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Bill Gates über den Klimawandel "Irgendwann werden wir kein Getreide mehr anbauen können"

Microsoft-Gründer und Multimilliardär Bill Gates hat ein Buch über den Klimawandel geschrieben. Im Interview erklärt er, warum er bei der Lösung nicht an politische Kompromisse glaubt – und was aus seiner Sicht helfen könnte.
aus Harvard Business manager 5/2021
"Es wird mit Sicherheit zur Katastrophe kommen, wenn wir den CO2-Ausstoß nicht sehr, sehr drastisch reduzieren", sagt Microsoft-Mitgründer und Philanthrop Bill Gates.

"Es wird mit Sicherheit zur Katastrophe kommen, wenn wir den CO2-Ausstoß nicht sehr, sehr drastisch reduzieren", sagt Microsoft-Mitgründer und Philanthrop Bill Gates.

Foto: Inga Kjer / photothek.net / BMZ / imago images

Harvard Business manager: Es gibt bereits eine ganze Reihe von Büchern, die auf die Dringlichkeit des Klimaproblems hinweisen. Warum haben Sie sich nun auch dieses Themas angenommen?

Bill Gates: Die Generation der Millennials hat dafür gesorgt, dass wir selbst in einer Pandemie wie Covid-19 den Klimawandel nicht aus dem Blick verlieren. Und bei den jüngsten US-Wahlen haben viele Kandidatinnen und Kandidaten das Thema ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Der Wille, etwas zu verändern, ist also da. Aber haben wir auch einen Plan, wie wir den CO2-Austoß auf null reduzieren können? Ich möchte den Menschen zeigen, was nötig ist, um die Durchbrüche zu schaffen, die wir brauchen, um dieses Ziel zu erreichen.

In Ihrem Buch setzen Sie der drohenden Klimakatastrophe Ihren eigenen Optimismus entgegen. Was ist das Wichtigste, das die Leserinnen und Leser daraus mitnehmen sollen?

Zunächst einmal: Klimaneutral zu werden ist schwieriger, als viele denken. Immerhin stößt die Welt jährlich etwa 51 Milliarden Tonnen Kohlenstoff aus. Bei der Frage, wie wir diese Zahl reduzieren können, denken Menschen vor allem an die einfachen Dinge: Strom durch erneuerbare Quellen zu erzeugen oder mehr Elektroautos zu bauen. Wir müssen jedoch auch in anderen wichtigen Bereichen vorankommen, etwa bei kohlenstoffarmem Beton und Zement. Und wir müssen dafür sorgen, dass alle zu diesen Lösungen beitragen, durch politische Maßnahmen, das Handeln von Unternehmen und unser persönliches Konsumverhalten.

Wie weit sind wir derzeit vom Null-Emissionen-Ziel im Jahr 2050 entfernt?

Sehr weit, wenn Sie die kurzzeitigen Reduktionseffekte durch die Pandemie und die Wirtschaftskrise herausrechnen. Die Emissionen steigen. Um 2050 klimaneutral zu sein, müssen wir den CO2-Ausstoß in allen Bereichen drastisch senken – und zwar jedes Jahr.

Sie schreiben, dass selbst wenn wir den Kohlendioxidausstoß um die Hälfte reduzieren, sich die Klimakatastrophe nicht verhindern, sondern nur hinauszögern lässt. Hat es in der Menschheitsgeschichte je einen Wandel derartigen Ausmaßes gegeben?

Einen Umbruch dieser Größenordnung hat es tatsächlich noch nie gegeben. Es muss das Beeindruckendste werden, was die Menschheit je vollbracht hat. Wir haben es in kürzester Zeit geschafft, einen Corona-Impfstoff zu entwickeln, aber das war wesentlich einfacher. Dabei konnte auf den mRNA-Ansatz zurückgegriffen werden, dessen Entwicklung die Gates Foundation und andere Organisationen in den vergangenen zehn Jahren finanziell vorangetrieben haben. Beim Klima ist wichtig, dass wir das Geld nicht einfach dafür einsetzen, um zum Beispiel den Energieverbrauch um 15 Prozent zu senken. Wir müssen in Innovationen investieren, die wirklich etwas verändern werden.

Was passiert, wenn wir das Null-Emissionen-Ziel verfehlen?

Nun, die Temperaturen werden weiter steigen. Ökosysteme wie Korallenriffe und die Arktis werden verschwinden. Wenn Sie Ackerfläche in Kanada besitzen, werden Sie mehr ernten können, weil es wärmer wird. Für Landwirte in Texas oder Mexiko sieht die Sache dagegen schlecht aus. Getreide wie Mais werden sie schlicht nicht mehr anbauen können. Und für Bauern am Äquator, die für den Eigenbedarf anbauen, zum Beispiel in Teilen Afrikas, wird es wirklich katastrophal. Sie werden nicht genug Nahrungsmittel haben, um zu überleben.

Sie schreiben, dass der Klimawandel bis Mitte des Jahrhunderts fünfmal so viele Todesopfer fordern könnte wie Corona – mit weit schlimmeren ökonomischen Folgen. Covid-19 war eine Katastrophe in Echtzeit. Und obwohl sich das Sterben und die Schäden direkt vor unseren Augen abspielten, haben wir in unserer Reaktion darauf wohl versagt. Wie soll es uns da gelingen, eine Antwort auf die wesentlich abstrakteren, sich langsamer abzeichnenden Folgen des Klimawandels zu finden?

Was die Pandemie betrifft, könnten die Vereinigten Staaten heute wie Australien oder Japan dastehen – mit einer sehr geringen Zahl an Toten –, wenn die Verantwortlichen auf mich und andere warnende Stimmen und unsere Vorschläge gehört hätten. Eine Antwort auf den Klimawandel zu finden ist schwieriger, weil wir erstens viel mehr Innovationen brauchen und sich zweitens die negativen Folgen erst viel später zeigen. Bei der Pandemie wussten wir nicht, wann sie sich ereignet. Ich hätte Zeit meines Lebens vielleicht gar keine Pandemie erlebt. Die negativen Folgen des Klimawandels sind dagegen vorprogrammiert. Trotzdem bleiben Fragen, zum Beispiel: Steigen die Temperaturen um vier oder um fünf Grad? Zur Katastrophe wird es jedoch mit Sicherheit kommen, wenn wir den CO2-Ausstoß nicht sehr, sehr drastisch reduzieren.

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