Montag, 24. Juni 2019

In Europa plötzlich nur noch Nummer zwei Wie der Brexit Großbritanniens Immo-Markt einbrechen lässt

Hotspot London: Der Brexit setzt Großbritanniens Büro- und sonstige Immobilienmärkte unter Druck
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Hotspot London: Der Brexit setzt Großbritanniens Büro- und sonstige Immobilienmärkte unter Druck

Ein Dreivierteljahr nach der Entscheidung der Briten für den Austritt aus der EU wird immer deutlicher, wie heftig sich dieses Votum auf den britischen Immobilienmarkt auswirkt. So hat das britische Maklerunternehmen Knight Frank errechnet, wie sich die Investmentströme in den europäischen Immobilienmärkten im vergangenen Jahr entwickelt haben.

Ergebnis: Bislang war Großbritannien mit dem Hotspot London der beliebteste europäische Markt bei Immobilieninvestoren, dorthin lenkten sie den größten Teil ihrer Gelder. Doch das hat sich im vergangenen Jahr geändert: Laut Knight Frank brach das Investmentvolumen in britische Immobilien im Jahr 2016 um sage und schreibe 43 Prozent ein. In Deutschland, das ebenfalls bei Anlegern hoch im Kurs steht, gab es nach dem starken Vorjahr zeitgleich einen Rückgang um "lediglich" 14 Prozent.

Die Folge: Mit einem Transaktionsvolumen von 59 Milliarden Euro war 2016 plötzlich Deutschland Europas größter Immobilien-Investmentmarkt. Großbritannien folgt mit 57 Milliarden Euro nur noch auf Rang zwei.

"Der Brexit hat dem Immobilienmarkt Großbritanniens einen Schlag versetzt", sagt James Roberts, Chefvolkswirt von Knight Frank, zu manager magazin online. Eine wichtige Rolle habe dabei der Einbruch des britischen Pfundes unmittelbar nach dem Austrittsvotum gespielt, so Roberts. Das günstigere Pfund lasse zwar britische Immobilien im Ausland erschwinglicher erscheinen. Es dokumentiere aber zugleich den Vertrauensverlust von Investoren in die britische Wirtschaft, der der Entwicklung zugrunde liegt.

Nicht zuletzt verstärkt der Pfund-Sturz auch den Einbruch am britischen Immobilien-Investmentmarkt, wenn man diesen in Euro berechnet - auch dieser kalkulatorische Effekt sollte bei der Betrachtung nicht vergessen werden.

Laut Roberts gab es den größten Einbruch bei der Investorennachfrage nach britischen Immobilien unmittelbar nach der Abstimmung über den EU-Austritt im Sommer 2016, als eine Zeit lang auch auf politischer Ebene in London ein gewisses Durcheinander herrschte. Im vierten Quartal seien die Finanzflüsse dann bereits wieder angestiegen, so dass unterm Strich in absoluten Zahlen gerechnet immerhin noch ein deutlich höheres Investmentvolumen entstanden sei, als beispielsweise in den Krisenjahren 2008 und 2009 sowie im aus Sicht der Euro-Schuldenkrise ebenfalls kritischen Jahr 2011. Nur das besonders starke Ergebnis des Jahres 2015 habe eben nicht erreicht werden können, so Roberts.

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