Sonntag, 16. Juni 2019

Apple und der Aktiensplit Warum Börsen-Schwergewichte so gerne teilen

Teile und herrsche: Apple-Chef Cook teilt eine Aktie in sieben Aktien auf - und betreibt damit Kurs-Kosmetik

3. Teil: Das Problem mit der Abgeltungssteuer

Diese Erfahrung mussten beispielsweise kürzlich Anteilseigner von Google Börsen-Chart zeigen machen. Der Kniff: Die Aktien, die das Unternehmen Anfang April im Rahmen des Splits neu ausgegeben hatte, waren nicht identisch mit den bereits bestehenden Papieren. So wollte Google den Einfluss der Firmengründer Sergey Brin und Larry Page im Unternehmen sichern.

Für hiesige Aktionäre hat das fatale Folgen: Weil sich die neuen Aktien von den alten unterscheiden, werden sie von der Finanzverwaltung als Sachausschüttung betrachtet - und auf die wird die Abgeltungssteuer erhoben.

Vor allem Google-Anleger, die ihre Aktien bereits vor 2009 erworben haben, blicken bei dem Aktiensplit daher nun in die Röhre. Denn seinerzeit wurde die Abgeltungssteuer eingeführt. Wertpapiere, die davor gekauft wurde, bleiben bei einem Verkauf eigentlich steuerfrei - es sei denn, sie geraten in einen Aktiensplit à la Google.

Alte Aktien gegen neue - und schon schlägt beim Verkauf die Steuer zu

"Anleger müssen sich genau anschauen, welche Art von Split ein Unternehmen plant", sagt daher Daniel Sahm, Steuerberater bei Ecovis in München. "Wenn sich die neuen Aktien von den alten unterscheiden und der Erwerb bereits vor 2009 erfolgte, droht die Transaktion wegen der anfallenden Steuer zum Minusgeschäft zu werden." Für Anleger, die in diesem Fall nach 2009 gekauft haben, ist das Problem weniger virulent. Bei ihnen kommt es lediglich zu einer zeitlichen Verschiebung der Abgeltungssteuerzahlung, sagt Sahm.

Der Fachmann hat allerdings auch eine pragmatische Lösung parat: Investoren, die sich in dieser Situation befänden, also bereits vor 2009 gekauft hätten, sollten ihre Papiere lieber vor der Teilung noch rasch abstoßen, sagt er. Falls sie weiterhin an das Unternehmen glauben, könnten sie ja hinterher wieder einsteigen - die Steuerzahlung auf die Einbuchung der neuen Papiere hätten sie auf diese Weise auf jeden Fall vermieden.

Ob dieser Trick indes bei Apple erforderlich sein wird, ist offen. Eine Anfrage an das Unternehmen, ob es ähnlich wie Google die Ausgabe einer abweichenden Aktiengattung plane, blieb unbeantwortet. Aktionäre müssen sich also wohl mit einer etwas älteren Aussage des Unternehmens begnügen. Aktiensplits tun gar nichts für die Anleger, verlautete 2012 aus Cupertino. Das Zitat schreiben Medien Apple-Chef Tim Cook persönlich zu.

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