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Was ist ... Work Life Balance?

aus Harvard Business manager Edition 1/2007

Sie ist einer der größten Mythender modernen Arbeitswelt: dieWork Life Balance, der perfekteAusgleich zwischen Job, Familie undHobby. Im Beruf sollen wir Spitzenleistungbringen und auf der Karriereleiterimmer höher klettern; zu Hausekümmern wir uns liebevoll um Partnerund Kinder; dann laufen wir nochMarathon und lernen ostasiatische Meditationstechniken.Unmöglich? Wirmüssen nur unser Leben richtig organisieren,versprechen Ratgeberbücherund Berater, dann klappt es schon.

"Doch die Verhältnisse, die sindnicht so", schrieb schon Bert Brecht.Die Kinderfrau fällt genau dann aus,wenn die heiße Phase des Kundenprojektsbeginnt; der Theaterauftrittder Tochter überschneidet sich garantiertmit der Präsentation vor demVorstand. Kein Wunder, dass der Anspruchdes perfekten Ausgleichs mehrund mehr infrage gestellt wird.

Dabei sollte das Work-Life-Balance-Konzeptursprünglich für mehr Zufriedenheitmit dem eigenen Lebensorgen. 1986 geprägt, tauchte der Begriffin der populären Presse erst gegenEnde der 90er Jahre auf. Mit demAufkommen der New Economy verschärftensich die Anforderungen anManager und Mitarbeiter. Auch einmalim Büro zu übernachten, falls nötig,gehörte zum guten Ton. Die Kollegenwaren zugleich die besten Freunde(oder sollten es sein). "Der Arbeitsplatzwird zum Zuhause, das Zuhausezum Arbeitsplatz", stellte die SoziologinArlie Russell Hochschild von derUni Berkeley Ende der 90er Jahre fest(Harvard Businessmanager 3/1998).

Je mehr Frauen erwerbstätig wurden,je mehr Berufstätigkeit in derÖffentlichkeit Wertschätzung erfuhr,desto mehr wurde das Privatleben abgewertet.Für den Single ist dies keinProblem. Für Menschen mit Familieführte es zu neuen Belastungen. Umden wachsenden Anforderungen zugenügen, mussten sie den Alltag außerhalbder Arbeit straff organisieren.

Die Unternehmen reagierten aufdiese Entwicklung, indem sie Arbeitszeitenflexibilisierten, Telearbeit ermöglichten,Kinder- und Angehörigenbetreuungunterstützten. Einer repräsentativenStudie des Instituts derdeutschen Wirtschaft zufolge nutzenBeschäftigte in knapp 60 Prozent derbefragten Firmen etwa flexible Arbeitszeiten.Die Motive der Arbeitgebersind durchaus eigennützig. Siewollen mit solchen Angeboten qualifizierteMitarbeiter halten sowie durchgeringere Fluktuation und niedrigerenKrankenstand Kosten sparen.

Führungskräfte nutzen derartigeAngebote eher selten, auch aus Angstum ihre Karriere. Der Chefcontrollerin Teilzeh ist noch immer schwer vorstellbar.Manager werden eher auf eineneuere Variante des Work-Life-Balance-Konzeptssetzen, die da heißt:Es gibt Phasen im Leben, in denendie Arbeit im Vordergrund steht, undandere, in denen die Familie oder einHobby mehr Gewicht bekommen.Nur alles auf einmal gibt es nicht.

"Manager müssen lernen, sich bewusstGrenzen zu setzen und nichtendlos nach mehr Leistung, Erfolgoder Anerkennung zu streben",fordert Harvard-Professor HowardStevenson in seinem Beitrag "Erfolgreichund glücklich" (siehe Seite 51).Er hat eine Vorgehensweise entwickelt,um die richtigen Prioritätenzu bestimmen. Das Ziel: der größtmöglichepersönliche Erfolg - im Privatenwie im Beruflichen.

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