Donnerstag, 19. September 2019

Trotz geplanter Preisbremse Für Mieter wird 2015 ein teures Jahr

Häuser in Hamburg-Harvestehude: Abschwung am Immobilienmarkt?

Der Mieterbund rechnet auch für 2015 mit steigenden Preisen: Die Preisbremse wird erst später wirken. Auch Käufer müssen mit steigenden Kosten rechnen - aber der Anstieg lässt spürbar nach.

Berlin - Die Mietpreisbremse kommt. Aber sie kommt so spät, dass sie steigende Mieten im kommenden Jahr kaum verhindern wird. Davon geht der Direktor des Deutschen Mieterbunds, Lukas Siebenkotten, aus. "Die Mietpreisbremse ist ja überhaupt noch nicht beschlossene Sache. Mit der Verabschiedung ist erst Ende Januar, Anfang Februar nächsten Jahres zu rechnen", sagte Siebenkotten.

Danach müssten die Bundesländer noch die Gebiete definieren, die sie für besonders relevant halten. "Ich rechne nicht damit, dass das vor der zweiten Jahreshälfte 2015 der Fall sein wird." Damit werde die Preisbremse im kommenden Jahr keine großen Auswirkungen mehr haben. In angespannten Märkten dürften die Mieten deutlich steigen, die Heizkosten aber geringer ausfallen.

Gerade in angespannten Wohnungsmärkten wie Ballungszentren oder Universitätsstädten, auf denen die Preisbremse allzu großen Mietsteigerungen Einhalt gebieten soll, dürften die Mieten nach seinen Worten deutlich steigen.

Nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung dürfen die Mieten bei der Neubelegung einer Wohnung künftig höchstens zehn Prozent über vergleichbaren ortsüblichen Mieten liegen. Erstvermietungen in Neubauten und Mieten nach einer umfassenden Modernisierung sollen ausgenommen sein.

Ökonomen warnen vor negativen Effekten der Preisbremse. So kam etwa das DIW zu dem Schluss, gerade in Großstädten werde die Regel Mietern eher schaden als nützen. Das IW Köln kritisiert, dass das Instrument nur formal wirke: Wenn Vermieter und Investoren ihre Mieteinnahmen nicht mehr steigern könnten, würden immer mehr Immobilien an Selbstnutzer verkauft und das Angebot an Mietwohnungen insgesamt knapper.

Abschwung am Immobilienmarkt

Anziehen dürften im kommenden Jahr außer den Neumieten auch die Immobilienpreise - allerdings weniger stark als bislang. "Der deutsche Wohnimmobilienmarkt hat sich überraschend abgekühlt", schrieb die Bundesbank in ihrem Monatsbericht Dezember. "Nicht zuletzt im Zuge der Beruhigung teilweise heiß gelaufener regionaler Immobilienmärkte steigen die Kaufpreise selbst genutzten Wohneigentums inzwischen nur noch vergleichsweise moderat an", hieß es bereits einen Monat zuvor.

Die Experten der Bundesbank sprechen bereits von einem Abschwung am Immobilienmarkt. So seien in sieben Großstädten die Wohnungspreise im dritten Quartal 2014 um 5,75 Prozent binnen Jahresfrist gestiegen, nach sieben Prozent in der ersten Jahreshälfte und noch neun Prozent im Jahr 2013.

Dank Minizinsen und günstiger Finanzierung dürfte der seit 2010 sichtbare Run auf Immobilien dennoch nicht nachlassen, sagt Helaba-Experte Stefan Mitropoulos. "Die Bautätigkeit nimmt weiter zu, wird aber wohl auch 2015 unter dem Bedarf liegen."

Die Ratingagentur Standard & Poor's sagt für das kommende Jahr eine Erhöhung der Immobilienpreise von vier Prozent voraus. In Ballungszentren wie im Großraum Berlin seien aber deutlich höhere Preissprünge möglich.

Fast alle Bundesländer haben Grunderwerbsteuer erhöht

Teurer wird es für Käufer auch dank höherer Abgaben an die Finanzämter. Nach zahlreichen anderen Bundesländern erhöhen zum 1. Januar auch das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen und das Saarland die Grunderwerbsteuer. Mit einem Satz von 6,5 Prozent schließen beide Länder zum bisherigen Spitzenreiter Schleswig-Holstein auf. Wer in diesen Ländern ein Haus für 200.000 Euro kauft, muss zusätzlich 13.000 Euro an das Finanzamt überweisen. Allein Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) erwartet jährliche Mehreinnahmen von 400 Millionen Euro für die Landeskasse.

Seit 2006 können die Länder den Steuersatz bestimmen, nur Bayern und Sachsen haben ihn noch nicht erhöht und verharren bei 3,5 Prozent. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit aus dem Mittelfeld in die Gruppe der Staaten mit den höchsten Sätzen vorgerückt, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorhebt. Es warnt davor, mögliche Nebenwirkungen hoher Grunderwerbsteuersätze außer Acht zu lassen, etwa dass vor allem junge Familien und indirekt auch Mieter betroffen sein könnten.

8,4 Milliarden Euro brachte die Grunderwerbsteuer den Ländern 2013 ein. Für 2014 erwartet das Bundesfinanzministerium einen Anstieg auf 9,2 Milliarden - nahezu doppelt so viel wie vor der Reform, als es 2005 noch 4,8 Milliarden Euro waren. Inzwischen macht die Grunderwerbsteuer mehr als die Hälfte der reinen Landessteuern aus. Mit 1,7 Milliarden Euro kam schon 2013 die bundesweit höchste Summe in Nordrhein-Westfalen zusammen.

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