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Bücher Warum nichts wirklich funktioniert

Ein Wissenschaftler analysiert populär gewordene Studien über den Erfolg großer Unternehmen - und entlarvt haarsträubende Fehler.
aus Harvard Business manager 3/2008

Warum sind manche Unternehmen erfolgreich - andere aber nicht? Diese Frage beschäftigt Legionen von Beratern und Wissenschaftlern. Die erfolgreichsten dieser Experten formulieren ihre Thesen in Büchern, die dann zu Bestsellern werden; die Autoren mutieren zu Gurus.

Nun hat der Wissenschaftler Phil Rosenzweig, der am International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne Strategie und Organisation lehrt, die Methodik vieler dieser Studien durchleuchtet. Sein Fazit: Vor allem die populären Bestseller wie "Immer erfolgreich" von Jim Collins und Jeffrey Porras oder "Auf der Suche nach Spitzenleistungen" von Tom Peters und Robert Waterman kranken an grundlegenden methodischen Fehlern, sie unterliegen dem "Halo-Effekt".

Dieser von dem amerikanischen Psychologen Edward Thorndike geprägte Begriff bezeichnet, wie sich das Urteil von Menschen von äußeren Umständen beeinflussen lässt. Rosenzweig überträgt dieses Phänomen auf die Beurteilung der Performance und deren Ursachen durch Berater, Manager und Wissenschaftler.

Rosenzweig belegt anhand von neun weitverbreiteten Fehlern, warum die Ergebnisse eben nicht die wahren Ursachen der tollen Leistung eines CEOs oder eines Unternehmens wie Dell, Wal-Mart oder Intel zeigen.

Da sind zum Beispiel die gemessenen Parameter wie Kundenorientierung, Firmenkultur oder gesellschaftliche Verantwortung abhängig vom Gegenstand der Untersuchung, der Performance. Es werden Ursache und Wirkung verwechselt, oder es wird angenommen, dass ein Faktor wie soziale Verantwortung direkten Einfluss auf das Geschäftsergebnis habe - und nicht von zahlreichen anderen Dingen überlagert wird.

Rosenzweig kommt zu dem Schluss, dass es zwar viele wirklich gute Studien zum Thema Unternehmenserfolg gibt - deren Ergebnisse lassen sich aber zu selten in gute Geschichten verpacken. Es gebe zum Beispiel die Erkenntnis, dass die Tätigkeit des CEOs nur 4 Prozent des Geschäftsergebnisses beeinflusst.

Seine Antwort auf die Frage "Was funktioniert wirklich?", lautet deshalb: "Nichts funktioniert wirklich, zumindest nicht für alle Zeiten."

Das Buch ist lehrreich und schildert akribisch die Geschicke der als Vorbilder in zahlreichen Büchern vorgestellten Firmen, meist folgte der Niedergang kurz nach der öffentlichen Lobeshymne. Was bleibt, ist die Lust, jegliche Analyse kritisch zu hinterfragen - auch die des Autors. Denn der arbeitet mit dem gleichen Stilmittel wie die kritisierten Erfolgsautoren: mit der Mischung aus Anekdote und Wissenschaft. Michael Leitl

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