Dienstag, 20. August 2019

Treuhandkonten Verborgene Risiken für Wohneigentümer

Wohnungen im Bau: Eigentümergemeinschaften sollten sich gut überlegen, wie sie ihr Geld anlegen

Im Immobilienboom steigt die Zahl der Wohnungseigentümer. Denen stellt sich in Gemeinschaften mit anderen die Frage nach einem gemeinsamen Konto. Die Wahl fällt häufig auf ein Treuhandkonto - doch das birgt Risiken, die vielen nicht bekannt sein dürften.

Bonn - Hausgelder, Rücklagen, Sonderbeiträge - in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) kommt jeden Monat viel Geld zusammen. Meist wachen über dieses Geld nicht die Eigentümer selbst. Diese Aufgabe wird in vielen Fällen von Verwaltern übernommen, die dafür häufig Treuhandkonten verwenden. Das Problem: Diese Konten sind nicht immer sicher.

"Um die Problematik zu verstehen, führt man sich am besten erst einmal vor Augen, wie das mit der Kostenabrechnung bei Eigentümergemeinschaften funktioniert", erklärt Bertram Joachim Schmitt vom Verband Wohneigentum in Bonn. Damit der laufende Betrieb ihrer Immobilie gesichert ist, braucht eine WEG ausreichend Geldmittel. Diese Gelder werden angelegt, meist auf zwei separaten Konten für die laufenden Kosten und die Instandhaltungsrücklage.

Da eine WEG nur beschränkt rechtsfähig ist, wird in der Regel ein Verwalter zur Betreuung ihres Eigentums bestellt. "Er ist - ähnlich wie der Geschäftsführer einer GmbH - das handelnde Organ der Gemeinschaft", erklärt Sandra Weeger-Elsner vom Verein Wohnen im Eigentum. Das heißt: Der Verwalter regelt auch die Finanzen.

Dass der Verwalter vertrauenswürdig sein und etwas vom Fach verstehen sollte, erklärt sich von selbst. Und dennoch: "Auch wenn man der Überzeugung ist, dass die Verwaltung kompetent ist, sollte man einen Verwaltungsbeirat einrichten", empfiehlt Bertram Joachim Schmitt. Dessen Aufgabe ist es, dem Verwalter auf die Finger zu sehen und dabei auch regelmäßig einen Blick auf die Konten zu werfen. So könne man frühzeitig erkennen, ob das Vermögen der WEG unwirtschaftlich genutzt wird oder nicht.

Auf die Kontoform kommt es an

Das Thema betrifft in Deutschland immer mehr Menschen. Denn im Zuge des Immobilienbooms steigt auch die Zahl der Eigentümer. Seit Jahren finden Wohnungen und Häuser hierzulande bei Anlegern großen Zuspruch. Die Immobilienpreise wurden dadurch vor allem in begehrten Lagen großer Städte bereits erheblich in die Höhe getrieben, wie die Recherche in der neuen Immobiliendatenbank von manager magazin online zeigt.

Von besonderer Bedeutung für die Eigentümer ist die Frage der Kontoform. "Früher gab es praktisch nur die Möglichkeit eines Treuhandkontos, weil WEGs nicht rechtsfähig waren und somit kein Konto auf ihren Namen eröffnen konnten", erläutert Weeger-Elsner. "Seit sie durch die Novellierung des Wohnungseigentumsgesetzes im Juli 2007 für teilrechtsfähig erklärt wurden, ist das anders." Nun könnten sich Eigentümergemeinschaften auch für ein offenes Fremdgeld- oder WEG-Eigenkonto entscheiden.

Doch warum ist das wichtig? Grund sind gewisse Eigenschaften des Treuhandkontos: "Bei dieser Kontoform ist der Verwalter Kontoinhaber", erklärt Gerold Happ vom Eigentümerverband Hau & Grund Deutschland in Berlin. "Das führt dazu, dass das Vermögen der WEG formal als seines betrachtet wird." So könnte das Konto in seinen Nachlass fallen, wenn er stirbt.

Bei einer Pleite des Verwalters geht es in die Insolvenzmasse - selbst wenn die Eigentümergemeinschaft ihre Besitzrechte geltend macht. "Besonders groß ist die Gefahr, dass so etwas passiert, wenn der Verwalter das WEG-Geld nicht sauber getrennt von seinem eigenen Vermögen angelegt hat", sagt Happ. "Darauf sollte man also unbedingt bestehen."

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