Ingmar Höhmann

Strategie zum Frühstück Bleiben Sie flexibel!

Wenn Krise auf Krise folgt, sind Pläne schnell wertlos. Was Sie brauchen, sind strategische Werkzeuge, mit denen sie rasch reagieren können.
Illustration: Patrick Mariathasan für Harvard Business Manager

Für die Flugzeugbranche war die Welt lange schwer in Ordnung – sie war planbar. Zwischen 1980 bis 2000 stieg die Zahl der zurückgelegten Flugmeilen jedes Jahr um etwas weniger als 5 Prozent. Investitionen ließen sich einfach bewerten, Hersteller wie Airbus und Boeing expandierten: Die globale Flotte verdreifachte sich – von 5.000 auf knapp 15.000 Maschinen.

Dann kamen die Anschläge vom 11. September, Höchststände beim Ölpreis, die Finanzkrise, der Klimawandel, Corona. Die Welt wurde unplanbar. Die Branche geriet in Turbulenzen.

Das Beispiel stammt aus unserer aktuellen Titelgeschichte: "Strategien für turbulente Zeiten ". Darin beschreiben die Berater Michael Mankins und Mark Gottfredson, mit welchen Werkzeugen Manager Strategien entwickeln können, wenn sie sich auf Prognosen nicht mehr verlassen können.

Sie empfehlen fünf Ansätze:

  1. Mit Szenariotechnik plausible Extremszenarien entwickeln

  2. Risiken absichern und Optionen identifizieren

  3. Erst testen, dann investieren

  4. Triggerpunkte, Wegweiser und Kennzahlen bestimmen

  5. Verbindliche Überwachungsmechanismen etablieren

Die Methoden, die Mankins und Gottfredson beschreiben, bieten Flexibilität: Die Strategie passt sich Veränderungen an und preist Risiken ein.

Plötzlich Gasschwemme

Ein Beispiel: Der US-Energieversorger CMS Energy entwickelte vor einiger Zeit mehrere Extremszenarien, wie Deregulierung, Dekarbonisierung und riesige Gasvorkommen. Dann entschied er sich für Maßnahmen, die in allen Szenarien sinnvoll waren, etwa die Fremdkapitalquote zu verringern und Brennstoffkosten zu senken. Und: Er wollte seine Produktionskapazitäten nicht mehr wie bisher schrittweise ausweiten, sondern vom Gaspreis abhängig machen.

Genau dieser Gaspreis fiel dann 2014 um 67 Prozent - ein Ausmaß, das niemand erwartet hätte. Dank der strategischen Vorarbeit fiel es CMS leichter, nun von Kohle zu Gas wechseln. In den Folgejahren wurde das Unternehmen zu einem den rentabelsten Energieversorgern des Landes.

"In unsicheren Zeiten ist Flexibilität Gold wert", schreiben die Autoren. Managerinnen und Manager sollten Strategieentwicklung deshalb als einen kontinuierlichen Prozess betrachten. "Diejenigen, die ihn einsetzen, werden sich in den nächsten Jahrzehnten einen Vorsprung verschaffen – und diesen auch halten können. Wer hingegen am Prinzip ,Erst planen, dann umsetzen' festhält, könnte unwiderruflich abgehängt werden."

Welches strategische Werkzeug nutzen Sie, um in turbulenten Zeiten flexibel zu bleiben?

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.