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Klassiker Führung neu definieren

Als Managementvordenker Henry Mintzberg 2009 diesen Artikel veröffentlichte, beherrschte die Weltfinanzkrise die Schlagzeilen. Seine Thesen wirken heute aktueller denn je. Der zerbröckelnden Weltordnung setzte Mintzberg seine Idee des Unternehmens als Gemeinschaft entgegen. Der Topmanager als abgehobener Anführer habe nun endgültig ausgedient.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2021
In ihrer Fotoserie Freundschaft hinterfragen Tobias Kruse und Jörg Brüggemann, was menschliche Verbindungen auszeichnet, die weder familiär noch romantisch sind. Die beiden Fotografen, die selbst miteinander befreundet sind, machten die Bilder auf einer gemeinsamen Reise nach Malaysia.

In ihrer Fotoserie Freundschaft hinterfragen Tobias Kruse und Jörg Brüggemann, was menschliche Verbindungen auszeichnet, die weder familiär noch romantisch sind. Die beiden Fotografen, die selbst miteinander befreundet sind, machten die Bilder auf einer gemeinsamen Reise nach Malaysia.

Foto: Tobias Kruse & Jörg Brüggemann

Hinter der aktuellen Wirtschaftskrise (Anmerkung: Der Autor bezieht sich auf die Krise 2009) verbirgt sich eine weitere Krise von noch größerem Ausmaß: der Verlust des Gemeinsinns in Unternehmen. Immer seltener fühlen sich die Mitarbeiter etwas Größerem zugehörig und setzen sich dafür ein.

Durch ein Management, das insbesondere in den Vereinigten Staaten jahrzehntelang auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet war, wurde der Position des CEOs ein übertrieben hoher Stellenwert zugewiesen, während andere Beschäftigte im Unternehmen zu austauschbaren Figuren herabgewürdigt wurden – zu Humanressourcen, die jederzeit bei Einbruch des Aktienkurses "abgebaut" werden konnten.

Die Folge dieser Einstellung waren unüberlegte, leichtfertige Verhaltensweisen, die letztlich die Weltwirtschaft zu Fall brachten. Doch nun ist es mit staatlichen Konjunkturprogrammen und der Rettung der größten und am härtesten betroffenen Konzerne allein nicht getan. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter wieder für sich einnehmen. Sowohl in der Unternehmens- als auch in der Personalführung ist ein Umdenken erforderlich.

Das Subprime-Hypothekenproblem ist hierfür das beste Beispiel. Wie konnte es überhaupt erst entstehen? Und weshalb konnte es auf so viele erstklassige Finanzinstitute übergreifen? Die Antworten scheinen auf der Hand zu liegen. Jene, die diese Hypotheken anpriesen, wollten dadurch möglichst schnell die Umsätze in die Höhe treiben, um selbst möglichst hohe Prämien zu kassieren – ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Die Finanzinstitute, die die Hypotheken erwarben, unterstanden keinem vernünftigen Management. Viele ihrer Manager hatten sich einen in den USA weitverbreiteten Führungsstil angeeignet: Sie saßen in ihren Büros und verkündeten die Ziele, die andere in ihrem Namen erreichen sollten, anstatt selbst aktiv zu werden und zur Verbesserung der Unternehmensleistung beizutragen. Die Manager wussten nicht, was vor sich ging, die Mitarbeiter kümmerten sich nicht darum. Welch ein grandioses Versagen des Managements.

Dieses Versagen war überall in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Sektor zu beobachten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Heute herrscht vielerorts die Überzeugung vor, dass Führung im Sinne von Leadership nicht nur losgelöst von Management zu betrachten sei, sondern dass sie auch etwas Höheres sei als Management. Diese Sichtweise hat jedoch lediglich zur Folge, dass Menschen in Führungspositionen isoliert werden, wodurch wiederum der Gemeinsinn im Unternehmen untergraben wird.

Kompakt

Das Problem
Viele Unternehmen scheinen nur aus Individuen ohne einen Sinn für Gemeinschaft zu bestehen. Dahinter steckt ein überzogener Individualismus, der auch im Management seine Spuren hinterlässt und Führungskräfte von ihren Mitarbeitern isoliert. Dabei brauchen Menschen und Unternehmen, für die sie arbeiten, ein sinnstiftendes Sozialgefüge.

Die Lösung
Um Unternehmen zu Gemeinschaften umzubauen, müssen Führungskräfte ihre Rolle überdenken. Unabhängig von ihrer Position in der Hierarchie sollten sie sich als Wegbereiter für Veränderungen verstehen, die andere dann vorantreiben. Vor allem aber sollten sie Mitarbeiter nicht als beliebig austauschbare Humanressourcen betrachten.

Gemeinschaften in Aktion

Individualismus ist eine schöne Idee. Er schafft Anreize, fördert Führung und ermutigt zur Weiterentwicklung – allerdings nicht ohne das Zutun weiterer Faktoren. Wir sind soziale Wesen, die sich ohne ein übergeordnetes Sozialgefüge nicht effektiv entfalten können. Das ist mit Gemeinschaft gemeint: der soziale Kitt, der uns zum Wohle des großen Ganzen zusammenhält.

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