Zur Ausgabe
Artikel 7 / 18
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Personal Was Männer über Managerinnen denken

Männer akzeptieren inzwischen weibliche Führungskräfte - an den Karrierebarrieren für Frauen ändert das aber nur wenig.
aus Harvard Business manager 11/2006

Denken die Menschen in der Geschäftswelt heute anders über Frauen in Führungspositionen als vor ein paar Jahren? Die kurze Antwort ist: Es hat sich etwas verbessert, aber nicht so viel, wie die Männer glauben.

In der Juli/August-Ausgabe der "Harvard Business Review" (HBR) von 1965 diskutierten Garda W. Bowman, N. Beatrice Worthy und Stephen A. Greyser die Ergebnisse einer Studie. Im Rahmen der Studie waren 2000 US-Führungskräfte (zur Hälfte Männer, zur Hälfte Frauen) zum Thema "Sind Frauen für Führungspositionen geeignet?" befragt worden. Charlotte Decker Sutton und Kris K. Moore griffen die Frage 20 Jahre später in der September/Oktober-Ausgabe 1985 der HBR wieder auf. Sie zeigten, dass sich die Einstellungen der Frauen und Männer deutlich verändert hatten, Frauen in der Geschäftswelt aber immer noch auf starken Widerstand stießen.

In Zusammenarbeit mit Kris Moore knüpften wir, noch einmal 20 Jahre später, dort an, wo das zweite Forschungsprojekt geendet hatte. Wir verwendeten die gleichen Fragen wie 1985 mit einer neuen Stichprobe von 286 nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Führungskräften der besten öffentlichen und privaten Unternehmen. Auch wenn unsere Stichprobe heute kleiner ist als die Stichproben der Jahre 1965 und 1985, ist sie repräsentativ für die Population der Führungskräfte in den USA.

In den vergangenen 40 Jahren haben Frauen kontinuierlich deutliche Zustimmung für das Konzept gezeigt, mehr Frauen im Topmanagement zu haben. Männer haben sich im Verlauf der Jahre zunehmend mit der Idee angefreundet. Seit 1965 ist der prozentuale

Anteil der Männer, die der Aussage "Insgesamt ist meine Einstellung gegenüber Frauen in Führungspositionen positiv" zustimmen, von 35 Prozent auf 88 Prozent gestiegen. In unserer Befragung aus dem Jahr 2005 waren es tatsächlich ebenso viele Männer wie Frauen, die dem beipflichteten.

Männer und Frauen äußerten sich ebenso ähnlich zu der Feststellung: "Ich könnte mir gut vorstellen, eine Frau als Vorgesetzte zu haben." Wie 1985 stimmten sehr viele der Frauen (ungefähr 80 Prozent) dieser Aussage zu, wobei es einen kleinen Rückgang gab. Dagegen ist der Anteil der Männer, die sich eine Frau als Chef vorstellen können, stetig gewachsen. In unserer Studie waren dies 71 Prozent der Männer. 1965 konnten sich das höchstens 27 Prozent vorstellen, 1985 immerhin schon 47 Prozent.

Während sich bei den genannten Statements die Einschätzungen annähern, entwickeln sich die Ansichten bei einigen anderen Aussagen allerdings deutlich auseinander. So ist die Zustimmung zu der allgemein formulierten These "Frauen werden in Führungspositionen niemals vollständig akzeptiert sein" zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen stetig zurückgegangen. Obwohl der Optimismus also insgesamt gestiegen zu sein scheint, weichen die Einschätzungen der Männer und der Frauen aber erheblich voneinander ab. Fast 40 Prozent der Frauen (aber nur rund 20 Prozent der Männer) glauben nicht, dass Frauen in Führungspositionen einmal vollständig akzeptiert sein werden.

Noch größer ist die Diskrepanz bei den Stellungnahmen zu dem Statement: "Eine Frau muss Außergewöhnliches leisten, um erfolgreich zu sein". Nur noch 31,7 Prozent der Männer glauben, dass dies der Fall ist, aber noch immer 69,4 Prozent der Frauen - trotz aller Maßnahmen und Gesetze, die in der Vergangenheit geschaffen wurden, um die Chancen zu verbessern (siehe auch die Fallstudie Seite 108).

Die divergierenden Einschätzungen weisen darauf hin, dass die Wahrnehmungen der Männer zu rosig sind. Weibliche Führungskräfte sagen, dass ihnen auf dem Weg nach oben noch immer erhebliche Barrieren in den Weg gestellt werden. Männer sehen diese Barrieren in der Regel nicht - möglicherweise haben sie auch gelernt, Fragen nach ihrer Einstellung in politisch korrekter Weise zu beantworten. Aber die nach wie vor geringe Zahl der Frauen in den Vorständen spricht für sich: Weniger als 20 Prozent der Vorstände in den "Fortune"-500-Unternehmen sind weiblich; nur acht dieser Unternehmen haben eine Frau als CEO. Wenn die typische Zusammensetzung der Vorstände ein Indiz ist, dann ist es höchstwahrscheinlich so, dass Männer anders reden als sie handeln. n

Dawn S. Carlson, Dwayne Whitten, K. Michele Kacmar
Zur Ausgabe
Artikel 7 / 18
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel