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Werkzeugkasten für Entscheider

Oft entsteht Streit im Büro aus winzigen Störungen. Wer die Schwachstellen kennt, kann unnötigen Stress vermeiden.
aus Harvard Business manager 1/2004

Sind Menschen bloße Reiz-Reaktions-Maschinen? Wie die Jugendlichen, die einer alten Frau immer den Garten mit Steinen und Flaschen vermüllten. Bis sie reagierte und den Übeltätern für die Wiederholung einen Euro anbot. Sie kamen. Mit noch mehr Steinen und Flaschen. Die Frau wiederholte das Angebot, die Jugendlichen reagierten wie bestellt. Bis die Frau nur noch 50 Cent bot. Worauf die Bengel maulten - und sich verdrückten. Null Bock auf Niedriglohn.

Dagmar Säger illustriert mit dieser Geschichte in ihrem Buch "Bezahlt um zu entscheiden", was Manager anrichten können, wenn sie falsch motivieren. Werden Menschen ausschließlich durch einen Bonus zur Leistung angetrieben, muss der Anreiz stetig steigen - sonst folgt statt Leistungsgipfel das Jammertal.

Das Thema Motivation ist nur eines von einem knappen Dutzend typischer Probleme zwischen Chef und Mitarbeiter. Die Hamburger Managementtrainerin schreibt über den Kollegen, der plötzlich zum Chef wird, über Rollenklischees und über Vorgesetzte, die nicht delegieren können - und dabei vor lauter Arbeit ihren Job nicht ausfüllen.

Um die täglichen Führungsfallen zu entlarven, beginnt die Autorin jedes Kapitel mit einer Fallstudie. Einfache, fast schlichte Passagen. Aber weil sie so unkompliziert wirken, glaubt der Leser sie wiederzuerkennen. Ähnliches ist meist irgendwo schon einmal passiert. Auf jede Fallstudie folgt eine Analyse der Motive von Chef und Mitarbeiter. Wo es nötig scheint, begründet Säger die Verhaltensweisen der handelnden Personen anhand wissenschaftlicher Theorien - und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab.

Viele der Vorschläge sind simpel - aber effektiv. Dem alltäglichen Besprechungs-Gau mit seinen ausufernden Wortbeiträgen setzt die Autorin zum Beispiel eine strikte Moderation entgegen, bei der der Chef als Diskussionsleiter all den Schwaflern, Taktierern und Bedenkenträgern in der Runde sofort den Wind aus den Segeln nimmt - und zum eigentlichen Thema zurückkehrt.

Der Vorgesetzte konzentriert sich aufs Zuhören und Lenken. Weil keine Zeit mehr auf Nebenkriegsschauplätzen verschwendet wird, entsteht schnell eine solide Grundlage für eine Entscheidung.

Alle Probleme, die Führungskräfte mit Mitarbeitern oder anderen Führungskräften haben, lassen sich mit dieser holzschnittartigen Sammlung sicher nicht lösen. Aber jeder Leser wird die eine oder andere Anregung finden, um den Alltag im Job angenehmer zu gestalten. Das Buch liefert nützliches Handwerkszeug, um Probleme im Keim zu ersticken.

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Säger, Dagmar

Bezahlt um zu entscheiden

Redline Wirtschaft, Frankfurt am Main 2004, 398 Seiten, 49 Euro

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