Lead Forward Kommunikation: Ignoranz, Apokalypse oder der dritte Weg?

Bereits am ersten Tag der Ausbildung sagte mein Schulleiter, die Branche sei am Ende - und wir alle chancenlos. Abgesehen davon, dass er Unrecht hatte: Wie sollen junge Menschen, Veränderungen in Unternehmen tragen, wenn wir sie klein machen und entmutigen?

„Die Zeiten sind schlecht“, sagte der Schulleiter an unserem ersten Tag an der Journalistenschule. „Nur einer oder eine von euch wird es in den Beruf schaffen. Auf alle anderen würde ich keinen Cent setzen.“ Wir lachten. Aber der Satz wirkte nach. Ich hatte Albträume vor dem Abschluss. Mein erstes Gehalt verhandelte ich miserabel. Ich war unsicher und hatte das Gefühl, dankbar sein zu müssen, dass mir überhaupt jemand etwas zutraute.

Dabei wären wir alle eine Wette wert gewesen. Nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich. Meine Mitschülerinnen und Mitschüler sind heute Führungskräfte, Reporter und Redakteurinnen bei renommierten Medien. Sie haben Träume verwirklicht und Bücher geschrieben. Mein Schulleiter hätte eine schöne Rendite erzielt, hätte er nur an uns geglaubt.

Die Disruption verläuft langsamer als gedacht

Nicht nur während meiner Ausbildung, auch in Unternehmen habe ich vor allem zwei Reaktionen auf Veränderungsdruck erlebt: Ignoranz ("Vielleicht geht das Internet ja wieder weg") oder Apokalypse ("Wir werden alle untergehen"). Mit zweiterem übertreibe ich es wahrscheinlich selbst manches Mal, weil ich das Gefühl habe, alle anderen warnen zu müssen. Eine menschliche Reaktion, die nicht unbedingt hilfreich ist.

Natürlich ist es wichtig, auf die Notwendigkeit von Veränderungen hinzuweisen. Doch wer ausschließlich die brennende Plattform beschwört, frustriert und demotiviert die, die den Wandel eigentlich umsetzen müssten. Angst, Unsicherheit und Stress sorgen dann dafür, dass Menschen schlecht träumen, statt Dinge zu bewegen.

Dabei gibt es mindestens einen dritten Weg: die Veränderung gestalten. Die gute Nachricht: Etablierte Unternehmen und Branchen sind nicht per se verdammt (auch wenn es sich manchmal anders anfühlt). Julian Birkinshaw, Professor für Strategie und Entrepreneurship an der London Business School, hat die "Fortune"-500- und "Fortune"-Global-500-Ranglisten analysiert . Seine Erkenntnis: Die Zusammensetzung hat sich seit dem Aufkommen des Internets kaum verändert, es sind nur wenige Traditionsunternehmen verschwunden. Das bedeutet: Die digitale Disruption verläuft in vielen Branchen langsamer als gedacht.

Welche Worte wählen Sie?

Es gibt in der Regel ein Zeitfenster, um zu reagieren und sich zu erneuern. Dazu müssen sich Führungskräfte jedoch auf die Stärken ihres Unternehmens besinnen – und ihre Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Kommunikation erreichen. Gerade junge Menschen könnten mit neuen Perspektiven und ihrer Energie Veränderungen in Unternehmen tragen, wenn wir sie nicht klein machen und entmutigen.

16 Jahre nach meinem Start an der Journalistenschule saß ich wieder in einem Klassenraum. Ich hatte mich für eine einjährige Fortbildung zu Innovation, Leadership und Produktmanagement beworben.

Unser Dozent Jeff Jarvis, der das Programm mit initiiert hat, eröffnete die Weiterbildung mit folgenden Worten: „Wir haben euch ausgewählt, weil wir an euch glauben. Ihr könnt und ihr werdet diese Branche verändern.“

Ich sah in die Gesichter meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen und spürte, welchen Unterschied diese Worte machten.

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