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Slack-CEO Stewart Butterfield Auf geht's!

Die Kommunikationsplattform Slack erlebte in Corona-Zeiten einen Boom. Slacks CEO Stewart Butterfield hat daraus einige Lehren abgeleitet, die auch für andere Unternehmen interessant sein können – unabhängig von einer Krise.
von Slack-CEO Stewart Butterfield
aus Harvard Business manager 8/2020
Foto: Winni Wintermeyer / Redux

Bei Slack haben wir schon eine Reihe von Phasen mit enormer Beschleunigung hinter uns. 2014 brachten wir unser Produkt auf den Markt, 2019 gingen wir an die Börse: In nur fünf Jahren entwickelten wir uns zu einem globalen Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern und über 100.000 zahlenden Kunden. Trotz des Wachstums herrscht bei Slack immer noch eine Start-up-Mentalität. Unsere Vision ist eine Welt, in der es Unternehmen unabhängig von ihrer Größe mühelos gelingt, flexibel und agil zu sein. Diese Beweglichkeit streben wir auch für uns selbst an.

Wir sind immer schon schnell gewesen. Aber noch nie haben wir uns so schnell – und mit einem derart klaren Fokus – bewegt wie im vergangenen März. Als das Ausmaß der Corona-Krise immer deutlicher wurde, begriffen wir, dass wir in der nächsten Zeit gleich zwei Herausforderungen zu bewältigen haben würden: erstens eine drastisch steigende Kundennachfrage. Und zweitens den abrupten Übergang zum mobilen Arbeiten  außerhalb des Büros.

In der ersten Märzwoche lief unser Geschäft noch weitgehend wie in den Wochen zuvor. Aufgrund des Ausbruchs in China und aus Angst vor einer Ausbreitung in Asien hatten wir allerdings unsere Büros in Tokio und Osaka vorsorglich geschlossen. Zudem hatten wir die Planung für unsere alljährliche Vertriebsveranstaltung angepasst: Das Event vom 9. bis 13. März mit 800 Teilnehmern sollte nun komplett virtuell stattfinden. Parallel dazu hatten wir eine Richtlinie erarbeitet, mit der wir es unseren Mitarbeitern ermöglichten, auf Wunsch von zu Hause aus zu arbeiten. Darüber hinaus hatten wir Reisebeschränkungen für das gesamte Unternehmen beschlossen.

Uns war aufgefallen, dass in Japan, Südkorea und Italien vermehrt Teams auf die Nutzung von Slack umstellten. In diesen und anderen vom Virus besonders betroffenen Gebieten sorgten wir deshalb für zusätzliche Ressourcen und persönliche Unterstützung, um die Umstellung auf das Homeoffice zu erleichtern. Dazu zählten unter anderem Webinare und Einzelcoachings.

Gleichzeitig lief das normale Geschäft weiter – wir gewannen neue Kunden hinzu, statteten unser Produkt mit neuen Funktionen aus, stellten neue Mitarbeiter ein und vieles mehr. Am Donnerstag, dem 5. März, traf sich der Board of Directors in unserer Zentrale in San Francisco. Es ging darum, die Pläne für das neue Geschäftsjahr einschließlich der Budgets und Prognosen für die unterschiedlichen Unternehmensbereiche zu besprechen. Dazu gehörten Themen wie Neueinstellungen, die Anmietung mehrerer neuer Büros und natürlich die Entwicklung der Geschäftszahlen, die wir in Kürze herausgeben wollten – es sollte sich um unsere erst dritte Gewinnankündigung als börsennotierte Aktiengesellschaft handeln.

Das folgende Beispiel gibt Ihnen einen Eindruck davon, wie anders die Dinge damals noch standen: Cal Henderson, Mitgründer von Slack und unser CTO, war gerade von einer Reise aus Asien zurückgekehrt. Obwohl er nieste und hustete, nahm er an dem Boardmeeting teil. Nur ein Einziger von uns stellte Cals Anwesenheit infrage. Er mahnte zur Vorsicht und meinte, dass wir die gesundheitlichen Risiken nicht ernst genug nähmen. Zu unserem Glück hatte Cal tatsächlich nur eine Erkältung.

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Nur wenige Stunden später wurde klar, wie sehr der Kollege recht gehabt hatte. Wir erfuhren, dass sich einer unserer Mitarbeiter in der San Francisco Bay Area in häuslicher Quarantäne befand: Die US-Seuchenschutzbehörde hatte sich wegen einer möglichen Ansteckung mit dem Virus bei ihm gemeldet. Von jetzt auf gleich trafen wir eine Entscheidung: Wir schlossen die Büros, in denen der Mitarbeiter gearbeitet hatte, und ließen sie am nächsten Tag gründlich desinfizieren.

In der Zwischenzeit verdüsterten sich die Nachrichten aus Europa. Auch von der West- und der Ostküste der USA kamen immer alarmierendere Meldungen. Parallel dazu wurde der Ruf nach allgemeingültigen Mindestabstandsregeln lauter. Am Freitag, also lediglich 24 Stunden nach dem Boardmeeting und unserem ersten Quarantänefall, war klar: Wir mussten auch die restlichen Büros und sämtliche Dependancen in Japan schließen. Insgesamt handelte es sich um 16 Standorte in neun Ländern.

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