Sonntag, 18. August 2019

Thomas Middelhoff Südfrankreich-Villa wird verkauft

Blick auf die Küste Südfrankreichs: Die Villa von Thomas Middelhoff in der Nähe von Saint Tropez soll offenbar verkauft werden

Haftstrafe, Taschenpfändung, Ablehnung der Kaution - und jetzt auch noch der Verkauf der Villa in Südfrankreich: Thomas Middelhoff bleibt nicht viel erspart. Wie Medien berichten, steht das Anwesen bei Saint Tropez, das dem früheren Topmanager zuletzt als Hauptwohnsitz diente, zum Verkauf. Ein Makler suche bereits diskret nach Interessenten schreibt beispielsweise die "FAZ" mit Verweis auf einen Bericht der "Bild am Sonntag".

Die Darstellung der "Süddeutschen Zeitung" weicht in Nuancen davon ab: Demnach wurde für das "prächtige Anwesen" ("Villa Aldea, sandfarben, mit blauen Fensterläden") ein auf Luxusimmobilien spezialisierter Makler in Saint Tropez engagiert. Der habe bereits eigens eine Internetseite für die Immobilie eingerichtet, was nicht gerade nach diskretem Vorgehen klingt.

Über den Kaufpreis dagegen herrscht Einigkeit: Das Zwei-Hektar-Anwesen bei La Pierre Plantée solle bis zu 35 Millionen Euro kosten, heißt es.

Ob der Verkauf auf Betreiben, mit Zustimmung oder gegen den Willen Middelhoffs erfolge, sei unklar, so die SZ. Weder der Manager noch seine Anwälte waren von den Zeitungen für eine Stellungnahme zu erreichen beziehungsweise wollten eine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.

Thomas Middelhoff ist eine der schillerndsten Figuren der deutschen Wirtschaft. Einst Vorstandschef von Bertelsmann und später KarstadtQuelle beziehungsweise Arcandor Börsen-Chart zeigen wurde er im vergangenen Jahr vom Landgericht Essen zu drei Jahren Haft wegen Untreue verurteilt.

Middelhoff habe Arcandor um Millionensummen geschädigt, vor allem indem er Hubschrauber- und Charterflüge zu privaten Zwecken dienstlich abgerechnet habe, so das Gericht. Der Ex-Topmanager wartet derzeit in Untersuchungshaft auf die Revision des noch nicht rechtskräftigen Urteils.

Über den Prozess war monatelang ausführlich berichtet worden, auch über pikante Details am Rande. So soll dem ehemaligen Topmanager bei einem der Termine im Landgericht Essen im Zuge einer Taschenpfändung eine wertvolle Armbanduhr abgenommen worden sein. Die Pfändung war Berichten zufolge von einem Gläubiger Middelhoffs, nämlich einem Fonds des Berliner Wohnungsbauunternehmens Gewobag, beantragt worden.

Zudem gibt es inzwischen ein weiteres Problem für Middelhoff: Die Staatsanwaltschaft Bochum hat eine neue Klage eingereicht. Grund ist ein umstrittenes Sponsoring, in dessen Rahmen Middelhoff als Arcandor-Chef 800.000 Euro an die britische Universität Oxford überwiesen haben soll. Middelhoffs Anwälte wollten zu der Anklage bei deren Bekanntwerden im Januar keine Stellungnahme abgeben.

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