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Reputation Wann Krisen der Karriere schaden

Gerät ein Unternehmen in die Schlagzeilen, kann dies auch auf die einzelnen Mitarbeiter abfärben und ihre Chancen auf dem Jobmarkt verschlechtern. Eine Studie zeigt, unter welchen Umständen dies der Fall ist und was die Betroffenen tun können.
aus Harvard Business manager 1/2009

Staatshilfe für die Commerzbank; Korruption bei Siemens; Umsatzeinbruch bei BMW - in den vergangenen Monaten jagte eine schlechte Unternehmensnachricht die nächste. Viele Manager und Mitarbeiter in den betroffenen Firmen werden sich fragen, was diese Meldungen für ihre eigene Karriere bedeuten. Erschweren sie den Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber? Oder zählt vor allem die individuelle Leistung des Einzelnen?

Genau mit diesen Fragen hat sich Monika Hamori beschäftigt, Assistant Professor für Personalmanagement an der renommierten spanischen Business School Instituto de Empresa mit Sitz in Madrid. Sie hat die Karrierewege von 916 Personen untersucht, die im Zeitraum von 1992 bis 2002 bei einem von fünf der angesehensten Finanzdienstleister der Wall Street gearbeitet und mindestens einmal ihren Job gewechselt haben. Die Daten stammen von einer großen, internationalen Personalberatung. Gleichzeitig hat Hamori ermittelt, welche schlechten Nachrichten über diese fünf Finanzkonzerne im selben Zeitraum in der angesehenen Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" erschienen sind.

Anschließend hat sie die beiden Datensätze miteinander verglichen und ermittelt, ob es eine Beziehung zwischen den Meldungen und dem beruflichen Aufstieg der untersuchten Personen gab. Das Ergebnis: Es kommt darauf an. Betrafen die Nachrichten die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens, ging es also um einen Gewinn- und Umsatzeinbruch, einen Stellenabbau oder auch den Weggang eines wichtigen Managers, beeinträchtigte dies die Karriere der Mitarbeiter. Für sie war es schwieriger, im selben Zeitraum einen besseren Job außerhalb des eigenen Unter-nehmens zu finden - und dies galt für Führungskräfte genauso wie für ihre Untergebenen, die Position innerhalb der Hierarchie spielte keine große Rolle. Einzige Ausnahme waren die CEOs, deren Karriereaussichten nach schlechten Nachrichten stärker litten als die der übrigen Manager. Wirtschaftliche Probleme eines Unternehmens färben also, so folgert Hamori, auch auf alle Mitarbeiter - unabhängig von ihrer Position - ab; potenzielle neue Arbeitgeber sehen die Bewerber aus diesen Firmen in solch einer Situation kritischer.

Ganz anders, wenn die schlechten Nachrichten Ethik und Moral eines Unternehmens betrafen. Geriet ein Finanzdienstleister in die Schlagzeilen, weil etwa die Börsenaufsicht ein Verfahren gegen ihn eröffnet hatte oder ein ehemaliger Mitarbeiter ihn wegen Diskriminierung verklagte, so hatte dies keinen Einfluss auf die Karriere der Angestellten dieses Unternehmens. Die neuen Arbeitgeber schienen diese Meldungen nicht zu interessieren. "Unsere Ergebnisse decken sich hier mit aktuellen empirischen Studien, die zeigen, dass ethische Standards keinen signifikanten Einfluss auf die Verweildauer in einer Spitzenposition von US-Firmen oder auf die Gehaltshöhe haben und dass Ethik nur eine geringe Rolle bei den Entscheidungen der Aufsichtsräte spielt", stellt Hamori fest.

Was bedeuten diese Erkenntnisse nun für die Angestellten von Unternehmen, die sich in einer Krise befinden? Die Betroffenen müssen akzeptieren, dass die wirtschaftliche Reputation ihres Arbeitgebers auch ihren eigenen Ruf und ihre Aufstiegschancen beeinflusst. Doch das bedeutet nicht das Ende der Karriere. Hamori rät Jobsuchenden, sich auch außerhalb ihrer bisherigen Branche nach attraktiven Positionen umzusehen. In einem anderen Wirtschaftszweig spielt das Ansehen ihres bisherigen Arbeitgebers womöglich eine geringere Rolle.

Die Betroffenen sollten zudem ihren Lebenslauf überarbeiten; dabei sollten sie stärker ihre Erfahrungen und Fähigkeiten betonen als ihre Positionen im alten Unternehmen. Schließlich kann es unter Umständen sinnvoll sein, eine Auszeit zu nehmen und sich fortzubilden, um einen zeitlichen Abstand zum alten Unter-nehmen zu schaffen und für neue Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden. n

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