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Simon Moroney "Schlaflose Nächte"

Simon Moroney weiß, wie man sich in einer schwierigen Branche behauptet. Seit über 20 Jahren steht er an der Spitze der MorphoSys AG. Mit dem aktuellen Strategiewechsel könnte er das von ihm mitgegründete Biotechunternehmen an seine Grenzen bringen.
aus Harvard Business manager 4/2019
Simon Moroney gründete MorphoSys 1992.

Simon Moroney gründete MorphoSys 1992.

Foto: PR

Harvard Business manager: Herr Moroney, wie haben Sie sich zwei Jahrzehnte an der Spitze eines TecDax-Unternehmens halten können?

Simon Moroney: Auf diese Frage habe ich keine Antwort. Es war jedenfalls nicht geplant. Ein wesentlicher Faktor war sicher die große Geduld, die der Aufsichtsrat mit mir hatte. Aus meiner Sicht habe ich einfach immer weitergemacht, weil ich Spaß an meiner Arbeit hatte. Herausforderungen gab es mehr als genug. Zwischendurch mussten wir einige herbe Rückschläge verkraften, die die Existenz des Unternehmens bedrohten.

Meinen Sie das Platzen der Dotcom-Blase nach Ihrem Börsengang 1999, als die Aktienkurse abstürzten?

Diese Zeit war tatsächlich abenteuerlich für junge Hightechunternehmen. Unsere schwierigste Phase kam jedoch erst ein paar Jahre danach als Spätfolge des Crashs. Im Jahr 2002 hatten wir knapp 100 Mitarbeiter, von denen wir rund ein Drittel entlassen mussten. Das war schrecklich, denn auch die Übriggebliebenen entwickelten Zweifel am Überleben des Unternehmens. Auch nach der Sanierung hatten wir noch ziemlich lange Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. Kaum jemand wollte zu MorphoSys wechseln. Es hat lange gedauert, bis das Vertrauen in unsere Branche wiederhergestellt war.

Profil

Der Manager

Simon Moroney, Jahrgang 1959, studierte in seinem Heimatland Neuseeland Chemie und promovierte als Stipendiat der CommonwealthStiftung in Oxford. Danach arbeitete er an der Harvard Medical School, an der ETH Zürich, der University of British Columbia und beim Biotechunternehmen ImmunoGen. Als Postdoc forschte er in Cambridge, bevor er 1992 in Martinsried bei München mit zwei Partnern MorphoSys gründete. Er leitet das Unternehmen seit 1994 als Geschäftsführer und seit dem Börsengang 1999 als CEO. Im Februar 2019 hat Moroney erklärt, seinen Mitte nächsten Jahres auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Das Unternehmen

MorphoSys gehört heute zu den größten deutschen Biotechfirmen. Das Unternehmen hat über 300 Mitarbeiter, 2018 soll der Umsatz bei 70 Millionen Euro liegen. Eingeplant ist ein Verlust von rund 60 Millionen Euro, weil MorphoSys gut 90 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert und eine eigene Vertriebsorganisation aufbaut. Ursprünglich als Dienstleister gegründet, entwickelt MorphoSys seit etwa zehn Jahren auch selbst Arzneimittel. Grundlage ist die eigene Datenbank mit Bauplänen von Antikörpern, die bisher von großen Partnern gegen Lizenzgebühren vermarktet werden.

Dieser Beitrag erschien in der April-Ausgabe 2019 des Harvard Business managers.

Warum wurde MorphoSys erst Jahre nach dem Crash von der Krise erfasst?

Wir konnten uns zunächst vergleichsweise gut halten, weil wir unsere Technologie, die Pharmaunternehmen Zugriff auf unsere Bibliothek mit Bauplänen menschlicher Antikörper gewährte, schon weit entwickelt hatten. Zudem hatten wir solide Beziehungen zu ersten Kunden aufgebaut. MorphoSys arbeitete damals fast ausschließlich als Dienstleister. Die Umsetzung unseres eigentlichen Ziels, eigene Medikamente zu entwickeln, wurde aber immer schwieriger, da der Zugang zu frischem Kapital durch den Zusammenbruch des Neuen Marktes abgeschnitten war.

Wie haben Sie als CEO diese kritische Phase erlebt?

Die erste Zeit fühlte ich mich wie auf einem Segelboot, das in einen Orkan geraten ist. Wir waren zum Spielball unkontrollierbarer Gewalten geworden und versuchten nur, uns über Wasser zu halten – ohne Sicht, ohne Gefühl für Raum und Zeit. An eine handwerklich saubere Kursbestimmung war nicht zu denken. Nach ein paar Monaten schlugen die Wellen nicht mehr jeden Tag über uns zusammen, doch eine nachhaltige Verbesserung unserer Cashsituation war nicht absehbar. Niemand glaubte mehr an die Zukunft medizinischer Biotechnologie, zumindest nicht an kleine Unternehmen wie uns – weder die Börse noch potenzielle Partner in der Pharmabranche noch die Öffentlichkeit.

Was haben Sie in der Situation dann gemacht?

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