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Ergebnisse einer empirischen Analyse Was taugen Länderrisikokonzepte?

Angesichts der nach wie vor ungelösten Schuldenkrise in der Dritten Welt ist es für international tätige Unternehmen zunehmend unerläßlich, die Gefahren eines Auslandsengagements kontinuierlich und frühzeitig zu bewerten. Können die Risikobeurteilungen, die regelmäßig von kommerziellen und öffentlichen Institutionen sowie von Fachzeitschriften veröffentlicht werden, den Betrieben dabei helfen? Eine empirische Untersuchung dieser Beurteilungssysteme zeigt: Aggregierte Globalindikatoren sind in der Regel wenig aussagefähig. Internationale Unternehmen sollten daher die Einzelkriterien der Teilkonzepte heranziehen. Mit qualitativen Indikatoren (aufgrund von Expertenbefragungen) läßt sich im übrigen genauso gut oder schlecht wie mit statistischen Daten die Zahlungsfähigkeit eines Landes beurteilen. Allerdings haben Experten den Vorteil, daß sie aktuellere Informationen heranziehen können. Obschon die verwendeten Daten als recht zu verlässig gelten dürfen, erlauben die untersuchten Risikokonzepte nur wenig differenzierte Beurteilungen. Sie können zwar helfen, die strategische Richtung auf Auslandsmärkten zu bestimmen. Doch konkrete risikopolitische Maßnahmen lassen sich daraus nicht ableiten. Obendrein wird aus empirischen Tests deutlich, daß die Beurteilung von Länderrisiken auf möglichst aktuellen Ist-Analysen beruhen sollte und nicht auf langfristigen Prognosen. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen - Ölpreis, Dollarkurs, Zinsniveau - verändern sich auf kaum vorhersehbare Weise. Jährlich abgegebene Prognosen sind daher schon nach wenigen Wochen oder Monaten überholt.
aus Harvard Business manager 3/1987
Margit Meyer
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