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Forum Signifikant höhere Erfolgsquote

Kommentar: Nur Erfahrung zählt (HBm Juli 2008)
aus Harvard Business manager 9/2008

Herr Leciejewski muss sich seiner Behauptungen sehr sicher wähnen, wenn er Instrumente der Eignungsdiagnostik generell als "Irrweg" abtut und stattdessen "jahrelange Erfahrung ..., insbesondere die eines Personal-managers" als Ersatz anbietet. Es mutet schon merkwürdig an, wenn man selbst jahrelange Erfahrung im Personalmanagement gesammelt hat und genau die entgegengesetzte Erfahrung gemacht hat, dass die Auswahlverfahren durch den professionellen Einsatz von Instrumenten erheblich verbessert worden sind.

Warum sollen alltägliche Erfahrungen generell angemessener sein? Welche Erfahrungen sind gemeint? Eine Antwort bleibt der Autor schuldig.

Genauso wenig wie man Kreativitätsprozesse dem Zufall überlassen sollte, sind Kompetenzen, Persönlichkeitsmerkmale, Potenziale und weitere spezielle Merkmale von Leitungskräften angemessen allein über intuitives Beobachten erkennbar und prognostizierbar. Die Komplexität ist viel zu groß, als dass sie unserer Wahrnehmung einfach zugänglich ist. Auf Jahrmärkten mag das Wahrsagen, gestützt auf unmittelbare Anschauung, noch Publikum finden, in professioneller Geschäftswelt ist doch eher Skepsis geboten.

Wer behauptet ernsthaft, zum Beispiel die Raumtemperatur unter allen Umständen per Körpergefühl exakter bestimmen zu können als mittels geeichten Thermometers? Bezogen auf technische Sachverhalte präferieren wir Messinstrumente aus gutem Grund, bei sozialen und emotionalen Sachverhalten wird hingegen das "Bauchgefühl" nicht selten wissenschaftlich entwickelten und geeichten Instrumenten vorgezogen. Mir scheint hier ein immer wieder anzutreffender Irrglaube vorzuliegen; möglicherweise weil man sich mit sozialwissenschaftlichen Methoden nicht auskennt.

Für die berufsbezogene Eignungsdiagnostik gibt es zahlreiche wissenschaftlich entwickelte und gepflegte sowie seit Jahrzehnten in der betrieblichen Praxis bewährte Messinstrumente, die zum Beispiel die Testzentrale in Göttingen anbietet. Da Auswahlverfahren für Leitungskräfte in der Regel über mehrere Stufen durchgeführt werden, können durch Instrumente objektivierte Daten der Verbesserung des gesamten Auswahlverfahrens dienen. Evaluationen belegen eine signifikant höhere Erfolgsquote bei Besetzung von Positionen.

Der in der betrieblichen Praxis durchaus zu beobachtende fragwürdige Umgang mit psychologischen und sozialwissenschaftlichen Verfahren und Instrumenten ist ärgerlich, verweist aber eher auf Unprofessionalität der Entscheider als auf einen "Irrweg" mit Messinstrumenten.

Prof. Dr. Guido Tolksdorf, Zwickau

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