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Innovation Wenn Technologie schneller als die Gesellschaft ist

Gründer mit innovativen Ideen treffen im Markt häufig auf fehlende Strukturen. Wer nicht scheitern will, muss ungewöhnliche Wege gehen.
aus Harvard Business manager 12/2018
Foto: Holger Pooten / Emeis Deubel

Drohnen waren ursprünglich eine militärische Entwicklung und wurden in den Vereinigten Staaten erst 2013 auch für die kommerzielle Nutzung zugelassen. Schnell war klar, dass sie vielen Branchen einen enormen Nutzen bringen konnten – und fast ebenso schnell war auch klar, dass ihre Regulierung ein schwieriges Thema werden würde. Die neue Technologie warf Sicherheitsfragen auf, es gab keinen Konsens, wer diese Fragen beantworten und entsprechende Regeln aufstellen sollte, und in vielen Fällen fehlten schlicht das Wissen und die Erfahrung, um solche Regeln überhaupt entwickeln zu können. Zudem waren die kleinen Flugroboter vielen Menschen zunächst nicht ganz geheuer.

Viele neue Produkte und Dienstleistungen treffen auf derartige regulatorische, formale und gesellschaftliche Hürden. Immer wieder ist zu beobachten, dass neue technische Errungenschaften die Gesellschaft überfordern. Das hat auch damit zu tun, dass sich Gründer häufig nicht mit den rechtlichen und gesellschaftlichen Aspekten ihrer Innovationen auseinandersetzen. Obwohl Elektroautos von der US-Regierung subventioniert werden, gerät Tesla mit einzelstaatlichen und lokalen Vorschriften in Konflikt, weil der Konzern seine Fahrzeuge an traditionellen Händlernetzen vorbei direkt an seine Kunden vertreibt. Facebook stößt beim Umgang mit persönlichen Daten erst seit jüngster Zeit auf einen ernst zu nehmenden Widerstand durch Regulierungsbehörden, obwohl das Unternehmen seit Jahren enorm erfolgreich ist und bei Nutzern und Werbekunden erhebliche Mengen Daten sammelt.

Innovationen können für mehr Komfort und Bequemlichkeit sorgen, bedrohen aber auch alte Routinen, eine Branche zu regulieren, ein Unternehmen zu führen oder seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das war schon immer so. Die allerersten Automobile durften nicht schneller fahren als Kutschen, und im 19. Jahrhundert zertrümmerten einige Weber moderne industrielle Webstühle mit dem Vorschlaghammer, weil sie ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sahen. Gesellschaftliche Normen können durch neue Technologie infrage gestellt werden. Denken Sie nur daran, wie Datingportale die Art und Weise verändert haben, wie Menschen sich kennenlernen. Natürlich kann es Unternehmern herzlich egal sein, dass die Probleme, mit denen sie kämpfen, einem historischen Muster folgen. Sie wollen wissen, wie sie die Phase des Übergangs – von der Entstehung einer neuen Technologie bis zur Ausformulierung der Regeln und Verhaltensweisen, die es uns erlauben, ihre neuen Möglichkeiten zu nutzen – am besten managen und, nicht zuletzt, verkürzen können.

Kompakt

Das Problem

Innovationen mit hohem Veränderungspotenzial stoßen immer wieder auf große Widerstände. Sie sind schwer zu regulieren, machen bestehende Geschäftsmodelle obsolet und können sogar gesellschaftliche Normen infrage stellen.

Die Lösung

Unternehmen in Schwellenländern haben mit den gleichen institutionellen Unwägbarkeiten zu kämpfen wie technische Innovatoren. Die erfolgreichsten unter ihnen lernen, selbst die Bedingungen zu schaffen, die sie für ihren Erfolg brauchen. Das bedeutet häufig, gesellschaftliche Fundamente und Einrichtungen zu gründen, die der gesamten Branche nutzen.

Das Beispiel

Die Drohnenindustrie zeigt, wie dieser Prozess bei einer neu aufkommenden Technologie funktionieren kann. Einige Akteure unterstützen staatliche Institutionen darin, sinnvolle Vorschriften zu entwickeln, andere experimentieren mit neuen Einsatzmöglichkeiten und wieder andere erschaffen nicht staatliche Organisationen, die ihre Branche unterstützen.

Interessanterweise habe ich den gleichen institutionellen Frühnebel, der aufkeimende Industriezweige wie Drohnen und selbstfahrende Autos umgibt, bereits in Entwicklungsländern beobachtet. Auch wenn es abwegig klingen mag: Ich bin überzeugt, dass Gründer viel lernen können von Unternehmern, die ihre Ideen in Schwellenländern erfolgreich umgesetzt haben. Unternehmer in Brasilien oder Nigeria wissen nur zu gut, dass sie nicht abwarten müssen, bis die Regierung den institutionellen Rahmen und die Infrastruktur für ihre Geschäftsidee geschaffen hat – es würde schlicht zu lange dauern. Sie müssen selbst Strukturen aufbauen, um das zu kompensieren, was Krishna Palepu und ich in früheren Veröffentlichungen bereits als "institutionelle Lücken" bezeichnet haben. Sie selbst müssen die Bedingungen schaffen, unter denen sie ihre Produkte oder Dienstleistungen erfolgreich anbieten können.

Technologiepioniere in Industrienationen denken vielleicht, dass es nicht ihre Aufgabe sei, Gesetzgeber und Öffentlichkeit die Richtung zu weisen – in Wahrheit aber wird niemand anderes diese Rolle übernehmen können. Sie versuchen es auf die harte Tour, sichern sich einen Vorsprung, indem sie sich über Regeln hinwegsetzen, Regulierungsbehörden beeinflussen oder damit drohen, ins Ausland abzuwandern. Auf lange Sicht aber sind sie erfolgreicher, wenn sie auf Soft Power setzen und mit verschiedenen Partnern gemeinsam daran arbeiten, den sozialen und institutionellen Unterbau zu errichten, auf dem sie aufbauen können – wie viele Unternehmer dies in den Schwellenländern bereits getan haben.

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