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Best Practice Weiterbildung, selbst gemacht

aus Harvard Business manager 1/2012

Jedem echte Befugnisse geben

"Unsere Weiterbildung haben wir komplett in die Hände der Mitarbeiter gelegt. "4+1" nennen wir das Arbeitszeitmodell, das in allen Arbeitsverträgen festgeschrieben ist: Jeder bekommt einen Tag in der Woche, um sich eigenverantwortlich weiterzubilden. Was er oder sie in dieser Zeit tut, kann jeder selbst bestimmen. Viele tauschen sich in Study Groups und Open-Source-Projekten über ihre Arbeit aus, andere lernen Moderationstechniken, schreiben Fachartikel oder nehmen an unseren Rücken- und Schwimmkursen teil.

Zwar haben die Teamleiter offiziell ein Vetorecht, aber das musste bis jetzt noch niemand in Anspruch nehmen. Die Teamleiter agieren hier als Impulsgeber oder als Mentoren, nicht als Vorgesetzte, die ihren Haken unter den Weiterbildungsantrag machen müssen. Mitarbeiter wissen selbst am besten, was sie wollen und brauchen.

Die Idee dazu ist Ende 2006 entstanden. In Bewerbergesprächen und Mitarbeiterbefragungen hatten wir immer wieder gehört, dass die Leute zu uns kommen und bleiben, weil ihnen die Möglichkeit zur Weiterbildung bei Itemis wichtiger ist als finanzielle Anreize. Die Auslastung unserer Mitarbeiter in der Beratung liegt bei durchschnittlich 80 Prozent. Also können wir nichts verlieren, aber ganz viel gewinnen, wenn wir ihnen diesen Freiraum von 20 Prozent der Arbeitszeit bewusst für Weiterbildung zur Verfügung stellen. Die Kosten dafür sind gar nicht so hoch. Natürlich kommt es vor, dass Mitarbeiter externe Seminare besuchen. Weil sie aber vieles selbst organisieren, sich gegenseitig schulen oder die Zeit fürs Publizieren nutzen, kostet uns die Weiterbildung oft gar nichts - abgesehen von der Zeit, in der Mitarbeiter nicht beim Kunden sind und Umsatz machen. Typisch dafür sind unsere Englischkurse. Die bietet einer unserer Marketingmitarbeiter an, ein Ire und ausgebildeter Sprachtrainer. Vorher hatten wir eine Kooperation mit einer Sprachschule, aber da haben sich nur wenige angemeldet. Heute sind die Kurse terminlich und inhaltlich besser auf unser Unternehmen zugeschnitten - und besser besucht. Ich selbst gehe jeden Montagmorgen zum Englischkurs.

Nicht jeder kommt auf Anhieb mit der Freiheit des 4+1-Modells zurecht. Manche, die neu zu uns kommen, würden lieber mehr an die Hand genommen. Darauf haben wir mit einem Einarbeitungsprogramm reagiert: An 13 Terminen geben erfahrene Kollegen einen Einblick in unsere Themen und zeigen den Neuen, wie sie damit weiterarbeiten können, wo sie Informationen finden und wer ihre Ansprechpartner sind. In einem Wissensunternehmen wie unserem geht es eben nicht ohne Selbstorganisation."

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