Sonntag, 20. Oktober 2019

Japans Notenbank treibt Kurse Japanische Immobilienaktien bieten Chancen für Anleger

Blick auf Tokio: Japanische Immobilienaktien haben möglicherweise Potenzial

Es ist ein finanzpolitisches Experiment von globaler Bedeutung: Erstmals in der Geschichte greift eine Zentralbank direkt in die Immobilienmärkte ein, indem sie gezielt Aktien börsennotierter Branchenunternehmen erwirbt. Seit Beginn dieses Jahres kauft Japans Notenbank nicht länger nur Staatsanleihen auf. Sie nimmt auch in großem Stil Anteilsscheine von Real Estate Investment Trusts (Reits) auf ihre Bücher.

Experten erwarten, dass dies die Börsenkurse japanischer Reits in die Höhe treiben wird. Deutsche Anleger können über Investments in einzelne Aktien oder spezielle Fonds versuchen, daran zu partizipieren.

Seit 1989 zeitgleich Spekulationsblasen an den Aktien- und Immobilienmärkten des fernöstlichen Industriestaats geplatzt waren, leidet Japan unter einer anhaltenden Deflation, einer nicht enden wollenden Spirale aus sinkenden Preisen, rückläufigen Investitionen und wachsender Arbeitslosigkeit. "Die Situation in Japan zeigt, wie schwer es ist, eine Volkswirtschaft aus den Klauen der Deflation zu reißen", sagt Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Japan-Reits - so können Sie investieren
Aktien + Investmentfonds
Einige japanische Reits sind an deutschen Börsen gelistet, darunter Mitsui Fudosan (ISIN JP3893200000), Mitubishi Estate (JP3899600005) und Nippon Building (JP3027670003). Darüber hinaus hat eine Reihe aktiv gemanagter Immobilienaktienfonds in größerem Umfang Werte aus dem fernöstlichen Industriestaat in ihrem Portfolio. Dazu zählen der Fidelity Funds ASIA Pacific Property (LU0270844946), der 34,5 Prozent seines Anlagekapitals in japanische Reits investiert hat. Beim Henderson Horizon Asia-Pacific Property Fund (LU0572942307) beträgt ihr Anteil 39,18 Prozent, beim Schroder Asia-Pacific Property Securities (LU0820943693) sind es 18,76 Prozent, beim E&G Global Reits (LU0403969420) 11,7 Prozent.
Indexfonds
Der Index-Fonds-Anbieter IShares hat mehrere passiv gemanagte Fonds aufgelegt, die auch in japanische Reits investieren. Diese ETFs genannten Anlageprodukte bilden Indizes passiv nach. Deshalb fallen keine Ausgabeaufschläge an und die Verwaltungskosten sind besonders niedrig. Beim IShares Stoxx Asia Pacific 600 (DE000A0H0777) beträgt deren Anteil 34,23 Prozent, beim IShares Epra/Nareit Asia Property Yield Fund (IE00B1FZS244) sind es 25,82 Prozent.
Eine solche Abwärtsspirale droht durch anhaltende die Rezession in weiten Teilen Europas heute auch den Staaten der Eurozone. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat deshalb ein massives Kaufprogramm an den Kapitalmärkten gestartet. Bis September nächsten Jahres will sie Monat für Monat Staatsanleihen und öffentliche Pfandbriefe im Wert von jeweils 60 Milliarden Euro aufnehmen, um die Liquidität in der Eurozone zu erhöhen und Banken die Kreditvergabe zu erleichtern.

Die Bank of Japan geht nun noch einen Schritt weiter und nimmt direkt Aktien am Kapitalmarkt auf. Notenbank-Präsident Haruhiko Kuroda spricht von einer neuen Strategie im Kampf gegen die Deflation: "Wir betreiben nun eine quantitative und qualitative Lockerung." Der Begriff "quantitative Lockerung" ist im Jargon der Währungshüter ein Euphemismus für den Aufkauf von Staatsanleihen durch die Zentralbanken.

Mit der Formulierung "qualitative Lockerung" hat Kuroda nun einen Terminus für den Ankauf von Aktien durch Notenbanken geprägt. "Was wir jetzt in Japan sehen, ist möglicherweise ein Vorgeschmack auf das, was die EZB in der Eurozone noch vornehmen könnte, sollte ihre jetzt begonnene quantitative Lockerung nicht ausreichen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen", sagt Voigtländer.

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