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Wandel Wie agil ist Ihr Unternehmen?

Eine Studie zeigt, wie gut Unternehmen Veränderungen ihres Umfelds wahrnehmen und wie schnell sie darauf reagieren. Eine Reihe von Faktoren hilft, diese Fähigkeit zu verbessern.
aus Harvard Business manager 7/2015

Unternehmen müssen Bedrohungen ihres Geschäfts zuverlässig wahrnehmen und zügig darauf reagieren können. Bei vielen ist das jedoch nicht der Fall, so eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Kienbaum. 34 Prozent der Befragten seien demnach weitgehend blind gegenüber technologischen Veränderungen, und 37 Prozent sähen sich nicht in der Lage, schnell und flexibel auf den Technikwandel zu antworten.

Die Fähigkeit, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zügig darauf zu reagieren, wird auch Agilität genannt. Achim Mollbach und Jens Bergstein, Change-Management-Experten von Kienbaum, haben untersucht, wie agil Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind und was die besten auszeichnet. 204 Führungskräfte und Mitarbeiter haben an dieser Studie teilgenommen. Sie sollten bewerten, wie sehr sie Veränderungen in vier Bereichen wahrnehmen und wie schnell sie darauf reagieren. Die Treiber von Wandel sind Wettbewerbsintensität, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen (beispielsweise der Atomausstieg), technologische Innovationen sowie Kundenpräferenzen und Kundenverhalten.

Im zweiten Teil sollten die Teilnehmer beurteilen, in welchem Maß 24 Faktoren, die die Agilität fördern, in ihrem Unternehmen umgesetzt sind.

Langsame Reaktion

Grundsätzlich haben die meisten Firmen ein waches Auge auf ihre Umwelt. Im Schnitt registriert ein Fünftel zuverlässig, was sich ändert – und fast die Hälfte bewertet die Wahrnehmungsfähigkeit ihres Unternehmens positiv mit Einschränkungen ("trifft eher zu", Stufe 2 einer vierstufigen Skala von "trifft voll und ganz zu" bis "trifft überhaupt nicht zu").

Es zeigten sich aber auch deutliche Schwächen. So bekommen 22 Prozent Wettbewerbsveränderungen nicht besonders gut mit ("trifft eher nicht zu"). Auf die Frage nach Veränderungen der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen antworteten 25 Prozent, dass sie diese "eher nicht" oder "gar nicht" registrieren. Technologischen Wandel bekommen 34 Prozent "eher nicht" oder "überhaupt nicht" mit. Änderungen bei Kundenvorlieben oder beim Kundenverhalten registrieren 31 Prozent "eher nicht" oder "gar nicht".

Noch schlechter fallen die Ergebnisse bei der Frage aus, wie gut Unternehmen auf die vier Veränderungstreiber reagieren. Bei der Frage nach der Reaktion auf Wandel in der Wettbewerbsintensität entfallen 28 Prozent der Antworten in die Kategorie "eher nicht" oder "gar nicht", bei dem Punkt Rahmenbedingungen sind dies 30 Prozent, bei technologischen Innovationen sogar 37 Prozent und beim Kundenverhalten 32 Prozent.

So werden Sie schneller

Im zweiten Teil der Studie ging es darum herauszufinden, welche Fähigkeiten oder Bedingungen im Unternehmen dazu führen, dass es agil handeln kann. Dazu haben die Berater 24 Faktoren aus der Managementliteratur ausgewählt, die als sogenannte Enabler gelten. Dazu zählen die Offenheit von Mitarbeitern gegenüber Neuerungen, die Bereitschaft, Fehler zu nutzen, um zu lernen, das vorbildliche Verhalten von Führungskräften und die Kundenorientierung der Abteilungen.

Anhand derselben vierstufigen Skala wie im ersten Teil sollten die Befragten bei jedem der 24 Enabler den Grad der Umsetzung in der eigenen Firma bewerten. Diese Antworten haben die Studienautoren anschließend gefiltert. Aus den Ergebnissen zur Wahrnehmungsfähigkeit und Reaktion auf Veränderungen bildeten sie zwei Gruppen: "eher agile" und "weniger agile" Unternehmen. Sie konnten so jene Enabler isolieren, die bei den agileren Firmen besonders ausgeprägt sind. Die folgende Rangliste zeigt die fünf wichtigsten, das heißt, dort unterscheiden sich agile und weniger agile Unternehmen am meisten:

●  Einsatz von Social-Media-Systemen zur internen Kommunikation;

●  Topmanagement entscheidet schnell;

●  interne Systeme und Verfahren sind auf kurzfristige Veränderungen ausgerichtet;

●  Topmanagement ist Vorbild für Change-Initiativen;

●  Entscheidungen werden zuverlässig umgesetzt (siehe Checkliste).

In der Umfrage wollten die Berater auch wissen, wie stark sich Unternehmen bei ihren Entscheidungen an der Vergangenheit orientieren, da dieser Faktor deren Agilität behindert. Die Auswertung zeigte, dass sich die eher agilen von den weniger agilen Firmen auch hier stark unterscheiden. Das Motto: "Das haben wir immer schon so gemacht", spielt bei ihnen eine geringere Rolle.

Fazit

Auch wenn in einem großen Teil der befragten Unternehmen Veränderungen registriert werden, gibt es in Bezug auf den Wandel bei Technologie und Kundenvorlieben bei fast einem Drittel der Teilnehmer blinde Flecken. Um agiler zu werden, so die Autoren der Studie, müssten die Unternehmen bei den wichtigsten Enablern ansetzen.

© HBM 2017

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