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Wie der Curevac-Gründer Bill Gates und Elon Musk überzeugte "Bill Gates war unser schwierigster Verhandlungspartner"

Bill Gates empfing ihn im Heizungskeller, Elon Musk gewährte 30 Minuten: Ingmar Hoerr konnte für seinen Covid-19-Impfstoff prominente Investoren gewinnen. Im Interview spricht er über 20 Jahre Entwicklungsabenteuer und wie er sich nach einer Hirnblutung zurückkämpft.
Das Interview führte Michael O. R. Kröher
aus Harvard Business manager 4/2021
Das Geschäftsmodell von Curevac basiert auf seiner Doktorarbeit: Gründer Ingmar Hoerr.

Das Geschäftsmodell von Curevac basiert auf seiner Doktorarbeit: Gründer Ingmar Hoerr.

Foto: SEBASTIAN BERGER FÜR HARVARD BUSINESS MANAGER

Harvard Business manager: Herr Hoerr, am 10. März des vergangenen Jahres wurden Sie, Mitgründer und Aufsichtsratschef von Curevac, wieder zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Am 12. März verhandelten Sie im Bundeskanzleramt über die Förderung des von Ihnen entwickelten Impfstoffs gegen Covid-19. Am Morgen des 13. März erlitten Sie in Ihrem Berliner Hotelzimmer eine schwere Hirnblutung, die Sie sofort bewusstlos werden ließ. Was erinnern Sie aus dieser Zeit?

Ingmar Hoerr: An die Gespräche im Kanzleramt und an andere Ereignisse in den Tagen vor meinen Zusammenbruch erinnere ich mich nicht mehr. Ebenso wenig an die Wochen im künstlichen Koma nach der Notoperation. Ich wurde nur gerettet, weil meine Assistentin in der Tübinger Unternehmenszentrale, mit der ich an jenem schicksalhaften Freitag, dem 13., gerade telefonierte und textete, irritiert war durch das Ausbleiben meiner Antwort. Sie hat die Rezeption meines Hotels alarmiert. Dort hat man umgehend reagiert, mich in meinem Zimmer aufgefunden und per Notarztwagen in die Universitätsklinik Charité gebracht. Ich wurde sofort operiert. Ohne dieses Zusammenspiel glücklicher Umstände hätte ich nicht überlebt oder wäre zumindest nicht mehr ich selbst.

Profil

Der Manager
Ingmar Hoerr, Jahrgang 1968, gründete nach seiner Promotion in Biologie zusammen mit seinen akademischen Betreuern und zwei Kollegen im Jahr 2000 Curevac. Die Firma sollte seine Entdeckungen zu neuartigen Impfstoffen wirtschaftlich nutzbar machen. Hoerr war zunächst Geschäftsführer, dann Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender. Im März 2020 erlitt er eine Hirnblutung.


Das Unternehmen
Die Tübinger Curevac hat etwa 550 Mitarbeiter und ging im August 2020 an die New Yorker Nasdaq. Die Zulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 ist beantragt, Produktionsverträge sind geschlossen – was auf Milliardenumsätze hoffen lässt.

Ein schwerer Schlag. Wie erging es Ihnen nach der OP?

Wie viele Opfer einer Hirnblutung durchlebte ich beim Aufwachen aus dem künstlichen Koma ein Delirium. Das dauert normalerweise nur wenige Tage, ich aber hatte einige Wochen damit zu kämpfen. Ich wusste zwar, ich bin Ingmar Hoerr aus Tübingen, Gründer von Curevac, konnte mir aber nicht erklären, wo ich war, aus welchem Grund und in welchem Zustand. Einmal lief auf dem Fernseher über meinem Bett das Nachmittagsprogramm eines Privatsenders mit einer Autosendung. Was hatte das mit mir, mit meiner Situation in einem fremden Bett zu tun? Einige Schwestern und Pfleger der Station sprachen untereinander Russisch. Das ließ mich fürchten, der russische Geheimdienst habe mich entführt. Was mich sehr ängstigte.

Konnten Sie sprechen und verstehen, wenn man Sie auf Deutsch anredete? Erkannten Sie bekannte Gesichter?

Meine Frau habe ich gleich erkannt. Das war eine große Erleichterung. Anfangs konnte ich mich wegen meines Luftröhrenschnitts überhaupt nicht äußern. Zudem war ich ans Bett gefesselt, konnte zwei Monate lang nicht gehen und mich auch später zunächst nur im Rollstuhl bewegen. All das musste ich wieder mühsam erlernen, genauso wie schreiben, schlucken und selbstständig essen. Abstraktes Wissen aus meiner Forschung, aus meiner persönlichen Geschichte und der des Unternehmens kam glücklicherweise zurück. Direkte Ansprache, aber auch Nachrichten und Botschaften konnte ich bald wieder verstehen und erwidern. Die wissenschaftlichen Fakten und Kenntnisse, die wirtschaftlichen Zusammenhänge des Unternehmens sind offenbar fest in mir verankert. Nur das Kurzzeitgedächtnis spielt mir noch manchmal einen Streich.

Was haben Sie aus dieser Zeit Ihrer Krankheit über sich gelernt?

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