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Kapitalismusdebatte Das Ende der AG

Börsennotierte Gesellschaften haben sich überholt. Wir brauchen eine wirklich langfristig ausgerichtete Unternehmensform.
Ein Plädoyer von Roger L. Martin
aus Harvard Business manager 5/2021
Die Fotos stammen aus der Serie "Metropolis: North American Collection I" von Andrea B. Stone. Sie zeigen Spiegelungen an Gebäudefassaden – verzerrt durch Licht, Glas, Stahl und Stein.

Die Fotos stammen aus der Serie "Metropolis: North American Collection I" von Andrea B. Stone. Sie zeigen Spiegelungen an Gebäudefassaden – verzerrt durch Licht, Glas, Stahl und Stein.

Foto: ANDREA STONE

Angestellte Topmanager, viele Anteilseigner, börsennotiert – so sehen seit 100 Jahren die meisten Großunternehmen aus, besonders in den USA. Nach der Weltwirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts begann dieses Modell seinen Siegeszug, denn es verschaffte Produktionsbetrieben Zugang zum Kapital privater Investoren. In den 60er Jahren hielten diese schon mehr als 80 Prozent der Aktien amerikanischer Unternehmen. Jeder schien etwas davon zu haben: Die Managerinnen und Manager konnten sich auf langfristiges Wachstum und Rentabilität konzentrieren, was wiederum auch den vielen Menschen nutzte, die an den Unternehmen beteiligt waren.

In den vergangenen 40 Jahren hat der gute Ruf der börsennotierten Kapitalgesellschaft jedoch Schaden genommen. Kritiker sagen, aufgrund des deutlich aktiveren Handels an den Kapitalmärkten führe diese Unternehmensform heute dazu, dass Managerinnen und Manager nur noch in sehr kurzen Zeitspannen planen. Mit einem Auge schielten sie gierig auf ihre aktienbasierte Vergütung, während das andere ängstlich Hedgefondsaktivisten im Blick behielte.

Ob das stimmt, sei dahingestellt, aber dass etwas schiefläuft, ist klar: Die Zahl der börsennotierten Unternehmen in den USA hat sich von 1997 bis 2015 halbiert. Im Gegenzug hat im Index S&P 1500 die Zahl der Unternehmen, die von einem einzelnen Anteilseigner oder einer Gruppe von Anteilseignern beherrscht werden, zugenommen – von 2002 bis 2012 um 31 Prozent. Die Zahl der Unternehmen mit Mehrstimmrechtsaktien im S&P 500 ist von 2007 bis 2017 um 140 Prozent gestiegen.

Ich beschreibe in diesem Beitrag den Abstieg der börsennotierten Aktiengesellschaft, erkläre, warum dieses Modell den Bedürfnissen der wichtigsten Stakeholder nicht mehr gerecht wird, und stelle ein neues Modell vor, das die börsennotierte AG als dominante Unternehmensform ablösen könnte.

Kompakt

Das Problem
Die börsennotierte Aktiengesellschaft erfüllt ihren Zweck nicht mehr. Als Unternehmensform ist sie bei Weitem nicht mehr so beliebt wie früher. Das hat Gründe. Bei den heutigen Kapitalmärkten führt das Modell dazu, dass Unternehmenslenker in winzig kleinen Zeitfenstern denken – und den langfristigen Erfolg außer Acht lassen. Damit erfüllen sie das zentrale Bedürfnis der wichtigsten Stakeholder nicht mehr: erstens derjenigen, die fürs Alter vorsorgen wollen. Und zweitens der Wissensarbeiter, die heute für Wertschöpfung sorgen.

Die Lösung
Eigentümer von Unternehmen sollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein – über ein Beteiligungsprogramm, ESOP genannt, sowie ein oder mehrere Pensionsfonds. Dann würden sich sowohl die Führung als auch die Aufsicht von Unternehmen auf langfristigen Erfolg statt auf kurzfristige Aktienkursschwankungen konzentrieren.

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