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Auf einen Blick Welche Ökobegriffe Sie kennen sollten

Vom Radical Greening über den ökologischen Fußabdruck bis zum Blauen Engel: Wir erklären die wichtigsten Schlagwörter, nach Kategorien sortiert
aus Harvard Business manager 12/2009

Management

Was Umweltaktivisten freut, gilt den Beratern von Ernst & Young (E&Y) als eines der größten strategischen Risiken im Management: Radical Greening nennt sich die Entwicklung hin zu einer Wirtschaft, in der sich ökologische Standards laufend verschärfen. Innerhalb eines Jahres ist der Begriff von Platz neun im E&Y-Risikoranking auf Platz vier geklettert.

Doch nicht alle Unternehmen sehen im ökologischen Umbau ein Risiko, sondern setzen bewusst auf die Vorreiterrolle - so wie der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart, der seine Zulieferer verpflichtet hat, Kohlendioxidemissionen und Wasserverbrauch ihrer Produkte zu dokumentieren.

So weit sind die meisten deutschen Unternehmen noch nicht. Jedoch entwickeln sich Nachhaltigkeitsberichte, die auch Ressourceneffizienz und Umweltschutz thematisieren, zum Standard für Konzerne. 64 Prozent der 150 größten deutschen Unternehmen haben 2009 einen Bericht vorgelegt.

Unterstützung für Firmen bietet Ökoprofit, ein Kooperationsprojekt von Kommunen und lokaler Wirtschaft. Es hilft Betrieben beim Umweltmanagement und bereitet sie auf eine Zertifizierung vor. Im Schnitt sparen Unternehmen so 30 000 Euro im Jahr.

Produkte

Wann verschwenden Handys den meisten Strom? Wenn ihr Akku voll ist, sie aber noch an der Ladestation hängen. Solche Erkenntnisse gewinnen Manager, wenn sie für ihre Produkte eine Ökobilanz erstellen, also berechnen, wie Produktion und Nutzung auf die Umwelt wirken.

Im Gegensatz dazu bezeichnet der ökologische Fußabdruck die Fläche, die notwendig ist, um die Ressourcen für ein Produkt (oder eine Person) bereitzustellen. Fußabdrücke lassen sich auch für einzelne Formen der Umweltbelastung berechnen. Ein deutsches Pilotprojekt, das Konsumgütern ein Etikett mit ihrem CO2-Fußabdruck verpassen sollte, blieb 2008 aber ohne konkrete Auswirkungen.

Eine radikalere Strategie verfolgt das Cradle-to-Cradle-Konzept (Cradle = Wiege), auch Ökoeffektivität genannt. Es will die Umweltbelastung eines Produkts nicht nur minimieren, sondern im Idealfall gar keine Belastung entstehen lassen, weil alles ins Recycling geht. Dadurch sollen letztlich weder Müll noch Schadstoffe in Wasser, Luft und Boden anfallen. Bisher sind rund 600 Produkte in Deutschland mit dieser Kreislaufmethode hergestellt worden; auch Unternehmen wie BASF, Trigema und Nike arbeiten damit.

Marketing

Warum setzt sich Angela Merkel medienwirksam auf schmelzendem Grönlandeis in Szene? Und wieso bewerben Autokonzerne ihre Modelle - auch die Spritschlucker - plötzlich alle mit Umweltslogans? Weil grünes Marketing in ist. So hat sich nach einer Studie der kanadischen Umweltberatung TerraChoice die Zahl der Magazinanzeigen mit Werbung für umweltfreundliche Produkte in den USA zwischen 2006 und 2008 fast verdreifacht.

Kritiker beklagen jedoch zunehmendes Greenwashing - Schönfärberei und Täuschung der Verbraucher. Vor allem Energiekonzerne und Autohersteller sind deshalb in die Schusslinie geraten. 98 Prozent aller "grünen" Marketingversprechen könnten einer kritischen Überprüfung nicht in allen Punkten standhalten, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Viele Unternehmen, die etwas für ihr Umweltimage tun möchten, haben die - ebenfalls umstrittene - CO2-Kompensation für sich entdeckt. Dabei sollen Emissionen, die bei Reisen oder Veranstaltungen in die Luft geblasen werden, durch Zahlungen für klimafreundliche Projekte neutralisiert werden. In Deutschland bieten Organisationen wie Atmosfair und Myclimate so eine Kompensation an.

Technik

Beim Begriff "grüne Technik" denken die meisten wohl zuerst an erneuerbare Energien. Dabei betrifft die ökologische Modernisierung der Wirtschaft fast alle Unternehmensbereiche. Green IT etwa bezeichnet Bemühungen von Unternehmen, den Energieverbrauch ihrer Rechner und Rechenzentren zu senken. Ein ehrgeiziges Vorhaben - immerhin sind IT und Telekommunikation für 8 Prozent des deutschen Stromverbrauchs verantwortlich.

Auch in Laboren und chemischen Anlagen tüfteln Forscher an Verfahren - Grüne Chemie genannt -, die weniger umweltschädlich sind als der bisherige Produktionsstandard. Dazu gehören etwa Prozesse, die ohne Lösungsmittel auskommen, oder Reinigungsverfahren auf Basis von Enzymen statt chemischer Keulen.

Eng damit verwandt ist die Nanotechnologie, die mit winzig kleinen Partikeln arbeitet. Sie lässt sich ebenfalls für umweltschonende Produkte einsetzen, etwa indem sie eine besse-re Energieausbeute in Fotovoltaikanlagen und Batterien ermöglicht oder bei der Wärmeisolierung hilft. Allerdings ist der Einsatz von Nanopartikeln umstritten, da mögliche Risiken für Gesundheit und Umwelt noch nicht ausreichend erforscht sind.

Ressourcen

Wer in seinem Unternehmen nach Einsparmöglichkeiten sucht, sollte seinen Ressourcenverbrauch überprüfen. Materialkosten machen 42 Prozent der Kosten im produzierenden Gewer- be aus, Personalkosten nur 19 Prozent. Eine höhere Materialeffizienz - also eine Produktion, die weniger Material verbraucht - birgt daher enormes Sparpotenzial. So sparten 250 von der Deutschen Materialeffizienzagentur betreute Firmen durch Änderungen an Material, Produktionsprozess oder Verpackung im Schnitt Kosten von 2,5 Prozent des Umsatzes.

Der Begriff Energieeffizienz ist ein echtes Buzzword des Ökomanagements. Rund 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen wollten 2009 in die Verbesserung ihrer Energieeffizienz investieren, um Strom- und Heizkosten zu senken. Dabei stehen Ausgaben für die Gebäudetechnik ganz oben, gefolgt von energiesparenden Geräten und Fahrzeugen.

Weniger Sparpotenzial bietet der schonende Umgang mit den Ressourcen Wasser, Boden und Luft. Bislang müssen Betriebe die volkswirtschaftlichen Kosten der Verschmutzung nur zum Teil tragen. Der Emissionsrechtehandel ist ein Versuch, diese Kosten den Verursachern aufzuerlegen.

Ökosiegel

Mit einer unübersehbaren Fülle von Umweltzeichen buhlen Unternehmen um die Gunst der Verbraucher. Ökosiegel gibt es für fast alle Wirtschaftsbereiche, von Landbau über Tourismus bis Geldanlagen. Gern werfen sich die Zertifikateanbieter dabei gegenseitig mangelnde Qualität vor.

Das bekannteste Siegel ist der Blaue Engel des Bundesumweltministeriums, den rund 10 000 Produkte tragen. Er zeichnet das "geringste Übel" einer Produktgruppe aus. Das Bio-Siegel des Verbraucherschutzministeriums klebt auf rund 56 000 Lebensmitteln und sichert Mindeststandards des ökologischen Landbaus. Weitaus strenger sind die Ökosiegel der Erzeugerverbände.

Wer seinen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in puncto Umwelt zertifizieren lassen will, landet bei der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 oder ihrer strengeren europäischen Schwester EMAS. In Deutschland sind mehr als 4000 Unternehmen nach ISO 14001 zertifiziert.

Oft diskutiert, aber noch nicht eingeführt: ein Klimalabel für Produkte mit geringen CO2-Emissionen, ähnlich dem 2007 in Großbritannien gestarteten Carbon Reduction Label.

© 2009 Harvard Business Manager

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