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Persönliche Fragen im Team Und was verdienst du so?

Wir scheuen uns davor, unter Teamkollegen allzu persönliche Fragen zu stellen. Dabei tragen genau solche Fragen dazu bei, eine engere Bindung zu einander aufzubauen.
aus Harvard Business manager 5/2021
Foto: marcoventuriniautieri / iStockphoto / Getty Images

"Und was verdienst du so?" Viele von uns vermeiden solche Fragen; wir halten sie für zu persönlich. Das kann Nachteile haben. Wenn Sie Ihr Gehalt verhandeln oder für eine neue Stelle umziehen müssen, ist es gut zu wissen, was die Kolleginnen und Kollegen verdienen oder was ein Freund vor Ort an Miete zahlt. Eine neue Studie aus den USA deutet nun darauf hin, dass persönliche Fragen meist gar nicht so aufdringlich erscheinen, wie wir es vermuten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie sollten Fragen stellen, von denen sie annahmen, dass sie sich für andere unangenehm anfühlen. Die Gespräche liefen sowohl persönlich als auch über Textnachrichten ab.

Hier ein Auszug aus einem Chat:

"Wie hast du deinen aktuellen Job bekommen?"

"Durch ein Praktikum während des Studiums. Im Anschluss haben sie mir eine unbefristete Stelle angeboten."

"Cool, wie viel verdienst du?"

"Etwa 45.000 Dollar im Jahr."

"Nicht schlecht. Hast du schon mal eine Affäre gehabt?"

"Ne, noch nie eine Affäre gehabt."

Die Fragensteller gingen vor und nach dem Gespräch davon aus, dass ihre Partner sich unwohl fühlen würden und die Beziehung Schaden nehme. In beiden Punkten lagen sie falsch. Für die Antwortgeber machte es überhaupt keinen Unterschied, ob ihnen persönliche oder alltägliche Fragen gestellt wurden: Weder fühlten sie sich weniger wohl, noch bewerteten sie die Beziehung schlechter.

Aus der Forschung ist bekannt: Persönliche Fragen können nicht nur wertvolle Informationen liefern, sondern auch einen Austausch in Gang bringen, der eine Beziehung tatsächlich stärkt. Wer zu höflich ist, lässt diese Chancen liegen.

"Wir wollen nicht dazu auffordern, schlechte Manieren zu zeigen oder kulturelle Normen zu ignorieren", schreiben die Studienautoren. "Aber wir möchten dazu anregen, dass Menschen ihre Annahmen über den Schaden persönlicher Fragen überdenken. Sie rufen meist weit weniger Unbehagen hervor, als wir glauben."

Quelle: Einav Hart et al.: "The (better than expected) consequences of asking sensitive questions", Organizational Behavior and Human Decision Processes, Januar 2021

Ausgabe Mai 2021

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Dieser Artikel erschien in der Mai-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

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