Mittwoch, 17. Juli 2019

Frankreich Pariser Steuerpläne treffen auch deutsche Immobilienbesitzer

Luxusimmobilie in Südfrankreich: Präsident Hollande plant eine Steuer auf Zweitwohnsitze
Engel & Völkers
Luxusimmobilie in Südfrankreich: Präsident Hollande plant eine Steuer auf Zweitwohnsitze

Oft schönes Wetter und gut erreichbar: Immer mehr Deutsche kaufen sich Ferienimmobilien in Frankreich. Mit seinen neuesten Steuerplänen droht Präsident Hollande die Attraktivität solcher Investments aber demnächst zu schmälern.

Hamburg - Deutsche, die ein Ferienhaus oder eine Zweitwohnung in Frankreich besitzen, müssen sich möglicherweise auf höhere Abgaben gefasst machen. Wie das französische Finanzministerium laut französischen Medien bestätigt hat, plant die Regierung unter Präsident François Hollande die Einführung einer Steuer auf Zweitwohnsitze.

Ähnliche Pläne gab es bereits vor gut zwei Jahren, als noch der konservative Präsident Nicolas Sarkozy an der Spitze Frankreichs stand. Vorgesehen ist, dass in Gebieten mit besonderer Wohnraumknappheit ein Aufschlag von bis zu 20 Prozent auf die bestehende Besteuerung der Wohnungen (taxe d'habitation) erhoben werden kann, sofern diese nicht vermietet, sondern ausschließlich als Zweitwohnsitz genutzt werden.

Medienberichten zufolge wären davon in ganz Frankreich etwa 30 Großstadtregionen betroffen, inklusive des zentralen Ballungsgebietes von Paris. Insgesamt gibt es in Frankreich, wo die Fahrt aufs Land am Wochenende für viele ein Teil der Lebensart ist, etwa 3,2 Millionen Wohnungen, die als zweites Heim genutzt werden, schreibt die "Businessweek".

Allein in Paris werden gegenwärtig etwa 174.000 Wohnungen als Zweitwohnsitz geführt, was etwa 16 Prozent des gesamten Bestandes entspricht, Tendenz: steigend. In einigen eher vornehmen Stadtteilen von Paris beträgt der Anteil der Zweitwohnsitze schon heute an die 40 Prozent.

"Wenn wir sagen keine neuen Steuern, heißt das keine neuen Steuern"

Mit der geplanten Steuer soll nach offizieller Sprachregelung der Wohnungsnot in vielen Gebieten Frankreichs begegnet werden. Klar ist jedoch, dass Präsident Hollande auf diese Weise auch seinen Haushalt aufbessern will. Nach wie vor beträgt das Defizit mehr als 4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von Frankreich, bei einem Wirtschaftswachstum von vielleicht etwa einem Prozent. Laut Onlineausgabe der französischen "Les Echos" soll die neue Abgabe der Staatskasse zusätzliche Einnahmen von 150 Millionen Euro pro Jahr bringen.

Unter Frankreichs Bürgermeistern, das ergab eine Umfrage von "Le Monde", sind die Pläne Hollandes umstritten. Und auch aus der Regierung kommen bereits kritische Töne. Schließlich hatte der Präsident neue Steuern bislang kategorisch ausgeschlossen.

"Natürlich besitzen hier eine Menge reicher Ausländer Häuser", wird Arbeitsminister François Rebsamen in Medien zitiert. "Aber wenn wir sagen keine neuen Steuern, heißt das: keine neuen Steuern."

Für deutsche Immobilienbesitzer in Frankreich dürften die Folgen allerdings nach Ansicht von Beatrix Eikel nicht allzu dramatisch sein. "Bisher ist nichts entschieden", sagt die Leiterin der Niederlassung des Nobelmaklers Engel & Völkers im edlen südfranzösischen Saint-Jean-Cap-Ferrat zu manager magazin online. "Und wenn, dann betrifft es hauptsächlich die großen Zentren, in denen dann die Bürgermeister und ihre Räte entscheiden können, ob sie die Steuer anheben."

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung