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Interview "Man muss Altes loslassen können"

Virginia "Ginni" Rometty baut den IT-Giganten IBM seit Jahren um. Gewiss ein riesiges Projekt, doch langsam werden angesichts der sinkenden Umsätze nicht nur Investoren nervös. Die CEO bleibt optimistisch und setzt im Interview mit HBR-Chefredakteur Adi Ignatius vor allem auf IBMs Wunderwaffe: den Supercomputer Watson.
Mit Virginia Rometty sprach HBR-Chefredakteur Adi Ignatius
aus Harvard Business manager 9/2017
Foto: Fred R Conrad / NYT / Redux / laif

Als Virginia "Ginni" Rometty 2012 CEO von IBM wurde, übernahm sie zunächst pflichtgetreu die Strategie ihres Vorgängers. Sam Palmisano, der diese Position ein Jahrzehnt lang innegehabt hatte, hatte 2010 gelobt, IBM würde den Gewinn je Aktie binnen fünf Jahren verdoppeln. Gut zwei Jahre nach Beginn ihrer Amtszeit gelangte Rometty zu dem Schluss, dass die weitere Verfolgung dieses Ziels IBMs Neuerfindung torpedieren würde. Im Oktober 2014 verabschiedete sie sich daher von diesem Plan und übernahm die Verantwortung für die Strategie und die finanzielle Gesundheit des Unternehmens.

Seither ist viel geschehen. Rometty, 60 Jahre alt, hat sich einer langfristigen Mission verschrieben: IBM zu einem cloudbasierten, lösungsorientierten Unternehmen zu machen. Sie hat Milliarden in moderne Technologien investiert und sich gleichzeitig von klassischen Geschäftszweigen getrennt, die nicht zu dem neuen Modell passen.

IBM fährt nach wie vor riesige Profite ein, 2016 betrug das Nettoergebnis 13 Milliarden Dollar bei einem Gesamtumsatz von 79,9 Milliarden Dollar. Doch das Ganze ist noch lange nicht abgeschlossen. Im Verlauf des Konzernumbaus hat IBM 20 Quartale in Folge Umsatzrückgänge hinnehmen müssen. Laut Rometty hängt dies in erster Linie mit dem Verkauf der alten Sparten sowie mit nicht vermeidbaren Währungsschwankungen zusammen.

Darüber hinaus erfordere der Weg hin zu neuen, margenstarken Geschäften kurzzeitige schmerzhafte Einschnitte. "Mein Job ist es, ein IBM aufzubauen, das auf Dauer Bestand hat", betont sie.

Bislang hat sie dabei die Unterstützung des Vorstands. Trotz der sinkenden Umsatzzahlen wurde ihr Gehalt erst kürzlich auf 33 Millionen Dollar aufgestockt, was sie unter den bestbezahlten CEOs der Vereinigten Staaten auf Platz 8 katapultierte. Die Frage ist, ob die Investoren ebenso viel Geduld aufbringen. Im Mai ließ Warren Buffett, Hauptaktionär von IBM (knapp 8,6 Prozent), verlauten, er habe rund 30 Prozent seiner Anteile abgestoßen und IBM hätte "einige echt toughe Mitbewerber". Rometty, zugleich auch Chairman und President des Technologiegiganten, scheint sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Ihren Worten zufolge hat IBM die Fähigkeit zum Wandel "in seiner DNA". Und sie muss es schließlich wissen. Sie ist seit 36 Jahren im Konzern, hat sich ihre Sporen mit der Entwicklung der Business-Services-Division von IBM verdient und die erfolgreiche Übernahme und Integration der gesamten Beratungssparte von PwC Consulting in den Konzern gemanagt.

Jetzt setzt sie hauptsächlich auf Watson, die Künstliche-Intelligenz-Plattform von IBM. Watson debütierte 2011, als das Computerprogramm es mit zwei ehemaligen Rekordgewinnern der TV-Quizsendung "Jeopardy!" aufnahm und dabei demonstrierte, wie weit maschinelles Lernen inzwischen gekommen war. Zwei Jahre später brachte IBM Watson auf den Markt, und heute leistet sein künstliches Gehirn alles Erdenkliche – von der Beratung von Ärzten bei der Krebsbehandlung bis hin zu Wettervorhersagen.

Sie leiten IBM jetzt seit über fünf Jahren und haben massive Veränderungen begleitet. Sehen Sie diesen Prozess als Kehrtwende an?

ROMETTY So würde ich es nicht nennen. Es ist eine Transformation. Wir sind ein 106 Jahre altes Technologieunternehmen, und wir sind der einzige Technikkonzern, der sich von einer Ära zur nächsten bewegt hat. Wenn man im IT-Bereich unterwegs ist, muss man sich wandeln.

Wie viel Wandel vertragen Ihre Mitarbeiter und Ihre Investoren? Wann werden Sie sagen können, Sie haben es geschafft?

ROMETTY Das ist eine gute Frage. Lassen Sie mich verschiedene Perspektiven aufzeigen. Zunächst einmal muss man sich darüber im Klaren sein, in welche Richtung der Wandel erfolgen soll. Bei uns dreht sich alles um Daten, und wir haben einen sehr scharfen Blick dafür, was unsere Kunden brauchen. Wenn Menschen über Daten sprechen, meinen sie damit oft Dinge, die über öffentliche Suchmaschinen auffindbar sind. Aber das sind gerade einmal 20 Prozent der weltweiten Daten. Was wir nutzbar machen wollen, sind die 80 Prozent, die hinter den Firewalls der Unternehmen stecken. Dort liegt der wahre Wert. Jeder hat Tonnen von Daten, kann sie aber nicht nutzen. Wir glauben, dass man bessere Entscheidungen trifft, wenn man Zugang zu diesen Daten bekommt, und Entscheidungsfindung ist ein Zwei-Billionen-Dollar-Markt. Um diesen Markt geht es uns. Diesen Markt wollen wir erschließen.

Woher wissen Sie, dass Sie die richtige Strategie verfolgen? Und nehmen Sie unterwegs Veränderungen vor?

ROMETTY Definitiv! Was habe ich schon für Veränderungen angestoßen! Es ist wichtig, voll und ganz an die eigene Vision zu glauben. Aber gleichzeitig muss man die Ergebnisse im Auge behalten. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere neuen Geschäftsfelder rund um Cloud, Data und Security belaufen sich auf fast 34 Milliarden Dollar Umsatz. Sie wachsen um 13 bis 14 Prozent jährlich und machen inzwischen 42 Prozent des Unternehmens aus. Watson, unsere KI-Plattform, wird Ende dieses Jahres eine Milliarde Menschen erreichen. Diese Zahlen sind für mich Beweis genug, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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