Mittwoch, 24. Juli 2019

Taxi, Kino, Pizza Wenn der Computer den Preis bestimmt

Dynamische Preisfindung: Wo der Computer den Preis macht
DPA

2. Teil: "Fair ist immer das, was man gewohnt ist"

Widerstand, der den Pricing-Experten Florian Bauer wenig überrascht. Auch wenn die Menschen nachfrageorientierte Preismodelle bei Hotels oder Flugbuchungen akzeptieren, bedeute das nicht, dass sie dies auch in anderen Bereichen tun, sagt er.

"Erfolgreiches Pricing hat viel mit empfundener Fairness zu tun", sagt der Preisforscher. "Und mit Gewohnheit." Und die ändert man nicht so schnell. "Fair ist immer das, was man gewohnt ist", betont Bauer. Eine Erfahrung, die auch die Deutsche Bahn habe machen müssen, als sie unter Hartmut Mehdorn versuchte, ein an Airlines orientiertes nachfragebasiertes Preismodell durchzusetzen.

Dass die neuen flexiblen Preise die Zukunft sind, daran haben MyTaxi und Uber keinen Zweifel. Zu groß sind die möglichen Vorteile. "Früher ist es vorgekommen, dass wir in Stoßzeiten nicht alle Touren vermitteln konnten, weil die 79-Cent-Pauschale plus die Payment-Gebühr für die Fahrer nicht attraktiv genug waren", erklärt MyTaxi-Sprecherin Wüller. Mit der neuen Regelung soll so etwas nicht mehr vorkommen, weil die Fahrer dann einfach die Vermittlungskommission senken und die Fahrt für sich deutlich attraktiver gestalten können.

Auch Uber-Chef Travis Kalanick, der immerhin 20 Prozent Provision pro Fahrt kassiert, ist davon überzeugt, dass dynamischen Preismodellen die Zukunft gehört. Seiner Ansicht nach ist das Ganze einfach eine Frage der Gewohnheit. "Wenn man einen Tag vor Weihnachten einen Flug bucht, zahlt man auch ungefähr zehn Mal mehr als rund zwei Wochen später."

Wie das Modell Schule macht

In den USA macht das neue Modell bereits Schule. Neben Uber schwenkte kürzlich auch Uber-Wettbewerber Lyft auf ein dynamisches Preismodell namens "Prime Time Tipps" um. Ähnlich wie bei Uber bezahlen Kunden dabei wenn die Nachfrage extrem hoch ist, höhere Fahrpreise. Allerdings ist der Anstieg auf 25 Prozent beschränkt und das Geld geht ausschließlich an die Fahrer.

Und selbst Restaurants in den USA testen bereits dynamische Preismodelle. So können Restaurants über die 2012 von Groupon gekaufte Buchungsplattform Savored ihren Kunden je nach Zeitraum verschiedenen Preisnachlässe bieten.

Und auch Kleinanbieter, die auf Internetmarktplätzen Waren anbieten, können sich von Dienstleistern wie dem israelischen Startup Feedvisor gegen eine kleine Provision den bestmöglichen Preis ermitteln lassen und so ihre Profite maximieren.

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