Samstag, 20. Juli 2019

Goldene Visa Chinesen bereuen heiße Immobilien-Deals in Portugal

Das Ambiente entschädigt: Blick auf die Hafenstadt Porto

Wer eine halbe Million Euro für ein Haus in Portugal zählt, bekommt dafür Daueraufenthaltsrecht in der EU. Das Angebot der "Goldenen Visa" hat viele wohlhabende Chinesen angelockt - und die fühlen sich nun getäuscht.

Nur eine Woche brauchte Hua Guiping aus Shanghai, um sich in Portugal anzusiedeln. Zwar gefiel ihr keines der angebotenen Häuser im Golfresort Arrábida südlich von Lissabon, doch 500.000 Euro erschienen ihr schließlich doch als guter Deal für einen neuen Wohnsitz der Familie.

Denn laut ihrer Aussage gegenüber "Bloomberg News" versprach der Makler, der Wert des Investments werde sich bald verdoppeln. Doch dann fand Hua heraus, dass gleichartige Häuser in der Nachbarschaft für weniger als 250.000 Euro online inseriert waren. Die private Schuldenkrise hat Portugal noch immer fest im Griff.

Immerhin kann sich Familie Hua mit einem lebenslangen Aufenthaltsrecht im Schengen-Raum der Europäischen Union trösten. Dafür ist die gezahlte Summe von einer halben Million Euro gerade genug. Dieses 2012 gestartete Angebot der "Goldenen Visa" sollte einen Ausweg aus Portugals Schuldenkrise weisen - nach Ansicht der Regierung auch mit Erfolg.

Mehr als eine Milliarde Euro soll so ins Land gekommen sein, der Großteil von chinesischen Immobilienkäufern. Laut "Bloomberg" stellten sie 90 Prozent der Bieter auf einer Auktion staatlichen Grundbesitzes im vergangenen Jahr. Das Geld der Privatleute ist eine willkommene Ergänzung zu großen Unternehmen, die sich intensiv an Portugals Verkauf von Staatseigentum beteiligen. So übernahm die staatliche Drei-Schluchten-Gruppe 2011 einen Großteil der Aktien am Stromversorger EDP.

Bei den Chinesen halten alle die Hand auf

Insgesamt gingen 80 Prozent der Visa nach China. Allerdings war das Angebot offenbar so verlockend, dass etliche Käufer blind für die Risiken des eigentlichen Geschäfts agierten und deutlich draufzahlten. Der Bericht sammelt Stimmen von Investoren, die sich wie Hua Guiping tief enttäuscht zeigen.

Es gibt zwar auch gewiefte Käufer wie Rex Chen, der sein Vermögen als Casinomanager in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Macau gemacht hat und nun als Makler in Lissabon chinesischen Landsleuten seine Dienste anbietet.

Sergio Martins, Direktor der portugiesisch-chinesischen Handelskammer, wird zitiert, die von den orts- und sprachunkundigen Investoren an Anwälte, Notare, Übersetzer und Makler gezahlten Gebühren machten bis zu einem Viertel des Transaktionswerts aus. Alle halten die Hand auf.

Im Herbst flog ein Betrugskartell namens "Labirinto" auf, das Kickbacks für "Goldene Visa" bis in die Einwanderungsbehörde verteilte. So konnten sich Beamte ganz persönlich am Drang der Chinesen nach EU-Visa bereichern. Innenminister Miguel Macedo musste deshalb im November zurücktreten. Änderungen am Programm sollen die Antwort auf eine Untersuchung der Vorgänge sein. Die grundsätzliche Ausrichtung will die Regierung jedoch nicht ändern. Die Konkurrenz schlafe ja nicht: In Griechenland reichen schon 250.000 Euro für einen Aufenthaltstitel.

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