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Detlef Lohmann über selbstständige Teams Der Überzeugungstäter

Detlef Lohmann baute seine Firma Allsafe komplett um. Seither bestimmen seine Mitarbeiter weitgehend selbstständig, was im Tagesgeschäft passiert. Ihr Chef greift nur noch in Notfällen ein. Ein Lernprozess für alle – aber auch ein Erfolgsmodell.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2021
Detlef Lohmann, Allsafe

Detlef Lohmann, Allsafe

Foto: TANJA KERNWEISS / DER SPIEGEL

Bei Allsafe haben wir schon vor etlichen Jahren sämtliche Abteilungen aufgelöst. Stattdessen arbeiten wir in einer reinen Prozessorganisation. Ich bin mir sicher, dass dies einen großen Teil unseres Erfolgs ausmacht.

Allsafe stellt Ladegutsicherungssysteme für Transportgüter her. Unsere gute Marktposition verdanken wir unserer Fähigkeit, schnell und gezielt auf die Bedürfnisse unserer Kunden zu reagieren. Auch wenn es darum geht, Innovationen zu entwickeln, hilft es ungemein, dass wir nicht mehr in Silos aufgestellt sind. Wir haben keine Schnittstellen mehr, an denen es zu Reibungsverlusten und Verzögerungen kommt. Die Zusammenarbeit über das gesamte Unternehmen hinweg klappt einfach viel besser.

Profil

Der Manager
Detlef Lohmann beteiligte sich 1999 mit gut 25 Prozent an der damaligen Ancra Jungfalk, einer Spezialfirma, die Ladegutsicherungssysteme herstellt. Zuvor hatte der Diplomingenieur bei Daimler und in der Automobilzuliefererindustrie gearbeitet. Über den Umbau seines Unternehmens und seine Führungsphilosophie hat Lohmann zwei Bücher veröffentlicht: "... und mittags geh ich heim", das 2012 erschien, sowie "... und heute leg ich los", das er 2016 mit seinem Bruder Ulrich schrieb.

Das Unternehmen
Allsafe ist ein Spezialist für Sicherheitslösungen beim Transport. Das Unternehmen stellt beispielsweise Schienen, Gurte und Netze her, die in Lkw oder Flugzeugen dafür sorgen, dass die Ladung nicht verrutscht. Allsafe hat seinen Sitz in Engen am Bodensee, beschäftigt 265 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 rund 68 Millionen Euro Umsatz. Im Sommer 2019 eröffnete das Unternehmen in Fürstenwalde in der Nähe von Berlin sein zweites Werk. Allsafe wurde bereits mehrfach als Toparbeitgeber im Mittelstand ausgezeichnet.

Bis wir so weit waren, war es allerdings ein langer Weg. Die Umstellung von einer klassischen Unternehmensstruktur hin zu einer prozessgetriebenen Organisation funktioniert nicht von heute auf morgen. Dazu braucht es Geduld und eine Menge Überzeugungsarbeit. Eine solche Veränderung bedeutet für jeden Einzelnen im Unternehmen einen großen Schritt. Vieles, was früher Abteilungsleiter oder Vorgesetzte festgelegt haben, entscheiden heute unsere mittlerweile 265 Mitarbeiter selbst. Dieser Freiraum bedeutet aber auch mehr Eigenverantwortung und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das musste mancher noch ein bisschen üben.

Angefangen haben wir mit diesem Umbau 2006. Damals kamen der Produktions- und der Vertriebsleiter auf mich zu, weil sie das Gefühl hatten, ihre Abteilungen könnten besser zusammenarbeiten. Unsere Abläufe sahen nicht anders aus als in den meisten anderen Unternehmen auch. Der Vertrieb fragte: Zu welchem Termin können wir dem Kunden die Ware versprechen? Die Produktionsplanung fragte dann bei der Beschaffung nach, ob ausreichend Material vorhanden war, prüfte, welche Aufträge noch abzuarbeiten waren, und etliches mehr. Das führte dazu, dass der Kunde häufig tagelang warten musste, bis er seine Auftragsbestätigung erhielt.

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Die Kunden waren aber oft auf eine erheblich raschere Rückmeldung angewiesen und wollten ihre Lieferungen auch schneller erhalten. Unsere Vertriebs- und Produktionsleiter schauten sich daraufhin unsere Abläufe an und stellten fest, dass die Abstimmungsschleifen unheimlich viel Zeit kosteten. Neben einem morgendlichen Meeting gab es noch zig E-Mails und Telefonate, um Fragen zu klären. Das haben wir vereinfacht, indem wir die Mitarbeiter aus der Produktionsplanung und der Materialbeschaffung in den Räumen des Vertriebs unterbrachten. Da saßen dann Einkäufer, Produktionsplaner und Verkäufer an einem Tisch und konnten sich direkt austauschen. Dadurch ist der Prozess, der vorher durch etliche Schnittstellen unter- brochen war, in einen Fluss gekommen.

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