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Vorurteile Warum Frauen überqualifiziert sein müssen, um Jobs zu bekommen

Eine Studie zeigt: Recruiter hegen uralte Vorurteile über die Karriereorientierung von weiblichen und männlichen Bewerbern. Frauen müssen mehr Qualifikationen mitbringen, als für eine Stelle erforderlich sind, um negative Vorurteile auszuräumen.
aus Harvard Business manager 2/2023
Weg mit den Uralt-Klischees: Passend qualifizierte Frauen gelten bei Recruitern als zu wenig karriereorientiert

Weg mit den Uralt-Klischees: Passend qualifizierte Frauen gelten bei Recruitern als zu wenig karriereorientiert

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Tara Moore / Getty Images

Viele Personalchefs sind misstrauisch gegenüber Kandidatinnen und Kandidaten mit mehr Berufserfahrung als notwendig. Sie fürchten, dass sie schnell wieder kündigen, sobald sie etwas Besseres gefunden haben. Eine neue Studie zeigt nun, dass Überqualifikation die Chance auf den ausgeschriebenen Posten tatsächlich verringert – allerdings nur bei Männern. Und das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht für Frauen.

Für seine Studie  erfand das Forschungsteam zwei Aspiranten – "Sarah" und "Thomas" –, die sich auf einen Analystenjob bei einer Investmentbank bewarben. Die beiden Profile statteten sie einmal mit genau passenden Qualifikationen aus, einmal mit einer deutlichen Überqualifikation. Dann baten sie erfahrene Recruiter, jeweils eines der vier Profile zu bewerten und zu sagen, mit wie großer Wahrscheinlichkeit sie dieser Person ein Jobangebot machen würden. Der überqualifizierte Thomas erhielt dabei seltener die Stelle als der passend qualifizierte Thomas. Bei Sarah war es genau umgekehrt: Das überqualifizierte Profil erhielt mehr Angebote.

Eine zusätzliche Befragung der Headhunter zeigte, dass sie Frauen und Männern eine sehr unterschiedliche Hingabe zum Unternehmen und zu ihrer eigenen Karriere unterstellten. Egal wie qualifiziert Thomas war – er galt bei den Recruitern als überaus karriereorientiert, und sie fürchteten, dass er bei der nächstbesten Gelegenheit kündigen würde. Sarah dagegen galt nur dann als karriereorientiert, wenn sie deutlich bessere Qualifikationen mitbrachte als notwendig. Manche Personalchefs fürchteten, dass die angemessen qualifizierte Sarah bald wieder auf dem Absprung sein könnte, um mehr Erholung und Zeit für die Familie zu haben. Daher zögerten sie oft, sie einzustellen.

Die von der Studie aufgedeckten Muster seien nicht gerade vorteilhaft für Frauen, schreiben die Forschenden, auch wenn diese dadurch eher an Jobs kämen. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen mehr Qualifikationen mitbringen müssen, als für eine Stelle erforderlich sind, um negative Vorurteile gegenüber ihrem Geschlecht zu überwinden."

Quelle: Elizabeth Lauren Campbell, Oliver Hahl: "He’s Overqualified, She’s Highly Committed: Qualification Signals and Gendered Assumptions About Job Candidate Commitment", Organization Science, November 2022

Ausgabe Februar 2023

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