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Partnerschaften Joint Ventures in Krisenzeiten

Sie müssen Kosten senken, brauchen frisches Kapital oder wollen ohne große Investitionen wachsen? Dann sollten Sie prüfen, welche strategischen Partnerschaften Ihr Unternehmen eingehen kann.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2021
In ihrer Fotoserie Freundschaft hinterfragen Tobias Kruse und Jörg Brüggemann, was menschliche Verbindungen auszeichnet, die weder familiär noch romantisch sind. Die beiden Fotografen, die selbst miteinander befreundet sind, machten die Bilder auf einer gemeinsamen Reise nach Malaysia.

In ihrer Fotoserie Freundschaft hinterfragen Tobias Kruse und Jörg Brüggemann, was menschliche Verbindungen auszeichnet, die weder familiär noch romantisch sind. Die beiden Fotografen, die selbst miteinander befreundet sind, machten die Bilder auf einer gemeinsamen Reise nach Malaysia.

Foto: Tobias Kruse & Jörg Brüggemann

Unternehmen müssen derzeit alles daransetzen, die Folgen des wirtschaftlichen Abschwungs abzufedern und gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Dazu gehört es, betriebliche Prozesse zu überdenken, Ressourcen neu zu verteilen und Geschäftsmodelle zu verändern.

Joint Ventures und Partnerschaften kommt dabei in vielen Unternehmen eine wichtige Bedeutung zu – um in der Krise die Kosten zu teilen und den Kapitalbedarf zu senken, aber auch um sich für neues Wachstum zu rüsten, sobald sich die Konjunktur erholt. Branchen, die derzeit besonders unter Druck stehen, wie die Automobilindustrie, der Einzelhandel und die vorgelagerte Öl- und Gasproduktion, setzen schon lange auf Gemeinschaftsunternehmen. GM und Volkswagen  etwa betreiben jeweils mehrere Dutzend dieser Kooperationen, und bei den größten internationalen Öl- und Gasunternehmen machen Joint Ventures fast 80 Prozent der vorgelagerten Produktion aus.

Auch beim Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien spielen Gemeinschaftsunternehmen eine entscheidende Rolle: Mehr als die Hälfte der größten Offshore-Windkraft- und Solaranlagen sind als Joint Ventures organisiert. Für Energieunternehmen wie Royal Dutch Shell, BP , Total und Equinor sind diese Investitionen die ideale Möglichkeit, um Risiken gemeinsam zu tragen, Know-how aufzubauen und ehrgeizige Ziele zur Vermeidung von Treibhausgasen zu erreichen.

Kompakt

Die Situation
In Krisenzeiten gewinnen Joint Ventures und strategische Partnerschaften an Bedeutung. Sie helfen Unternehmen, die Folgen des Abschwungs abzufedern und sich für zukünftiges Wachstum aufzustellen.

Der Hintergrund
Am häufigsten findet man Joint Ventures und Partnerschaften derzeit in Branchen, die die Krise besonders hart getroffen hat, etwa Energie und Gesundheitswesen, sowie in innovativen Sektoren wie Life Sciences und Technologie. Gemeinschaftsunternehmen und Minderheitsbeteiligungen erzielen derzeit bessere Ergebnisse als 100-prozentige Tochterunternehmen und Übernahmen.

Die Vorteile
Indem Unternehmen bestehende Kooperationen stärken und neue Partnerschaften eingehen, können sie nicht nur ihre Liquidität erhöhen, den Kapitaleinsatz reduzieren und Betriebskosten einsparen, sondern vor allem mit geringem Investitionsaufwand neue Geschäftschancen verfolgen.

Im Gesundheitswesen und in der Life-Science-Branche sind Gemeinschaftsunternehmen und Partnerschaften der Schlüssel zu Innovation: Mehr als zwei Drittel der neuen Krankenversicherungsprodukte in den Vereinigten Staaten sind das Ergebnis von Co-Branding oder Joint Ventures. Life-Science-Unternehmen nutzen diese Formen der Zusammenarbeit, um schneller am Markt zu sein und ihre lebensrettenden Produkte möglichst breit anbieten zu können. Erst im März 2020 gaben Pfizer und BioNTech  bekannt, dass sie gemeinsam einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickeln wollen. Ähnliches kündigten Sanofi und GSK sowie Hoth Therapeutics, Voltron Therapeutics und das Massachusetts General Hospital an, das größte Lehrkrankenhaus der Harvard University.

Joint Ventures sind mittlerweile für einen beachtlichen Teil der Unternehmensgewinne verantwortlich. 2019 erzielten Airbus , der Chemiekonzern Celanese, der Energiekonzern Engie, Vodafone und Volkswagen mehr als 20 Prozent ihrer Einnahmen über Joint Ventures mit Minderheitsbeteiligung. Bei Coca-Cola , GM und vielen anderen Unternehmen waren es immerhin mehr als 10 Prozent.

Zusammenarbeit

Die Mehrheit aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weltweit erledigt den größten Teil ihrer Tätigkeit in Teams. Dabei kann Großes entstehen oder es scheitert an den kleinsten Dingen. Gutes Teamwork ist kein Selbstzweck, sondern ein fragiles Konstrukt, um das man sich kümmern muss.

Wir haben alles Wichtige für Sie zu diesem Thema zusammengestellt.

Zur Themenseite "Zusammenarbeit"

Auch in Zukunft werden diese und andere Kooperationsformen eine wichtige Rolle spielen und in einigen Branchen und Regionen womöglich sogar noch an Bedeutung gewinnen. Vor Kurzem haben wir Daten zu Joint Ventures aus den letzten 35 Jahren analysiert. Dabei stellten wir fest, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht automatisch mehr Joint Ventures aufgelöst werden als sonst – ihre Zahl steigt häufig sogar noch an (siehe Grafik "Beendete Joint Ventures"). Das kann zum einen daran liegen, dass die Partner Zeit brauchen, um sich über eine Neustrukturierung oder einen Exit zu verständigen, und zum anderen daran, dass das Management bei Kosteneinsparungen zuerst die eigenen Unternehmen in den Blick nimmt.

Darüber hinaus ist die Kapitalrendite von Joint Ventures in jüngster Zeit gestiegen; sie liegt sogar über derjenigen von 100-prozentigen Tochtergesellschaften derselben Branche (siehe Grafik "Durchschnittliche jährliche Wachtumsrate"). Für die aktuelle Krise bedeutet das: Die Zahl der beendeten Kooperationen wird wahrscheinlich noch niedriger sein. Unsere Daten legen jedoch noch etwas anderes nahe: Die Zahl neuer Joint Ventures und Partnerschaften nimmt in Rezessionen tendenziell zu und steigt noch einmal deutlich, sobald sich die Konjunktur erholt. Der Grund: Diese Kooperationen helfen Unternehmen schneller auf die Beine als ein organisches Wachstum, und sie bergen weniger Risiken als Fusionen und Übernahmen.

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In diesem Artikel beleuchten wir, wie Unternehmen in der aktuellen Krise ihre bestehenden Partnerschaften stärken können, indem sie die Liquidität erhöhen, Betriebskosten senken, Investitionen zurückfahren, Risiken managen und Prozesse umstrukturieren. Das sind zwar im Großen und Ganzen Standardmaßnahmen, doch auch sie erfordern Konzentration und Ausdauer. Selbst in guten Zeiten lassen sich Joint Ventures nicht so einfach umstrukturieren. Häufig verfolgen die Partner unterschiedliche Ziele, Prozesse sind stark reguliert, und Veränderungen kommen nur langsam voran. Da kann eine Krise ein wahrer Beschleuniger sein.

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