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Lieferantennetzwerke Kettenreaktion

Unternehmen betreiben enormen Aufwand, um ihre Lieferantennetzwerke zu optimieren und nachhaltig zu gestalten. Vielfach übersehen sie dabei jedoch die entscheidenden Gefahren. Die gute Nachricht: Die meisten Stolperfallen lassen sich mit gezielten Maßnahmen aus dem Weg räumen.
aus Harvard Business manager 3/2021
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REUTERS

Seit einigen Jahren verpflichten sich immer mehr multinationale Unternehmen, nur noch mit Zulieferern zu arbeiten, die sich an festgelegte Sozial- und Umweltstandards halten. In der Regel erwarten sie, dass ihre Lieferanten diese Standards nicht nur selbst berücksichtigen, sondern auch dafür sorgen, dass ihre eigenen Zulieferer diese Standards umsetzen. Auf diese Weise sollen sich nachhaltige Praktiken kaskadenartig durch die gesamte Lieferkette ziehen – oder, wie wir lieber sagen, durchs Lieferantennetzwerk.

Das ist ein lobenswertes Ziel. Leider zeigt die Praxis, dass es nur schwer zu erreichen ist. Viele Unternehmen, die sich redlich mühten, die selbst auferlegten Standards einzuhalten, waren trotzdem in Skandale verwickelt. Zum Verhängnis wurden ihnen Lieferanten, die sich nicht an die vereinbarten Nachhaltigkeitsstandards hielten. Denken Sie etwa an die harsche Kritik, die sich die Hardwarehersteller Apple , Dell und HP gefallen lassen mussten: Sie hatten Elektronikkomponenten von Herstellern im Ausland bezogen, bei denen Arbeitsschutz buchstäblich ein Fremdwort war. Nike und Adidas  wurden öffentlich an den Pranger gestellt, weil ihre Lieferanten in China  hochgiftige Substanzen in Flüsse geleitet hatten.

Sämtliche dieser Skandale wurden durch das Verhalten direkter Zulieferer ausgelöst. Das ist bemerkenswert. Weiter unten in der Lieferkette sieht es in puncto Nachhaltigkeit oft noch viel schlimmer aus. Wir stellen in diesem Beitrag Ansätze vor, mit denen multinationale Unternehmen die enormen finanziellen, sozialen und ökologischen Risiken entschärfen können.

Kompakt

Das Problem
Viele multinationale Unternehmen haben sich verpflichtet, nur noch mit Zulieferern zusammenzuarbeiten, die soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Doch eine Mehrheit der Lieferanten hält sich nicht an die Vorgaben – aus vielerlei Gründen. So entsteht ein unberechenbares Risiko für die Abnehmer.

Die Lösung
Best-Practice-Beispiele zeigen, welche Schritte helfen: langfristige Nachhaltigkeitsziele zu formulieren und dafür zu sorgen, dass sie im Kontakt mit Externen überall im Unternehmen berücksichtigt werden. Zudem sollten Konzerne neben ihren direkten Lieferanten auch die indirekten Zulieferer konsequent in ihre Nachhaltigkeitsstrategie einbinden. Beispielsweise durch Austausch, Audits und Schulungen.

Wo die Probleme liegen

Um die Ausgangslage zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln, haben wir im Rahmen einer Studie drei Lieferantennetzwerke untersucht. Jedes gehört zu einem multinationalen Unternehmen, das in Sachen Nachhaltigkeit als führend gilt. Die Branchen, denen die analysierten Konzerne angehören, sind dabei sehr unterschiedlich: Einer ist Teil der Automobilindustrie, der zweite gehört zur Elektronikbranche, der dritte kommt aus dem Bereich Pharmazie und Konsumprodukte. (Näheres zu unseren Auswahlkriterien lesen Sie im Kasten "Über die Studie"). Für jedes dieser drei multinationalen Unternehmen haben wir eine repräsentative Gruppe von Lieferanten unter die Lupe genommen. Insgesamt untersuchten wir 9 direkte Zulieferer und 22 indirekte Lieferanten aus Mexiko, China, Taiwan und den USA . Wie wir im Rahmen unserer Studie feststellten, verstießen gleich mehrere von ihnen gegen die Standards, deren Einhaltung ihre Abnehmer eigentlich von ihnen erwarteten. Der erhoffte Kaskadeneffekt blieb in den allermeisten Fällen aus.

Probleme und Verstöße fanden wir in sämtlichen Ländern, in denen wir unterwegs waren. In Mexiko untersuchten wir fünf indirekte Zulieferer. Keines der Unternehmen verfügte über Managementsysteme, die sich mit Umweltthemen befassten. Vier hatten keine Vorkehrungen getroffen, um sexuelle Belästigung oder Übergriffe durch Vorgesetzte zu verhindern. Auch die Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz waren unzureichend. Bei drei der Unternehmen bestand die Belegschaft zu beinahe 50 Prozent aus Zeitarbeitskräften. Die Fluktuation lag zum Teil bei 100 Prozent. Es überrascht nicht, dass es unter diesen Bedingungen kaum möglich war, tragfähige Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsprogramme einzuführen und umzusetzen.

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