Samstag, 20. Juli 2019

Anlagedesaster in Dubai "Was mit dem Geld passiert ist, wissen wir nicht"

Inselwelt "The World" vor der Küste Dubais: In dem Emirat wurde viel Anlegergeld aus Deutschland versenkt
AP/Nakheel developement
Inselwelt "The World" vor der Küste Dubais: In dem Emirat wurde viel Anlegergeld aus Deutschland versenkt

In Dubai-Immobilienfonds haben Anleger vor Jahren Millionen gesteckt - und das meiste davon wohl verloren. Anlegeranwalt Mathias Corzelius über das Anlagedesaster am Golf und sechs Urteile, die Dubai-Investoren Hoffnung machen können.

mm: Herr Corzelius, das Oberlandesgericht Hamm hat Anlegern des Dubai-Fondsanbieters ACI vor wenigen Tagen in sechs Fällen Schadensersatz in Höhe von insgesamt 200.000 Euro zugesprochen (siehe dazu auch den Kasten links, d. Red.). Zuvor gab es einige Niederlagen für Anleger von ACI. Welche Bedeutung haben die aktuellen Urteile?

Corzelius: Die Urteile machen Hoffnung, allerdings zunächst mal nur für die Anleger des Fonds ACI VII, um den es in den Fällen ging. Zuvor hatten wir einige Niederlagen, da ging es um den Fonds ACI V. Insgesamt gibt es sieben ACI-Dubai-Fonds, von denen einer bereits rückabgewickelt wurde. In Bezug auf möglichen Schadensersatz für die Anleger muss jeder der verbleibenden Fonds individuell betrachtet werden.

mm: Die Beteiligungsgesellschaften unterscheiden sich so stark?

Corzelius: Ja, der Prospekt des Fonds VII ist beispielsweise völlig anders als der des Fonds V. Und auch der Prospekt des Fonds III unterscheidet sich vom Fünfer. Es gibt in jedem Fall andere Ansatzpunkte.

mm: ACI ist kein Einzelfall. Es gab viele Anbieter von Dubai-Immobilienfonds und soweit bekannt, haben alle ihren Anlegern Verluste verursacht. Es dürfte insgesamt um Gelder im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich gehen. Da gibt es noch viel aufzuarbeiten.

Corzelius: Das sehe ich auch so. Das Kapitel mit den Dubai-Fonds war alles andere als eine Erfolgsgeschichte.

mm: Zum Misserfolg der Fonds hat die unglückliche Marktentwicklung in dem Emirat beigetragen. Andererseits gibt es eine Reihe von Hinweisen,dass mitunter auch unseriöse Praktiken ausschlaggebend waren.

Corzelius: Ich kann vor allem den Fall ACI beurteilen. Da ist das Hauptproblem, dass das Geld der Anleger nach Dubai geflossen ist, und dann weiß keiner mehr genau, was damit wirklich passiert ist. Es ist unstreitig, dass das Geld ab Fonds III immer auf ein Konto des ACI-Co-Chefs Robin Lohmann geflossen ist. Was dann damit passiert ist, wissen wir nicht genau. Das ist auch ein Aspekt in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bielefeld, die ja seit einiger Zeit gegen ACI-Verantwortliche vorliegt (siehe dazu auch den Kasten links, d. Red.).

mm: Würden Sie rückblickend sagen, die Anleger hätten vorsichtiger sein müssen und das Debakel vermeiden können. Oder war die Entwicklung kaum absehbar?

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