Sonntag, 25. August 2019

Was soll aufs Dach? Photovoltaik versus Solarthermie

Überblick: Wie der Staat Solar-Nutzung fördert
AP

2. Teil: Mehr Einsparpotenzial bei Wärmeerzeugung

Interessant ist die Frage Thermie oder Photovoltaik also für Hausbesitzer, die mit der Technik ihre Energiekosten senken wollen. "Ein direkter Wirtschaftlichkeitsvergleich Photovoltaik versus Solarthermie kann immer nur im Einzelfall entschieden werden", sagt David Wedepohl vom Bundesverband Solarwirtschaft. Denn jedes Dach ist anders - die Nord-/Süd-Ausrichtung kann ebenso wichtig sein wie die durchschnittliche Sonneneinstrahlung, Verschattung durch Bäume oder Nachbargebäude, der tatsächliche Bedarf des Haushalts und viele Faktoren mehr. Einige Faustregeln lassen sich jedoch als Entscheidungshilfe sammeln.

So gilt etwa grundsätzlich: Photovoltaik-Anlagen brauchen sehr viel mehr Platz auf dem Dach als Solarthermieanlagen. Wo die Solarstromanlage 30 bis 40 Quadratmeter Fläche für die Versorgung einer Familie benötigt, kommt die Thermieanlage mit neun bis zwölf Quadratmetern aus.

Insgesamt liegen die Kosten für eine reine Photovoltaik-Anlage auf dem Einfamilienhaus inklusive Dokumentations-, Planungs- und Montagekosten bei rund 10.000 Euro. Photovoltaik erwirtschaftet auf großen Dachflächen mit klarer Südausrichtung einen optimalen Ertrag - dank der Einspeisevergütung amortisieren sich die Anlagen nach zehn bis 15 Jahren.

Auch für den Eigenverbrauch rechnet sich Solarstrom auf geeigneten Flächen, sagt Solarenergieforscher Stryi-Hipp: "Solarstrom ist inzwischen so günstig, dass sich die Investition in der Regel rechnet, auch wenn man Folgekosten wie Wartung und Versicherung in die Kalkulation einbezieht." Strom aus dem öffentlichen Netz kostet bis zu 25 Cent je Kilowattstunde, für eingespeisten Strom bekommen Betreiber neu installierter Solaranlagen inzwischen nur noch rund 17 Cent - da erscheint der Eigenverbrauch zunehmend lohnender.

Wärmeerzeugung verschlingt viel Energie

Die Frage, ob sich die Investition rechnet, ist bei der Solarthermie komplizierter zu beantworten. Zunächst einmal gilt: Das Einsparpotenzial bei der Wärmeversorgung ist hoch. Denn Wärme ist mit 80 Prozent für den bei weitem größten Anteil am Energieverbrauch privater Haushalte verantwortlich. Und sehr viele Hausbesitzer werden um eine Investition in neue Heizanlagen in den kommenden Jahren ohnehin nicht herumkommen, warnt Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH). "80 Prozent der Heizkessel in deutschen Kellern sind hoffnungslos veraltet", sagt Lücke.

Hausbesitzer hätten das Thema Heizen vernachlässigt. "In den vergangenen Jahren haben alle immer nur über Strompreise und effizientere Stromversorgung gesprochen, dabei ist das Thema heizen völlig in den Hintergrund getreten." Die alten Öl- und Gaskessel in den Kellern seien ineffizient und daher unnötig teuer.

Wer hier investiert, könnte statt nur in einen neuen Gas- oder Ölkessel gleich in eine Kombination mit einer solarthermischen Anlage investieren. Die Anschaffung einer rein solarthermischen Anlage, die genug Energie für Warmwasser und Heizung liefert, kostet derzeit rund 8000 Euro. Der Staat unterstützt den Wärmewechsel mit einem Investitionskostenzuschuss von rund 2000 Euro (siehe Kasten "Fördermittel").

Trotz staatlicher Anschubfinanzierung scheuen viele Hausbesitzer die Umstellung ihrer Wärmeversorgung. Denn eine neue Heizanlage im Haus zu installieren ist ein Mammutprojekt: Während die Photovoltaik-Anlage inzwischen meist als Fertigmodul schnell auf dem Dach und die nötigen Kabel ohne großen Aufwand verlegt sind, geht es bei der Thermieanlage ans Eingemachte. Da werden neue Rohre verlegt, im Keller neue Kessel und Pumpspeicher installiert.

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