Wer sich also zwischen Solarstrom und Solarwärme nicht entscheiden mag, der sollte in eine Kombination aus solarthermischer Anlage, Photovoltaikanlage und den nötigen Speichern und Wärmepumpen investieren. Das würde für ein neugebautes Einfamilienhaus rund 34.000 Euro kosten, rechnen die Stuttgarter Forscher vor.

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