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Wichtige Frage ausgeklammert

Organisation: Raus aus der Routine (HBm Mai 2005)
aus Harvard Business manager 7/2005

Innerhalb des Beitrags kritisieren die Autoren das "klassische" Projektmanagement. Bei den Überlegungen, Argumenten und aufgezeigten Vorteilen des neuen Ansatzes stehen die Organisationstheorie und das einzelne Projekt im Mittelpunkt. Die abschließende Forderung der Autoren besteht darin, sich von "Planungsfantasien" zu verabschieden.

Im Kern zielt der Beitrag auf bestehende Planungsprobleme, -unsicherheiten (zum Beispiel in Folge unvollständiger Informationen zum Zeitpunkt der Projektplanung und Projektgenehmigung), Projektrisiken und Messprobleme ab. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es auch innerhalb des "klassischen" Projektmanagements durchaus Mittel und Wege gibt, um die angegebenen Schwierigkeiten zu reduzieren (zum Beispiel Stakeholder-Analysis, Planungsszenarien). Darüber hinaus ist auch auf sehr effiziente Maßnahmen hinzuweisen, die dem Risikomanagement zuzurechnen sind (zum Beispiel FMEA).

Eine der wichtigsten Fragen, und zwar die nach der Projektwirtschaftlichkeit (Aufwandschätzung, Budgethöhe, Projektkosten et cetera), wird leider vollkommen ausgeklammert. Wie sollen zum Beispiel Entscheidungsträger bei verzichtbaren "Planungsfantasien" die tatsächlich durchführbaren, möglichst wirtschaftlichen Projekte auswählen (Stichworte: Multi-Projektmanagement, Shareholder-Value)? Bei der Entscheidung über Angebotsabgabe, Projektgenehmigung, Ressourcenplanung (Personalkosten!) und Budgetfreigabe werden wir nie - trotz aller Unwägbarkeiten, Risiken und Projektüberschreitungen - an solchen "Planungsfantasien" vorbeikommen. Deswegen müssen wir beim Projektmanagement unsere theoretischen und praktischen, größtenteils bekannten "Hausaufgaben" machen - und besser werden. Im Hinblick auf den zunehmenden Projektanteil wird diese "Professionalisierung" für die Existenz ganzer Branchen entscheidend sein.

Dr. Achim Kindler, DASMA-Vorstand, Mitglied im GPM-Projekt "DIN 69901 (neu)", Gesellschafter und Berater Imaka, Leonberg

Die essenzielle Botschaft des Beitrags für ein effektiveres Projektmanagement liest sich eher beiläufig: "Es geht so, aber auch anders, allerdings keinesfalls beliebig". Was für den Unternehmensalltag gilt, wo starre Zielkorridore keinesfalls zur Reduktion von Komplexität beitragen, häufig wenig motiviert verfolgt und darum nur mit mäßigem Erfolg realisiert werden, stellt sich als Lernkonzept für den Hochschulunterricht umso schwieriger dar. Die Autoren plädieren für den Wiedereinzug der Kreativität in Projektprozesse und verweisen auf die Effekte optimierter Organisations- und Kommunikationsstrukturen - ungeachtet der Disziplin und Souveränität, die allen Mitarbeitenden gemeinsam sein muss, um zwar Alternativen zu denken, sie jedoch in ihrer ressourcenbedingten Realisierbarkeit abzuwägen, Ziele wohl experimentell, doch valide zu setzen. Vorausgesetzt werden jene diakritischen Kompetenzen, die den theoretischen und praktischen Aspekten des Projektmanagement-Unterrichts widersprechen, wie er in den akkreditierten Studiengängen vermittelt wird. Wir sind noch weit entfernt vom Schulterschluss von Wirtschaft und Wissenschaft.

Dr. Johanna Dahm, Managing Director Skylight GmbH, Köln, Lehrbeauftragte Europa Fachhochschule Fresenius - Hochschule für Wirtschaft und Medien, Köln

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