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Sustainability Nachhaltigkeit profitabel machen

Westliche Unternehmen geben viel Geld für die Beseitigung von Umweltschäden aus. Besser ist es, von Anfang an nachhaltig zu arbeiten. Erfolgreiche Firmen aus Schwellenländern zeigen den entwickelten Industrieländern, wie das geht.
aus Harvard Business manager 5/2013

Illustration: Patrick Mariathasan für Harvard Business Manager

Als Ibrahim Abouleish seinen Landwirtschaftsbetrieb Sekem gründete, war er noch ein einsamer Pionier. Damals, es war 1977, gab es in Kairo kein einziges weiteres Unternehmen, das sich dem biologisch-dynamischen Anbau verschrieben hatte. Die Produkte galten als Luxus, ihr Absatzmarkt war verschwindend klein. Doch seine jahrelange Arbeit sollte sich auszahlen: Als Abouleish 1990 in die biologische Baumwollproduktion einstieg, fanden sich Bioprodukte bereits in den Supermärkten der westlichen Welt. Und die Nachfrage stieg und stieg.

Nicht nur der wachsende Bedarf, sondern auch andere Gründe sprachen für die Biolandwirtschaft. Mit seinen Anbaumethoden gelang es Sekem, der Sahara wieder mehr Ackerland abzutrotzen, nachdem sich die Wüste bereits bis ins Nil-Delta ausgebreitet hatte. Der Boden konnte wieder mehr Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen, die Treibhausgasbelastung ging zurück, und die Baumwollpflanzen brauchten 20 bis 40 Prozent weniger Wasser.

Und damit nicht genug: Der biologische Anbau senkte die Kosten, erhöhte die durchschnittliche Rendite um nahezu 30 Prozent und führte zu einer Baumwolle, die viel elastischer war als die herkömmliche Qualität. Sekem betreibt keinen teuren Luxus, sondern verfolgt ein ökologisch wie ökonomisch tragfähiges Geschäftsmodell, mit dem das Unternehmen in den vergangenen Jahren ein solides Umsatzwachstum erzielte: Von 2006 bis zu den Unruhen im arabischen Frühling 2011 lag die jährliche Steigerungsrate im Schnitt bei 14 Prozent. Heute zählt Sekem zu Ägyptens größten Herstellern von Lebensmitteln aus ökologischem Anbau.

Schwellenländer werden häufig als Nachzügler der Ökobewegung dargestellt - mehr auf die Bekämpfung der Armut als auf den Umweltschutz fokussiert. Das stimmt insofern, als Aufsichtsbehörden in Schwellenländern oft keine starke Stellung haben. Sie schrecken davor zurück, ihre gerade erst liberalisierten Märkte gleich wieder mit Auflagen zu drangsalieren, oder sie wehren sich gegen den Druck der Industrieländer. Doch Unternehmen wie Sekem zeigen, dass die entwickelten Länder kein Monopol auf Visionäre haben. Im Gegenteil: Gerade in Märkten mit besonders knappen Ressourcen entwickeln sich die Nachhaltigkeitsbemühungen der Unternehmen zu einem wahren Quell von Innovationen.

Kompakt

Knappe Ressourcen
Schwellenländer gelten oft als Nachzügler der Öko-Bewegung. Das gängige Vorurteil lautet: Im Kampf gegen die Armut könnten sich ihre Unternehmen den Luxus umweltgerechter Produktionsmethoden nicht leisten. Dabei zeigen viele Beispiele, dass gerade junge Unternehmen in rohstoffarmen Gebieten das Thema Nachhaltigkeit schon im eigenen Interesse ernst nehmen: Der sorgsame Umgang mit den Ressourcen ist für sie wirtschaftlich überlebenswichtig.

Hohe Gewinne
Mit innovativen Ideen und Geschäftsmodellen beweisen diese Firmen, dass Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg kein Gegensatz sind. Es sind vor allem drei Rezepte, mit denen sie Wachstum schaffen: Sie haben den Mut zu Investitionen in nachhaltige Produktionsmethoden, sie setzen Kapital durch intelligente und kostengünstige Verbesserungen frei, und sie beziehen gezielt Kunden und Lieferanten in ihre Nachhaltigkeitsbemühungen ein. Diese Strategien können auch für Unternehmen in westlichen Industrienationen Vorbild sein.

Das haben wir auch 2010 wieder festgestellt, als wir von der Boston Consulting Group und dem Weltwirtschaftsforum uns in Entwicklungsländern auf die Suche nach den Unternehmen mit den effektivsten Nachhaltigkeitsinitiativen gemacht haben. Im Rahmen der Untersuchung sprachen wir mit knapp 200 Managern und sahen uns mehr als 1000 Firmen mit einem Wert von 25 Millionen bis 5 Milliarden US-Dollar an, die eine breite Palette an Märkten und Branchen abdeckten. Daraus wählten wir mehr als ein Dutzend Champions aus, deren Nachhaltigkeitsaktivitäten sich als besonders effektiv und innovativ erwiesen hatten.

Gefunden haben wir diese Unternehmen in Lateinamerika, Afrika, Asien, im Nahen Osten und im Südpazifik. Einige sind von Pragmatismus getrieben, andere von Idealismus. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie erzielen mit ihren Umweltschutzbemühungen überdurchschnittliche Wachstumsraten und Gewinnmargen (siehe auch Kasten "Vier Vorbilder im Überblick") .

Hinter dem finanziellen Erfolg steckt mindestens eines von drei Erfolgsrezepten: Viele verfolgen ähnlich wie Sekem eine langfristige Perspektive - sie starteten mit großen Investitionen in nachhaltige Produktionsmethoden, die zunächst teurer waren, letztlich aber zu erheblich niedrigeren Kosten und höheren Renditen führten. Andere wählten eine Variante ohne große Anfangsinvestition. Sie sparten durch kleine Änderungen an den bestehenden Prozessen erst einmal Kosten ein und investierten die dadurch freigesetzten Mittel anschließend in noch effizientere Produktionstechnik. Und wieder andere haben ihre Nachhaltigkeitsbemühungen auch auf Kunden und Lieferanten ausgedehnt. Dabei entwickelten sie neue Geschäftsmodelle, die die Konkurrenz nur schwer nachahmen kann.

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All diese Unternehmen zeigen eindrucksvoll, dass Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg keine konkurrierenden Ziele sind. Im Gegenteil: Unternehmen, die sich begrenzten Ressourcen und geringer Kaufkraft ihrer Kunden gegenübersehen, können durch nachhaltige Ansätze ihr gesamtes Geschäft neu aufstellen.

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