Antonia Götsch

Lead Forward "Sollten wir unseren Kurs ändern?"

Wenn sich das Umfeld dauernd verändert, taugt eine Prognose mitunter so wenig wie die Verkehrsvorhersage vom Vortag. Führungskräfte müssen daher lernen, anders zu planen.

Ich habe Staus schon immer gehasst. Seit wir mit einem älteren VW-Transporter ohne Klimaanlage in den Camping-Urlaub fahren, ist stehen bleiben ab etwa 30 Grad sogar ein bedrohliches Szenario. Um Ihnen einen Eindruck zu geben: Ich schätze, so fühlt es sich an, wenn man seinen Kopf in einen Toaster hält. Derart erhitzt, geraten sowohl die Sicherheit beim Fahren als auch der Familienfrieden in Gefahr. Von daher schlägt Flexibilität bei der Routenplanung andere Faktoren wie Geschwindigkeit. Ich überlege zum Beispiel, wie viele Ausfahrten es auf einer Strecke gibt. Dann können wir schnell reagieren und abfahren, falls sich irgendwo ein Stau anbahnt.

Die Autoren unserer Titelgeschichte, die Bain-Partner Michael Mankins und Mark Gottfredson, nutzen Routenplanung als eines von vielen Beispielen, wie Managerinnen und Manager in unsicheren Zeiten ihre Strategie anpacken müssen. Die vergangenen Monate haben uns gezeigt, wie kurz die Halbwertszeit einer Strategie sein kann. Das Prinzip "Erst planen, dann umsetzen" funktioniert nicht mehr. Ständig müssen sich Unternehmen und Führungskräfte an neue Krisen und Situationen anpassen. Und wenn sich das Umfeld andauernd verändert, taugt eine Prognose mitunter so wenig wie die Verkehrsvorhersage vom Vortag.

"Strategie basiert auf Einzigartigkeit", schrieb Harvard-­Professor Michael Porter vor Jahrzehnten. Das stimmt nach wie vor. Doch in Krisenzeiten brauchen strategische Modelle zwei weitere Perspektiven: Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

Ein Beispiel: In den meisten Unternehmen zieht das Topmanagement jedes Quartal einen Soll-Ist-Vergleich der Leistung der einzelnen Geschäftsbereiche und identifiziert Abweichungen. Manchmal beschließen die Verantwortlichen, dass eine Performancesteigerung nötig ist. In anderen Fällen passen sie den Plan an die Abweichungen an.

Auf diesem Weg schauen Sie jedoch eher nach hinten oder erhalten bestenfalls eine Art groben Wetterbericht. Die Autoren raten deshalb: Fragen Sie nicht: "Wie war unsere Performance?" sondern: "Sollten wir unseren Kurs ändern?".

Vier weitere Ansätze für Strategie und Planung in Krisenzeiten – und Vorschläge für die entscheidenden Kennzahlen – finden Sie in unserer Titelstory "Strategien für turbulente Zeiten" .

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Ausgabe Oktober 2022

Strategien für turbulente Zeiten

Wie Sie richtig planen – auch wenn Sie nicht wissen, was auf Sie zukommt

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